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Chinas Renminbi : Auf dem Weg zur neuen Weltwährung

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Wann löst der Renminbi den Dollar als Weltleitwährung ab? Bild: dpa

Den Aufstieg von einer Handels- zu einer Anlagewährung hat der chinesische Renminbi bereits vollzogen. Und wenn es nach den Analysten von Allianz Global Investors geht, dann wird aus ihm auch bald eine Weltreservewährung.

          Das heutige China erinnert, wie Stefan Scheurer, Senior Analyst der Kapitalmarktanalyse von Allianz Global Investors in einer aktuellen Studie bilanziert, sehr stark an die Vereinigten Staaten von Amerika zu Zeiten „Bretton-Woods“, als der Dollar zur Weltreservewährung aufstieg: Neben einem Leistungsbilanzüberschuss wies Amerika auch ein geringes Haushaltsdefizit aus, entwickelten sich zu dieser Zeit zum Exportweltmeister und im Vergleich zu anderen Staaten war die Verschuldung relativ gering (siehe Grafiken).

          Globale regionale Verteilung von Handelsbilanzüberschüssen und -defizite von 1996 bis 2015 (in Prozent des weltweiten Bruttoinlandsproduktes)

          Vor diesem Hintergrund stellt sich die Frage, ob sich die Geschichte wiederholt und der chinesische Renminbi (RMB) zur neuen Weltwährung wird? Der Weg dorthin scheint zumindest geebnet, glaubt Scheurer. Denn zusätzlich zu den oben genannten Punkten verfüge das Reich der Mitte per Ende 2011 mit 3,2 Billionen Dollar über die weltweit größten Devisenreserven. Fast 3 Billionen Dollar davon seien in den vergangenen zehn Jahren angehäuft worden. Anders ausgedrückt bedeute das, dass die Devisenreserven Chinas pro Sekunde um mehr als 14.000 Dollar stiegen. Das heiße aber auch, dass Chinas Abhängigkeit vom Dollar umso größer werde, je höher China eigene Devisenreserven aufgrund von Exportüberschüssen auftürme. Letztlich ist dies das Resultat einer stark exportgetriebenen Wirtschaft, erklärt Scheurer (siehe Grafiken).

          Die Devisenreserven Chinas steigen pro Sekunde um mehr als 14.000 Dollar

          Gleichzeitig scheine strukturell betrachtet in China eine neue Phase der Wirtschaftstätigkeit eingeläutet zu sein. China stelle mittlerweile mit knapp 1,4 Milliarden Menschen nicht nur rund 20 Prozent der Weltbevölkerung, sondern habe 2010 knapp 14 Prozent der globalen (kaufkraftadjustierten) Wertschöpfung erwirtschaftet. Der Economist Intelligence Unit zufolge dürfte Chinas Anteil am globalen Bruttoinlandsprodukt bis 2015 weiter auf rund 17 Prozent steigen und 2050 sollte China nach Schätzungen der Asian Development Bank vermutlich Amerika und Europa überholen. Zudem scheine der Weg für eine Neuausrichtung Chinas im aktuellen Fünfjahresplan geebnet worden zu sein: Weg von einem stark exportlastigen Wirtschaftswachstum hin zur Stärkung des inländischen Konsums. Sollte die Rebalancierung des Wirtschaftswachstums der chinesischen Regierung gelingen, dürfte China wirtschaftlich gesehen weiter auf dem Vormarsch sein, glaubt Scheurer. Davon sollte vor allem auch die chinesische Währung, der Renminbi, profitieren, indem diese gegenüber anderen Währungen weiter aufwertet.

          Chinesische Währung wertet moderat, aber stetig auf

          Um Chinas Wachstum von einer rein exportorientierten Wirtschaft hin zu einem nachhaltigen, konsumgetriebenen Wirtschaftswachstum zu verlagern, lasse die Zentralbank (People’s Bank of China, PBoC) eine leichte Aufwertung ihrer Währung zu. Es ist allerdings eine Politik der kleinen Schritte. Es zeichne sich jedoch eine langsame Öffnung gegenüber dem internationalen Kapitalmarkt ab, mit dem Ziel, am Ende den Renminbi frei konvertierbar zu machen.

          Um die lokale Industrie vor einer schlagartigen Aufwertung zu schützen, ermögliche die chinesische Regierung schon jetzt ausländischen Investoren den kontrollierten Zugang zur chinesischen Währung. Unter anderem geschehe das auch über die Auflegung von in Renminbi denominierten Anleihen. Die Regierung in Peking zeige zudem großes Interesse an der Öffnung des lokalen Kapitalmarktes, da sie es sich zum Ziel gemacht habe, Schanghai bis 2020 als internationale Finanzmetropole zu positionieren. Die Zentralbank dürfte daher die Möglichkeiten, in den Renminbi zu investieren, weiter vereinfachen und auch die Handelsspanne, in der der Renminbi gehandelt wird, kontinuierlich ausweiten, prognostiziert Scheurer.

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