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D-Shares : Chinesische Unternehmen wollen in Frankfurt Aktien ausgeben

Blickfang: der alte Handelssaal der Deutschen Börse in Frankfurt Bild: dpa

Noch in diesem Jahr könnten Anleger in Deutschland Anteile an chinesischen Konzernen kaufen - direkt an der Frankfurter Börse. Doch die Risiken sind hoch.

          Um 6,7 Prozent ist die chinesische Wirtschaft voraussichtlich im vergangenen Jahr gewachsen. Das ist zwar so langsam wie seit einem Vierteljahrhundert nicht mehr, doch immer noch ein deutlich schnelleres Wachstumstempo als das Amerikas oder Deutschlands. Warum also sollten deutsche Anleger nicht am schnellen Aufstieg Chinas teilhaben und Aktien chinesischer Unternehmen kaufen?

          Hendrik Ankenbrand

          Wirtschaftskorrespondent für China mit Sitz in Schanghai.

          Bisher war das nur über Umwege möglich: „Shanghai-Hongkong Stock Connect“ nennt sich einer der Kanäle, der es möglich macht, über einen Broker in der chinesischen Sonderverwaltungszone Hongkong Anteile an Firmen zu erwerben, die an der festlandchinesischen Börse in Chinas Wirtschaftsmetropole Schanghai gelistet sind. Auch in den aufstrebenden Technologie-Standort Shenzhen in Hongkongs unmittelbarer Nachbarschaft existiert seit vergangenem Jahr ein solcher Weg.

          Genutzt wurden beide Anlagemöglichkeiten von Ausländern bisher freilich wenig. Um das zu ändern, drängt es Chinas börsennotierte Unternehmen nun direkt nach Deutschland. Nach Angaben der Börse in Shanghai sollen diese in diesem Jahr die Erlaubnis erhalten, Aktien in Frankfurt auszugeben. Sie gehe davon aus, dass das Vorhaben in Einklang mit den Regelungen für den deutschen Aktienmarkt stehe, erklärte die Shanghai Stock Exchange (SSE) am Montag. Die deutsche und die chinesische Regulierungsbehörde müssen den Plänen noch zustimmen.

          „D-Shares“ sollen in Frankfurt die Aktien von in China registrierten Unternehmen heißen. Diese sollen an der deutsch-chinesischen Börse CEINEX gehandelt werden, die im November 2015 in Frankfurt gestartet ist und an der neben der Schanghaier auch die Deutsche Börse beteiligt ist. Bisher können dort Anleihen und Indexfonds (ETFs) gehandelt werden, die die Entwicklung des chinesischen Aktienmarkts abbilden.

          Skandale sollen der Vergangenheit angehören

          Künftig sollen auch Einzelaktien von großen chinesischen Konzernen angeboten werden, die teilweise zu den größten Unternehmen der Welt zählen. Bisher haben diese die Börsen in Hongkong und New York vorgezogen, wenn es um Notierungen außerhalb des chinesischen Festlandes ging. Der größte E-Commerce-Konzern Alibaba etwa wurde im Herbst 2014 an der Wall Street notiert, was ihm eine weltweit riesige Aufmerksamkeit und den bisher größten Börsengang mit einem Emissionsvolumen von 25 Milliarden Dollar bescherte.

          Schon vor zehn Jahren hat die Deutsche Börse Anteile chinesischer Unternehmen in Frankfurt zum Kauf angeboten. Allerdings kamen weniger die großen Staatsunternehmen aus dem Reich der Mitte an den Main, sondern eher unbekannte Firmen aus der dritten und vierten Reihe. Da die Transparenzregeln in China gänzlich andere sind und nur lasch eingehalten beziehungsweise überprüft werden, war in der Konsequenz eine Reihe von Skandalen „Made in China“ die Folge.

          So verschwanden beim Schuhhersteller Ultrasonic Vorstandschef und Teile des Firmenvermögens plötzlich spurlos. Vergangenes Jahr warnte die Börsenaufsicht Bafin vor Kaufempfehlungen für Anteile eines anderen Schuhherstellers namens „Fenghua Sole Tech“, dessen Aktienpreis seit dem Börsengang zwei Jahre zuvor um 75 Prozent eingebrochen war.

          Diese Fehler sollen nun nicht noch einmal wiederholt werden. Aktien aus China haben in Deutschland bei den Anlegern viel Vertrauen verspielt. Die „D-Shares“ sollen hingegen große chinesische „Blue Chip“-Unternehmen abbilden, die alle Prospektvorgaben der Bafin erfüllen müssen. Zusätzlich sollen die gehandelten Unternehmen von Fachleuten der Schanghaier Börse sowie von der chinesischen und deutschen Börsenaufsicht überprüft werden.

          Es wird spannend zu sehen, ob die Vorsichtsmaßnahmen die deutschen Anleger von China-Aktien überzeugen.

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