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Charttechnik-Training : V-Formationen - Heute pfui, Morgen hui

  • -Aktualisiert am

Bestimmte Chartverläufe bedürfen keiner Worte Bild:

Ruckzuck runter und rauf. Das ist die Angst und Gier spiegelnde Kursabfolge, die in V-Formationen zum Ausdruck kommt.

          2 Min.

          Charts haben einen entscheidenden Vorzug: Sie spiegeln objektiv die Emotionen der Anleger wider. Das Chartbild, bei dem Angst und Gier am besten zu erkennen sind, ist die sogenannte V-Formation. Denn sie zeigt auf einen Blick alle Gefühlsregungen der Massen, wenn es um schnelles Geld geht.

          Demonstrieren lässt sich das am Besten am ersten diesem Text nachfolgenden Bild. Bei der V-Formation passiert folgendes: Nach einem längeren Abschwung der Kurse kommt es zu finalen Panikverkäufen. Das heißt, auch die letzten noch optimistisch eingestellten Anleger verlieren endgültig die Nerven (Gruppe A). Es reicht ganz einfach und die Gruppenvertreter wollen nicht mehr. Es wird zu jedem Preis verkauft.

          Rasantes Auf und Nieder

          Die daraus resultierenden schnellen und starken Kursverluste nutzen spekulative Kurzfristanleger (Gruppe B) zum Einstieg. Ihr Ziel: einen schnellen Gewinn einfahren. Geht alles glatt, steigen sie in der Nähe der Tiefs ein, bevor es nachfolgend wieder rasant nach oben geht und die vorherigen Kursverluste ausgebügelt werden. Sobald die Rechnung aufgegangen ist, werden schnellst möglich Gewinne mitgenommen (Gruppe C).

          Verstärkt wird der Abgabedruck noch durch Anleger, die zuvor geschlafen haben und sich nun nach der Kurserholung durch Verkäufe vor einem erneuten Absacken der Kurse wappnen wollen (ebenfalls Gruppe C). Dadurch, dass einige Trader aber immer wieder dagegen halten (Gruppe D), entsteht eine Seitwärtsbewegung. Sie verhindern durch ihre Käufe, dass der Aktienkurs nach unten wegsackt und durch ihre Verkäufe, dass die Notierungen nach oben weglaufen.

          Dieser Prozess kann sich einige Monate hinziehen, bis alle Verkäufe der Gruppe C abgearbeitet worden sind. Kursrückgänge werden dann immer seltener und der Verkaufsdruck lässt nach. Sobald der Kurs über die alten Hochpunkte steigt, ist dies als Kaufsignal zu werten. Dieses Ereignis weckt natürlich Anlegerinteresse, neue Käufer (Gruppe E) steigen ein und sorgen für einen schnellen Kursanstieg. Ideal ist die Formation, wenn sie von einem starken Umsatzanstieg begleitet wird.

          Paradebeispiele Nike und Neuer Markt

          Ein Beispiel aus der Praxis für eine V-Formaion sehen Sie im zweiten unten stehenden Chart, der den Kursverlauf von Nike darstellt. Nach einer im roten Kanal eingezeichneten Seitwärtsphase von mehr als sieben Monaten kam es zu einem von anziehenden Umsätzen unterstützten Kaufsignal. Die Kurse stiegen darauf hin zügig um mehr als 20 Prozent.

          Wie auch bei der W-Formation (siehe W-Formationen oder doppelt hält besser) oder dem Dreifachboden/-top (siehe Wenn der Chart drei Mal klingelt) gibt es natürlich auch die V-Formation in der spiegelbildlichen Darstellung. Dieses Chartbild ist jedoch als Vorbote von dramatischen Kursverlusten zu sehen.

          Ein Warnsignal aus der Praxis, dass vor massiven Verlusten geschützt hätte, ist die im dritten Chart zu sehende V-Formation aus dem Nemax-All-Share-Index. Als Charttechniker, der das eingezeichnete Verkaufsignal beherzigte, begrenzte man seine Verluste auf „nur“ 50 Prozent. Der Anleger jedoch, der im Markt geblieben ist, hat viel mehr verloren.

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