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Charttechnik-Training : Relative-Strength-Index - Alter Indikator, zeitlos aktuell

  • -Aktualisiert am

Relative-Stärke-Index: Nicht mit „Relative Stärke” verwechseln Bild:

Charttechnik ohne Relative-Stärke-Indikator, einfach undenkbar für alte Hasen an der Börse. Thomas Bopp erklärt, was sich hinter dem RSI verbirgt.

          Ein alter Herr unter den Indikatoren ist der RSI, Abkürzung für Relative-Strength-Index. Auch als Relative-Stärke-Index bekannt, hat er nichts mit seinem Namensbruder „Relative Stärke“ (siehe auch: Relative Stärke verrät die besten Pferde) zu tun. Während das Prinzip des Namensbruders darauf basiert, ein Wertpapier mit einem zweiten Wert wie beispielsweise dem Dax zu vergleichen, wird anhand des RSI die eigene innere Stärke untersucht.

          Im Jahre 1978 von Welles Wilder in seinem Buch „New Concepts in Technical Trading Systems“ vorgestellt, berechnet der RSI für jede Aktie Relativwerte, um so diese miteinander zu vergleichen. Große Datenbestände können dann unproblematisch von entsprechenden Filter-Programmen nach bestimmten Bedingungen untersucht werden. Der RSI ist einer der populärsten Indikatoren und wird in vielen Wirtschaftsendungen als Unterstreichung der charttechnischen Meinung herangezogen.

          Grundlage des RSI

          Der Computer berechnet eine Linie unterhalb des Chartbilds mit Werten zwischen Null und Hundert. Kurz gesagt, der PC stellt die Aufwärtskraft der Abwärtskraft gegenüber. Wilder legte bei der Berechnung stets die Periode von 14 Börsentagen zu Grunde. Mittlerweile haben sich aber auch andere Einstellungen bewährt wie beispielsweise fünf, neun oder elf Tage, je nach Anlagezeitraum des Investors.

          Wie bei den meisten Indikatoren gibt es mehrere Möglichkeiten, sich Signale herauszufischen. Zwei Indikatorstände zeigen Extremstände an und sind als Signalzonen einzuordnen. Überkauft ist das Papier bei einem Indikator-Stand von mehr als siebzig. Überverkauft gilt die Aktie unter dreißig. Man sucht hierbei nach Divergenzen. Wird ein Kurshoch durch kein neues Hoch im Indikator bestätigt, so leitet sich daraus möglicherweise ein Verkaufssignal ab. Doch es gibt auch noch andere Arbeitsweisen.

          RSI am Beispiel der Boss-Aktie

          Eine davon ist die Trendlinien-Analyse. Sie ist nicht nur für den Aktienkurs zu verwenden, sondern ebenso für Indikatoren geeignet. Hat eine Aktie einen Trend gebildet, ergibt sich oftmals ein ähnliches Bild im Indikator. Dies kann visuell durch das Ziehen von Trendlinien (siehe auch: Trends - und wie man sie liest) hervorgehoben werden. Tiefpunkte des Aktienkurses werden miteinander verbunden, um einen Aufwärtstrend darzustellen. Parallel sucht man nach Tiefpunkte im Indikator, die man mit einer Trendlinie versieht. Bei Abwärtstrends sind die Hochpunkte die Ansatzpunkte.

          Wird ein längerer Aufwärtstrend im Indikator gebrochen, heißt es aufpassen. Die Wahrscheinlichkeit eines folgenden Trendbruchs in der Aktie erhöht sich dann rapide. Das historische Beispiel zeigt die Boss-Aktie mit einem einjährigem Aufwärtstrend. Ab Dezember 2000 konnte auch im RSI eine Trendlinie eingezeichnet werden. Dieser Trend wurde ein halbes Jahr später nach unten gebrochen, während im Aktienkurs die Welt noch in Ordnung war. Dies war ein erster Warnschuss.

          Das Pullback als letzte Chance

          Die Aktie orientierte sich an der Trendlinie, zeigte aber keinen neuen Ansatz für einen Anstieg. Der RSI entwickelte ein klassisches Pullback. Beim Pullback (siehe auch: Das Pullback) läuft der Indikator oder der Aktienkurs nochmals an die gebrochene Trendlinie heran, und gibt dem Investor somit eine zweite Möglichkeit, zu einem guten Preis ein- oder auszusteigen. Die letzte Chance, mit einem blauen Auge davon zu kommen. Bei der Boss-Aktie schloss sich danach ein Kursverlust von mehr als fünfzig Prozent an.

          Einige Monate später drehte sich der Wind wieder, nach dem gleichen Prinzip beim wie beim Einstieg. Anfang Oktober 2001 folgte dann der Bruch des Abwärtstrends - nicht im Kursbild, sondern im RSI-Indikator. Erst später wurde der Trend im Aktienkurs gebrochen. Nun brauchte es nur noch das Pullback im Indikator, um wieder auf steigende Kurse setzen zu können. Dieses kam Anfang November und bescherte einen Kursanstieg von rund zwanzig Prozent.

          Aber Obacht! In vielen Chartbildern wollen sich einfach keine Trendlinien im Indikator einzeichnen lassen. Dann gilt: Weiterblättern zum nächsten Chart und erneut Trendlinien ziehen.

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