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Führungslosigkeit beendet : Chinas Staatsfonds bekommt einen neuen Boss

Ding Xuedong, ehemals Chef des chinesischen Staatsfonds, agierte zumindest glücklos. Bild: Reuters

Der chinesische Staatsfonds ist der zweitgrößte der Welt. Doch während die Nummer eins aus Norwegen einen guten Ruf genießt, ist dies mit dem chinesischen Pendant anders.

          Mit einem Anlagevermögen von 941Milliarden Dollar ist er nach dem norwegischen Vorbild der zweitgrößte Staatsfonds der Welt – und nach zwei Jahren mit einem Machtvakuum nun wieder mit einem Chef ausgestattet: Neuer Chairman der China Investment Corporation (CIC) wird der Peng Chun, der zuvor die fünftgrößte Staatsbank Bank of Communications leitete.

          Hendrik Ankenbrand

          Wirtschaftskorrespondent für China mit Sitz in Schanghai.

          Peng ist 57 Jahre alt. Er wird Nachfolger von Ding Xuedong, der schon 2017 seinen Posten räumte. Chinas Führung hatte CIC 2007 gegründet, um die Devisenreserven von mehreren Billionen Dollar anzulegen. In der Finanzszene gilt Chinas Investmentfonds als schwerfällig, glücklos und als unpopulär unter Arbeitnehmern. Die Gehälter sind niedrig. Zu den wirklich wichtigen Investorentreffen und Partys werden CIC-Mitarbeiter oft nicht eingeladen.

          Was andere Banken nicht haben wollten, lande nicht selten bei CIC, heißt es in Schanghai. Wie das kanadische Startup Sunshine Oilsands, das synthetisches Rohöl aus Ölsand gewinnt und mit seinem Börsengang in Hongkong vor sieben Jahren 575 Millionen Dollar einsammelte – am meisten von CIC. Gestartet war die Aktie mit einem Preis von fast 5 Hongkong-Dollar. Heute ist sie noch 0,11 Hongkong-Dollar wert. Gründer Songning Shen hat sich inzwischen nach Myanmar abgesetzt.

          2007, kurz bevor die internationale Finanzkrise gigantische Mengen Kapital vernichtete, stieg CIC bei der amerikanischen Private-Equity-Gesellschaft Blackstone ein, an der er zwischenzeitlich 12,5 Prozent hielt. Im vergangenen Jahr verkaufte CIC seine Anteile. Der offizielle Kommentar, die Beteiligung habe „positive Ergebnisse“ erbracht, ist zweifelhaft. Das gilt auch für die Beteiligung an der Investmentbank Morgan Stanley, bei der CIC ebenfalls 2007 einstieg.

          Den Rekordgewinn in Höhe von 103 Milliarden Dollar, den CIC im Jahr 2017 verdient haben will, halten Fachleute zumindest für fragwürdig. CIC begründete den Anstieg um 18 Prozent mit den Kursteigerungen an Amerikas Aktienmarkt. 43 Prozent der Anlagen von CIC entfallen auf Aktien, von denen die Hälfte auf die Börsen in den Vereinigten Staaten entfällt.

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