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Deutschland im Rückstand : Der Börsenchef will Aktien für alle

Theodor Weimer unterhält sich bestens bei der Jahreseröffnung der Börse mit EZB-Präsidentin Christine Lagarde Bild: Frank Röth

Börsenchef Theodor Weimer sieht sich in Deutschland widrigen Umständen ausgesetzt. Nun will er den Kapitalmarkt in die Köpfe und Herzen der Menschen bringen.

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          Nach drei Jahren pandemiebedingter Pause hat die Deutsche Börse wieder ihre „Jahreseröffnung“ in Eschborn feiern können. Vor gut 600 Gästen aus Finanzwelt und Politik, darunter Hessens Wirtschaftsminister Tarek Al-Wazir (Grüne) und Finanzminister Michael Boddenberg (CDU), bekräftigte am Montagabend Gastrednerin Christine Lagarde die straffere Zinspolitik der Europäischen Zentralbank (EZB). „Deutlich und stetig“ müssten die Zinsen weiter steigen, sagte die EZB-Präsidentin. Inflationsraten auf einem Niveau oberhalb des 2-Prozent-Zieles dürften sich nicht festsetzen, sagte Lagarde.

          Daniel Mohr
          Redakteur in der Wirtschaft.

          Zu den Klängen von „Wind of Change“ betrat der Vorstandsvorsitzende der Deutschen Börse, Theodor Weimer, die Bühne, mit dem Wunsch, dass dieser Wind vor allem in Russland wieder wehen möge. Aber auch in Europa und Deutschland hofft Weimer auf Veränderungen. Er skizzierte ein düsteres Bild, festgemacht an sinkenden Investitionen in Europa und Mittelabflüssen von den hiesigen Kapitalmärkten.

          „Jedes dieser Unternehmen fehlt uns im Dax“

          „Die ganze Härte des Kapitalmarkts mussten wir gerade erfahren“, sagte Weimer und bezog sich auf den Abschied von Linde von der Frankfurter Börse. „Das ist bitter, das tut weh.“ Aber letztlich sei die Liquidität an der Börse in den USA größer, und die Bewertungen für Unternehmen seien dort besser. „Für Unternehmen mit Sitz außerhalb Deutschlands und hoher Marktkapitalisierung spielt der Dax keine Rolle“, gestand Weimer ein. Public Equity, also die Börse, leide unter dem großen Private Equity in Deutschland. „Das sind bei uns die Familienunternehmen“, sagte Weimer. „Jedes dieser Unternehmen fehlt uns im Dax.“

          Von den zehn größten Vermögensverwaltern der Welt kämen sieben aus den USA und nur die Allianz aus Deutschland. Weimer verwies auf Zahlen der World Federation of Exchanges, wonach vor 20 Jahren der Wert der börsennotierten Unternehmen auf der Welt in etwa der Weltwirtschaftsleistung entsprach. Seither sei dieser Wert von 100 auf 130 Prozent gestiegen. Deutschland sei hingegen von ohnehin unterdurchschnittlichen 65 Prozent auf 59 Prozent zurückgefallen. „Wir sind eines der schwächsten Länder“, beklagte Weimer, was der Blick auf die Rangliste bestätigt (siehe Grafik).

          In diesem Ökosystem müsse sich aber die Börse bewegen, sagte Weimer, hofft aber auf Besserung und gibt sich als Kämpfer. Vor allem in die aktienbasierte Rente setzt er große Hoffnungen: „Wenn sie kommt, entwickeln die jungen Leute ein ganz anderes Verhältnis zur Börse. So können wir den Kapitalmarkt in die Köpfe und Herzen der Menschen bringen“, sagte Weimer. Er hofft, dass bei diesem Thema nun geklotzt werde und Deutschland nicht nur Ankündigungsweltmeister bleibe.

          Auch Börsen-Aufsichtsrats-Vorsitzender Martin Jetter hatte gemahnt, die umfangreichen Investitionen der nächsten Jahre in Energie, Gesundheit und Mobilität seien nur mithilfe des Kapitalmarkts vernünftig finanzierbar. „Inflows in den deutschen Kapitalmarkt gab es zuletzt nur, weil die deutschen Unternehmen so niedrig bewertet waren“, sagte Weimer. „Vollenden wir endlich die Kapitalmarktunion in Europa“, forderte Weimer. Auch der europäische Listing Act und das Zukunftsfinanzierungsgesetz machen ihm Hoffnung.

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