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Chinesisches Neujahr : Ziege oder Schaf laden Chinesen zum Luftholen ein

Glück im Schafspelz: Die Chinesen decken sich zu Beginn ihres neuen Kalenderjahres mit Glücksbringern ein. Bild: Getty

Das neue Jahr im Mondkalender der Chinesen gilt als sanft und gütig. Chinesen rund um den Globus bereiten sich auf das Neujahrsfest vor. Doch viele Chinesinnen wollen ihr Kind lieber noch im stürmischen Jahr des Pferdes zur Welt bringen.

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          Es gibt dumme Ziegen, sture Böcke und blöde Schafe. Und dann gibt es solche Ziegen, Böcke oder Schafe, die das Schicksal von fast 2 Milliarden Menschen beeinflussen. Ein solches Tier klopft nun wieder an: Denn nach dem chinesischen Mondkalender beginnt am heutigen Donnerstag das Jahr des Schafes. Oder, je nach Lesart, dasjenige von Bock oder Ziege. Letztlich ist es egal, wer denn nun das Pferd aus dem vergangenen Jahr ablösen wird. Denn so viel ist klar: Ziege, Bock oder Schaf gehen alle auf das chinesische Schriftzeichen Yang zurück. Yang erscheint in mehreren positiv besetzten Worten wie „schön“, „gütig“ und „verheißungsvoll“. Das hilft dem Ansehen der Ziege, dem achten Symbol des Tierkreises.

          Christoph Hein
          Wirtschaftskorrespondent für Südasien/Pazifik mit Sitz in Singapur.

          Die Chinesen rund um die Erde heißen das neue Tier gebührend willkommen: Die Neujahrsmärkte brummen, die Städte sind geschmückt, die glücksbringenden Orangen an Geschäftsfreunde verteilt. Die Glückszahl Acht und die Farben Gold und Rot stehen in diesen Tagen hoch im Kurs. Gleich zu Beginn des Jahres kommt die Ziege richtig in Fahrt: Frühjahrsferien im chinesischen Asien führen zur Völkerwanderung. 2,8 Milliarden Zug- und Busfahrten planen die Chinesen, um ihre Familien zu besuchen. In den Restaurants und Läden lassen sie in dieser Festwoche umgerechnet fast 100 Milliarden Euro.

          Anruf bei Uber bringt in diesen Tagen auch Tanzgruppen

          Selbst der Taxidienst Uber mischt mit – und sei es nur, um sein ramponiertes Image zu polieren. In Hongkong konnten Uber-Kunden in den vergangenen Tagen neben Taxis auch Tanzgruppen bestellen. „Unsere App verbindet Menschen mit dem nächsten Taxi. Warum sollten wir diese Technik nicht auch für andere Verbindungen nutzen?“, fragt Uber-Hongkong-Chef Sam Gellman. So kommt nun die traditionelle Tanzgruppe zum Neujahrsfest nach Hause, Anruf bei Uber genügt.

          Neben den zwölf Tiersymbolen gibt es auch noch die fünf Elemente. Und so ist die Ziege in diesem Jahr eine „hölzerne Ziege“ – aber kein trojanisches Pferd. „Ihr Element Holz bringt die Ziege in Verbindung mit Feuer und Erde“, sagt Cherry Ma, Analystin von CLSA in Hongkong. „Deshalb dürfte das Jahr für alle Aktien aus Sektoren rund um diese Elemente gut sein, etwa Technologie und Finanzen.“ Weil die „hölzerne Ziege“ in enger Verbindung mit Wald und der Farbe Grün steht, sollten sich Umweltschutz und -technik von Donnerstag an gut entwickeln.

          Schaf oder Ziege gelten als umgänglich, sanft, sympathisch – nicht unbedingt die Eigenschaften, die im Überlebenskampf in der Wirtschaftswelt gefragt sind. Deshalb stürmen derzeit hochschwangere Chinesinnen die Entbindungskliniken: Sie wollen ihr Kind noch im stürmischen Jahr des Pferdes auf die Welt bringen, notfalls mit Kaiserschnitt. Wer jedoch an IS, Ukraine, Ebola, „Grexit“ oder eine baldige Zinserhöhung in Amerika denkt, dem mag ein ruhigeres Jahr mehr als willkommen sein. Das Ziegenjahr jedenfalls lädt ein zum Luftholen, zur Achtsamkeit.

          Schwächste Rate seit einem Vierteljahrhundert

          Das freilich wird wohl auch den Aufgalopp des chinesischen Aktienmarktes im vergangenen Pferdejahr mit einem Plus von 50 Prozent in Schanghai ausbremsen. Denn die Wachstumsrate der zweitgrößten Volkswirtschaft der Welt werde im Ziegenjahr nur noch 6,9 bis 7,1 Prozent betragen, schätzt Lu Lei, Chefvolkswirt der Notenbank in Peking. Es wäre die schwächste Rate seit einem Vierteljahrhundert. Das größte Risiko bleiben Deflation und Abwertungswettläufe in Asien. Freilich hat sich der asiatische Leitindex Hang Seng in Ziegenjahren immer gut entwickelt.

          Wen die Ziege immer noch nicht überzeugt hat, schaut auf die unter ihrem Symbol Geborenen: Steve Jobs und Bill Gates zählen dazu. Noch wichtiger für den Verlauf des Jahres aber dürfte Li Keqiang werden. Der chinesische Ministerpräsident kam 1955 zur Welt: dem letzten Jahr einer „hölzernen Ziege“.

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