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Elektronikkonzern : China stimmt Toshiba-Verkauf zu

Zentrale des japanischen Elektronikkonzerns Toshiba in Tokio Bild: AP

Der angeschlagene Elektronikkonzern Toshiba kann endlich sein Tafelsilber, das Geschäft mit elektronischen Speicherbausteinen, an Bain Capital verkaufen. China stimmte zu. Finanziell gestärkt steht Toshiba nun vor dem Neuaufbau.

          Die monatelange Saga um den Verkauf eines japanischen Unternehmens an eine amerikanische Beteiligungsgesellschaft hat in China ein Ende gefunden. Toshiba hat nach eigenen Angaben die Zustimmung der chinesischen Aufsichtsbehörden erhalten, sein Geschäft mit Speicherchips an Bain Capital zu verkaufen. Toshiba hat damit alle wettbewerbsrechtlichen Hürden in den relevanten Ländern genommen und will den Verkauf am 1. Juni über die Bühne bringen.

          Patrick Welter

          Korrespondent für Wirtschaft und Politik in Japan mit Sitz in Tokio.

          Für den japanischen Konzern, der in den vergangenen Jahren durch einen Bilanzierungsskandal und durch große Verluste im Geschäft mit Atomkraftwerken in den Vereinigten Staaten in die Schieflage geraten war, signalisiert der Verkauf den Aufbruch in eine neue, kleinere Zukunft. Die Aktie von Toshiba wurde am Freitagmorgen in Tokio nahezu unverändert gehandelt.

          Die amerikanische private Beteiligungsgesellschaft Bain Capital führt ein Konsortium an, das für Toshiba Memory rund 2 Billionen Yen (15,3 Milliarden Euro) zahlt. Bain Capital übernimmt mit finanzieller Hilfe von Endkunden wie Apple und Dell Computer fast die Hälfte der Stimmrechte an Toshiba Memory.

          TOSHIBA

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          Toshiba reinvestiert rund 350 Milliarden Yen und hält künftig rund 40 Prozent. Das japanische Optik-Unternehmen Hoya übernimmt rund 10 Prozent, so dass der Wunsch der japanischen Regierung erfüllt ist, dass das Speicherchipgeschäft mehrheitlich in japanischer Hand bleibt. Der südkoreanische Hersteller von Speicherchips, SK Hynix, ist an dem Konsortium finanziell beteiligt mit der Aussicht, später auch Stimmrechte zu übernehmen.

          Toshiba will nicht nur Schulden tilgen

          Die Zustimmung aus Peking war erforderlich, weil China der größte Markt für Speicherbausteine ist, die in Handys und tragbaren Computern zunehmend gefragt sind. Die Regierung in Peking hatte offenbar Bedenken, dass durch die Beteiligung von SK Hynix die Konzentration zu stark zunehmen könne. Chinesische Unternehmen stehen freilich in den Startlöchern, um der Konkurrenz aus Südkorea, Japan und Amerika nachzueifern. Marktführer im Markt für elektronische Speicherbausteine ist Samsung Electronics aus Südkorea.

          Zuletzt waren Spekulationen aufgekommen, dass die Chinesen die Zustimmung zu dem Geschäft als Druckmittel im Handelsstreit mit den Vereinigten Staaten nutzen könnten. Toshiba erwog schon andere Optionen wie einen Börsengang von Toshiba Memory, nachdem die Chinesen die Entscheidung schon einmal verschoben hatten.

          Toshiba will mit den Einnahmen aus dem Verkauf Schulden tilgen, Kapital an Aktionäre zurückgeben und Investitionen tätigen. Toshiba Memory war in den vergangenen Jahren einer rasanten Nachfrage nach NAND-Flash-Speicherbausteinen das Tafelsilber des Konzerns. Der Bereich trug zuletzt rund 90 Prozent zum Betriebsgewinn bei.

          Mit der weiteren Beteiligung an Toshiba Memory sichert sich der Elektronikkonzern einen Anteil an künftigen Gewinnen, ohne die im Speicherchipmarkt regelmäßig notwendigen großen Investitionen alleine stemmen zu müssen. Das japanische Traditionsunternehmen will sich rund um die Bereiche Energiesysteme und Infrastruktur wieder aufbauen. Ohne das Speicherchipgeschäft aber liegt Toshiba mit einer operativen Rendite von rund 2 Prozent weit hinter Konkurrenten wie Hitachi, General Electric oder Siemens.

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