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Charttechnik-Training : Verlustbegrenzung mit Köpfchen

  • -Aktualisiert am

Verlustbegrenzung ist eine Kunst Bild: FEM Grafik

Erfahrene Börsianer wissen es. Verkaufen ist oft schwieriger als Kaufen. Der Average True Range hilft, die richtige Entscheidung zu finden.

          Wer nach Kauf- oder trendbestätigenden Signalen sucht, ist beim Average True Range falsch. Dafür taugt er aber zur Verlustbegrenzung. Und das ist eine Menge, wie der jüngste Bärenmarkt viele Anleger schmerzhaft lehrte.

          Konkret handelt es sich beim Average True Range, abgekürzt ATR, um den gleitenden Durchschnitt des True-Range-Indikators, der 1978 von Welles Wilder entwickelt wurde. Er sollte den „Limit“-Bewegungen an den schwankungsintensiven Rohstoffmärkten Rechnung tragen.

          Immer am Limit

          „Limit“-Bewegungen sind Tage, an denen wegen eines großen Kurssprungs kein Handel stattfindet. Typischerweise passiert dies an Rohstoffbörsen. Denn jeder an den Commodity-Börsen gehandelte Rohstoff darf pro Tag nur eine bestimmte Maximalbewegung machen. Wird dieser Wert über- oder unterschritten, wird der Handel sofort abgebrochen. Erst am darauf folgenden Tag geht es weiter. Dabei entstehen oft Gaps oder so genannte Löcher im Chart.

          Um die gestiegene Volatilität zu reflektieren, suchte Wilder nach einem Weg, die Bewegungen einzufangen. Die herkömmliche Volatilitäts-Formel, die auf Grund der täglichen Hoch/Tief-Kurse Berechnungen anstellt, würde in diesen Fällen fehlerhafte Ergebnisse anzeigen. Damit war der True-Range-Indikator geboren.

          Die Berechnung im Detail

          Nehmen wir einmal an, eine Aktie hat am Vortag bei 50,00 geschlossen. Am nachfolgenden Tag registriert man folgende Kurse: Hoch 53,00; Tief 50,50; Schlusskurs 52,50. Daraus ergeben sich folgende drei True-Range-Einzelberechnungen:

          · Aktuelles Hoch (53,00) minus aktuelles Tief (50,50): Ergebnis 2,50
          · Aktuelles Hoch (53,00) minus Vortagesschluss (50,00): Ergebnis 3,00
          · Aktuelles Tief (50,50) minus Vortagesschluss (50,00): Ergebnis 0,50

          True Range ist nun der höchste absolute Wert dieser drei Berechnungen - somit 3,00.
          Bei Minus-Zahlen werden einfach die Vorzeichen weggelassen, die höchste Zahl ist das Ergebnis. Im ersten Chart unten sehen Sie dies grafisch zusammengefasst. Zur Anwendung wird aus diesem Indikator die Average True Range, abgekürzt ATR, berechnet. Ein gleitender Durchschnitt.

          Hilfreich zur Verlustbegrenzung ...

          Konkret lässt sich der ATR als Stop-Loss-Marke verwenden. Wie man vorgeht, zeigt der unten stehende Aixtron-Chart. Im oberen Teil der Kursbalkenchart, darunter ein ATR(14) - Vierzehn-Tage-Durchschnitt.

          Nehmen wir an, Anfang November wurde das Wertpapier bei einem damaligen Kurs von 20,15 Euro erworben. Der ATR-Wert an diesem Tag ist 1,54 Euro. Es herrschte also eine durchschnittliche Schwankungsbreite von 1,54 Euro in den letzten vierzehn Tagen.
          Am Tag nach dem Aktienkauf wird eine Stop-Order zur Verlustbegrenzung von 18,61 Euro, Kaufkurs minus ATR, an den Bankberater gegeben. Fällt das Wertpapier unter die genannte Marke, kommt es automatisch zum Verkauf.

          ... und zur Gewinnabsicherung

          Wöchentlich wird angepasst - nur nach oben. Zwei Wochen später erreicht die Aktie einen neuen Höchstkurs von 29,10 Euro. Das ehemalige Stop zur Verlustbegrenzung ist nun Gewinnsicherung. Bei einem ATR von 1,68 an diesem Tag wird die Marke zum Verkauf erhöht auf 27,42 Euro. Schon am nächsten Tag ist die Position mit einem Profit von mehr als dreißig Prozent ausgestoppt.

          Nehmen wir nun an, die Aktie wird bei 23,20 Euro gegen Ende Januar erneut erworben, wäre eine Stop-Order bei 22,00 Euro zu platzieren. Beide Linien sind im Bild zu sehen, und geben ein klares Bild, wann die Position liquidiert wird.

          Je nach erwarteter Anlagedauer - kurz- oder langfristig - kann Average True Range verwendet werden. Bei längerer Haltedauer empfiehlt sich, den zweifachen ATR als Stop-Loss einzuplanen.

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