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Elektroauto : Chefs von VW und Ford wollen Kooperation verkünden

Herbert Diess, Vorstandsvorsitzender von Volkswagen Bild: dpa

Wenn der VW-Aufsichtsrat heute Abend grünes Licht gibt, werden die beiden Autohersteller am Freitag konkretisieren, wie sie auch elektrische und automatisierte Autos gemeinsam bauen.

          Für den Volkswagen-Vorstandsvorsitzenden Herbert Diess ist dieser Freitag Stress, aber auch ein großer Erfolg. Die Zusammenarbeit des Wolfsburger Konzerns mit dem amerikanischen Rivalen Ford ist nach monatelangen Verhandlungen unter Dach und Fach. Am Donnerstag beraten der Aufsichtsrat von VW in Wolfsburg über die Kooperation mit den Amerikanern in Sachen Elektromobilität und autonomes Fahren.

          Carsten Germis

          Wirtschaftskorrespondent in Hamburg.

          Es wird erwartet, dass die Aufsichtsräte am Abend ihre Zustimmung erteilen. Unmittelbar nach dem Ja der Aufseher wollte Diess nach Amerika fliegen. In New York will er am frühen Freitagmorgen mit Ford-Chef Jim Hackett die Details der Kooperation nennen – Zeitpläne, die Aufteilung der Kosten, alles soll bis ins Detail geregelt worden sein.

          Die beiden Autokonzerne kooperieren schon seit Januar bei den leichten Nutzfahrzeugen und Pick-ups, um Hunderte Millionen Euro in der Entwicklung zu sparen. Diess und Hackett hatten danach stets in Aussicht gestellt, bei der Elektromobilität und dem autonomen Fahren die Kräfte ebenfalls zu bündeln. Für Volkswagen sei die Kooperation strategisch sehr wichtig, hieß es am Donnerstag in Unternehmenskreisen in Wolfsburg. Beides – Elektromobilität und die Entwicklung automatisiert fahrender Autos – ist für die Automobilhersteller mit hohen Entwicklungsausgaben verbunden.

          VW hat Milliarden in die Entwicklung seines Modularen Elektrobaukastens (MEB) und in die Wende zur Elektromobilität investiert. Diess treibt diese Wende besonders aggressiv voran. Das Unternehmen plant bis zum Jahr 2022 Investitionen von mehr als 34 Milliarden Euro in neue Elektroautos, autonomes Fahren und die Digitalisierung.

          Ford fehlt derweil bislang eine technische Grundlage für Elektroautos. In der Kooperation mit VW kann auch Ford auf der technischen Basis des Wolfsburger MEB eigene Elektroautos entwickeln. Für VW hat das ebenfalls Vorteile: Erstens spielt das Unternehmen einen Teil der Investitionskosten wieder ein, zweitens dürfte die Skalierung dazu führen, die Kosten je Fahrzeug zu senken und Elektroautos auf dem europäischen Markt mit noch mehr Wucht durchzusetzen.

          In den Unternehmen macht niemand einen Hehl daraus, dass es letztlich die Vorgaben der Politik sind, die dem Elektromotor als Alternative zum Verbrenner zum Durchbruch verhelfen. Nur mit dem E-Auto lassen sich die strengen CO2-Vorgaben der Politik an die Hersteller so schnell durchsetzen, wie es die Politik verlangt – und Milliarden-Strafzahlungen vermeiden. Der Regulator gibt damit die Antriebstechnik vor, die die Konzerne jetzt durchsetzen müssen.

          Die hohen Forschungs- und Entwicklungskosten sind auch der zentrale Grund, aus dem VW und Ford das autonome Fahren zusammen angehen. „Es ist kein Geheimnis, dass es eine sehr teure Geschichte ist, das zu entwickeln, und dass es schon den einen oder anderen gibt, der weit fortgeschritten ist“, sagte VW-Finanzvorstand Frank Witter dazu vor einiger Zeit. Volkswagen will sich dem Vernehmen nach an Fords Tochtergesellschaft Argo AI beteiligen, die auf automatisiertes Fahren spezialisiert ist. Mit Spannung wird erwartet, was Diess und Hackett dazu sagen, wie Argo AI in die VW-eigenen Aktivitäten eingebunden werden soll.

          Die Zusammenarbeit mit dem amerikanischen Start-up Aurora hatte VW-Chef Diess jüngst gekappt und so einen Stolperstein für die Allianz mit Ford aus dem Weg geräumt. Strittig war lange, wie viel VW für seine Beteiligung an Argo AI zahlt. Die Wolfsburger könnten jetzt davon profitiert haben, dass die Aufmerksamkeit für das autonome Fahren in den vergangenen Monaten nachgelassen hat, was eine Beteiligung von VW günstiger machen könnte. Zulieferer warnten vor unausgereiften Systemen, zudem beurteilten Manager die finanziellen Aussichten skeptischer. Volkswagen bündelt die Verantwortung für das autonome Fahren in der Nutzfahrzeugsparte von VW in Hannover.

          Was die VW-Ford-Kooperation bei Nutzfahrzeugen betrifft, gibt es derweil Fortschritte: Erste konkrete Verträge zum Beispiel über die Entwicklung eines Nachfolgemodells für den VW-Pick-up Amarok seien schon geschlossen. Weitere Schritte sollen noch dieses Jahr folgen. Transporter für Gewerbekunden könnten ebenso dazuzählen wie ein City-Van. Dem Vernehmen nach sollen die Transporter-Varianten des „Bullis“ in Zukunft bei Ford in der Türkei gebaut werden und so die Profitabilität der Sparte erhöhen.

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