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Charttechnik-Training : Der Stochastik-Indikator ist auch in Trendphasen verwendbar

  • -Aktualisiert am

Der Stochastik-Indikator liefert eine Menge Signale Bild:

Der Stochastik-Indikator ist eigentlich ein alter Hut. Dass man ihn auch anders benutzen kann, als vom Entwickler empfohlen, zeigt Charttechniker Thomas Bopp.

          Kein Buch über die technische Analyse lässt den Stochastik-Indikator aus. Dieses auch für Anfänger geeignete Analyseinstrument entwickelte der Amerikaner George C. Lane. Im Gegensatz zu vergleichbaren Oszillatoren gibt es von ihm zwei Formen. Einmal die schnelle Form, bezeichnet mit Stochastik. Und einen Stochastik-Slow, der wesentlich langsamer reagiert, daher auch bessere Ergebnisse liefern soll.

          Aber was ist ein normaler Stochastik-Indikator? Nach mehrjähriger Beobachtung der Kursbewegungen stellte Lane fest, dass während einer Aufwärtsbewegung die Schlusskurse näher an den Tages-Höchstkursen liegen und in einer Abwärtsbewegung näher an den Tiefstkursen. Um dieses Bild rechnerisch zu erfassen, bastelte er eine Rechenformel, die aus zwei Linien besteht und zwischen Null und hundert schwankt.

          Zu viele Signale

          Die erste Linie wird von Lane „%K“ genannt. Die zweite Linie „%L“. Sie ist eine gleitende Durchschnittslinie von drei Tagen. Signale ergeben sich durch Kreuzungen dieser beiden Linien. Fällt %K durch %L, wird ein Verkauf empfohlen. Gibt es einen Schnitt von unten nach oben, soll man einsteigen. Zusätzlich muss sich der Indikator in Extremzonen oberhalb Siebzig oder unterhalb Dreißig befinden. Diese gelten als Überkauft- und Überverkauft-Zonen, bei denen es eigentlich nicht mehr weiter in die eingeschlagene Richtung gehen sollte.

          Wie bei allen anderen Indikatoren, die unter dem Kursbild angeordnet sind, sucht der Analyst nach Divergenzen. Sprich, ein neuer Höchstkurs wird nicht durch den Indikator bestätigt. Ein Manko: In bewegungsarmen Zeiten gibt es sehr viele Signale, die dann in einem durch Gebühren verursachten Finanzdesaster enden, weil man den Regeln folgend zu viele Aktien kaufen beziehungsweise verkaufen würde. Es gibt einige schlaue Vorschläge, um dieses Dilemma zu umgehen.

          Vorteile des Stochastik-Slow

          Aus dem schlauesten wurde dann der „Stochastik-Slow“. Nach gleichem Prinzip berechnet, nutzt er als %K-Linie den im Original verwendeten gleitenden Durchschnitt. %L ist wie im ersten Fall ein gleitender Durchschnitt. Endlich wurden nicht mehr so viele Signale gegeben! Das Beispiel Commerzbank (siehe unten) zeigt beide Formen. Während ganz unten der angeordnete schnelle Stochastik Spitzen in der Berechnungslinie zeigt, sind die Bewegungen der langsamen Art merklich sanfter.

          Das Haupteinsatzgebiet liegt in Seitwärtsbewegungen. Man kauft, wenn die Linie unten ist, es eine Kreuzung von %K und %L gibt. Verkauft wird oben nach umgekehrten Gesichtspunkten.

          Der Stochastik-Pop

          Deshalb hier eine von Jake Bernstein weiterentwickelte Strategie, der so genannte „Stochastik-Pop". Hier wird erst nach Beginn des Trends investiert. Bernstein hat festgestellt, dass es manchmal sehr profitabel sein kann, erst zu kaufen, wenn der Indikator in die Überkauft-Zone oberhalb Siebzig einläuft. Ausgestiegen wird, wenn diese Zone wieder verlassen wird. Auf sinkende Kurse setzt man umgekehrt.

          Bernstein unterstellt, dass der Stochastik-Slow bei Beginn eines längeren Trends viele Fehlsignale gibt, und sich im überkauften Bereich aufhält. Die normale Schlussfolgerung hieraus wäre, dass das Wertpapier überkauft ist und eigentlich fallen müsste. Die Preise ziehen aber weiter an. Verursacht vielleicht durch den Bruch von Trend- oder Widerstandslinien. Dies ist aber ärgerlich, denn gerade wenn die Bewegung an Fahrt gewinnt, ist man ausgestiegen.

          Die entsprechenden Signale - Grün für Aufwärtstrend, Orange für Abwärtstrend - sind in dem unten stehenden historischen Chart eingezeichnet. Der Vorteil: Kommt es nicht zur Fortsetzung des Trends, ist man durch ein Glattstellungssignal schnell wieder aus der Position raus. Zwei solche Signale sind im August und September 2002 zu sehen.

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