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Chemie : Bayer rückt von Zielen ab

  • Aktualisiert am

Trotz Aspirin kränkelt die Pharma-Sparte bei Bayer Bild: dpa

Zu hoch gegriffen waren anscheinend die Wachstumsziele bei Bayer. Nun klingen die Rheinländer bescheidener.

          „Wir planen für 2001 im fortzuführenden Geschäft zweistellige Zuwachsraten beim Umsatz und Ergebnis“, versprach Michael Schneider, Vorstandsvorsitzender von Bayer den Aktionären noch zum Jahresbeginn. Nach dem ersten Quartal fallen die Töne in Leverkusen bereits bescheidener aus. Lediglich ein Ergebnis über dem Vorjahr stellt Schneider nunmehr den Aktionären auf der Hauptversammlung am Freitag in Köln in Aussicht. Die Aktie gibt am Freitgamittag um 4,4 Prozent auf 47,20 Euro nach.

          Die Ergebnisse für das erste Quartal blieben hinter den Prognosen der Analysten zurück. Michael Butscher, Analyst bei Merck, Finck & Co stufte die Aktie nach den Daten auf „Marketperformer“ von zuvor „Outperformer“ zurück. „Obwohl Bayer bereits die Erwartungen für das Medikament Kogenate gedämpft hatte, sind die Zahlen hinter meinen Prognosen zurück geblieben“, sagt Butscher. Das Umsatzwachstum in der Pharmasparte liegt mit zwei Prozent deutlich hinter dem Gesamtmarkt, der jährlich zwischen sieben bis zehn Prozent zulegt. Bereinigt um Währungseffekte bewegt sich der Umsatz sogar eher auf Vorjahresniveau.

          Aktie unter Druck gesehen

          Im Bereich Pharma sorgt das Medikament Kogenate für Unsicherheit, nachdem die amerikanische Arzneimittelbehörde FDA die Zulassung verzögert. „Die negativen Auswirkungen auf das Pharma-Jahresergebnis lassen sich abschließend erst nach Klärung mit der amerikanischen Zulassungsbehörde FDA beurteilen“, heißt es dazu bei Bayer. Anthony Cox schätzt, dass die Probleme mit dem Blutverdünnungsmittel Kogenate das Ergebnis mit 300 Millionen Euro belasten könnten. Der Analyst von Dresdner Kleinwort Wasserstein sieht die Aktie zunächst weiter unter Druck. Nach einem Gespräch mit dem Unternehmen glaubt Cox nicht, dass Bayer seine bisherigen Ziele für das Jahr 2001 einhalten kann.

          An Ziele nie geglaubt

          Kritischer ist der Londoner Analyst noch, wenn er an die von Bayer konstatierte Steigerung der Marge im Health Care Bereich auf 20 Prozent für 2002 erinnert wird, die im ersten Quartal 15 Prozent erreichte. „Daran haben ich nie geglaubt“, so Cox. Auch Butscher räumt ein, dass er für Bayer schwierig werden könnte, diese Ziele tatsächlich umzusetzen. Keine großen Impulse sehen die Analysten von dem eingebrachten Vorschlag des amerikanischen Investors auf der Hauptversammlung, der den Konzern in den drei Sparten Pharma, Chemie und Agrochemie aufzuspalten möchte, um so den Börsenwert zu steigern. „Bayer hat immer betont, dass der Gesamtkonzern genügend Potenzial habe, um den wahren Wert freizusetzen“, meint Butscher. Dies bezieht sich vor allem auf die Bewertung, denn Pharma-Unternehmen billigt die Börse wesentlich höhere Kurs-Gewinn-Verhältnisse zu als einem Chemiekonzern.

          Bayer beharrt auf Unabhängigkeit

          Auch Cox glaubt nicht an eine Aufspaltung des Konzern. Die Leverkusener würden alles daran setzen, unabhängig zu bleiben. Immerhin habe Bayer massiv in den Biotech-Bereich investiert, wo sich die Engagements ab 2006 positiv auswirken dürften. Es ist kein Geheimnis, dass Konzerne wie Roche liebend gerne den Pharma-Bereich von Bayer kaufen würden. Da aber derzeit zugleich Chemie und Agrochemie akquiriert werden müssen, sind die beiden weniger lukrativen Chemiebereiche das beste Schutzschild von Bayer gegen feindliche Übernahme. Dabei habe das Management sicherlich von Mannesmann gelernt. „Die Düsseldorfer hatten bereits eine Aufspaltung des Konzern in Telekommunikation und die ursprünglichen Bereiche eingeleitet, daher fehlte ihnen gegen die Vodafone-Pläne die schlagkräftigen Argumente“, so Cox. Diesen Fehler werde Schneider nicht machen und keinen Schritt in Richtung Aufspaltung unternehmen.

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