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Lange vergessener Markt : An Japans Börsen könnte die Sonne aufgehen

Die aufgehende Sonne über dem Berg Fuji in Japan Bild: dpa

Solide Unternehmensdaten, niedrige Preise und breite Auswahl – eigentlich ein Traum für jeden Börsianer. Der schlechte Ruf von Japans Aktienmärkten hemmt dennoch viele Anleger.

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          Deflationäre Tendenzen und eine Wirtschaft, die seit den Achtzigerjahren nicht vom Fleck zu kommen scheint – Japan genießt zwar hohes Ansehen aufgrund seiner Stabilität und wirtschaftlichen Größe. Aus den genannten Gründen ist das Interesse am japanischen Aktienmarkt aber eher gering. Dabei gehören die Märkte im Land der aufgehenden Sonne in diesen sehr unsicheren Zeiten zu den stabileren. Die japanischen Leitindizes Topix und Nikkei 225 haben seit Jahresanfang gerade einmal 1,1 Prozent und 1,9 Prozent verloren. Der amerikanische S&P 500 hat dagegen 13,6 Prozent eingebüßt.

          Gregor Brunner
          Redakteur in der Wirtschaft.

          Die Gemengelage an den japanischen Märkten wird zu einem großen Teil von der Inflation bestimmt. Die von der japanischen Zentralbank lang ersehnte höhere Teuerung scheint inzwischen etwas zu greifen. Im April erreichte die Teuerungsrate 2,5 Prozent. Das mag im Vergleich mit 7,9 Prozent in Deutschland weiterhin niedrig sein. Die Preise in Japan stiegen in diesem Maße zuletzt allerdings im Dezember 1991. Beispiele sind Erhöhungen von Preisen für Sojasoße oder auch für Essen in Restaurants. Schlagzeilen machte Anfang Mai die Erhöhung der Preise der Förderband-Sushi-Restaurantkette Sushiro. Fast 40 Jahre lang kosteten dort die Teller mit meist zwei Stücken Sushi 100 Yen (0,69 Euro). Nun sollen sich die Preise zwischen 120 und 150 Yen bewegen, je nach Standort. Die Preise steigen also mindestens 20 Prozent.

          NIKKEI

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          Gehemmt wird die Teuerung durch einen starken Preiswettbewerb im Inland. Dieser verhindert, dass Erzeugerpreissteigerungen im zweistelligen Bereich nicht an Verbraucher weitergegeben werden können. Auch Lohnerhöhungen blieben bis zuletzt aus. Frischen Wind geben sollen hier Steuerbegünstigungen der Regierung unter Ministerpräsident Fumio Kishida für Unternehmen, die ihre Löhne erhöhen. Unterstützt wird die Lohnentwicklung durch das demographisch bedingt sinkende Angebot an Arbeitskräften. Während der Anteil der arbeitenden Frauen ein Plateau erreicht zu haben scheint, scheiden Männer altersbedingt zunehmend aus der Berufstätigkeit aus. Bei niedrigen Geburtenraten von zuletzt 1,3 Kindern je Frau im Jahr 2021 dürfte der Nachschub an Arbeitskräften stagnieren, wenn nicht sogar fallen. Dies würde Arbeitern und Gewerkschaften einen Vorteil in Gehaltsverhandlungen verschaffen.

          Bis Preise und Löhne aber stabile Wachstumsraten erreichen, hält sich Zen­tralbank-Gouverneur Haruhiko Kuroda bedeckt. Yuichi Murao schätzt, dass eine Straffung der japanischen Geldpolitik erst mit einem neuen Gouverneur möglich wird, der im April 2023 antreten sollte. Der leitende Portfolioverwalter für japanische Aktien vom Wertpapierhaus Nomura geht deswegen davon aus, dass weiterhin niedrige Zinsen vor allem exportorientierten Unternehmen helfen werden. Eine wachsende Lücke zwischen den Leitzinsen Japans und dem Rest der Welt, vor allem aber der amerikanischen Notenbank Federal Reserve, würde den Yen schwach halten. Der ohnehin schon sehr niedrige Stand von 133,353 Yen je Dollar erlaubt es dem Ausland, billig in Japan einzukaufen. Dagegen leidet im Inland der Konsum, da steigende Preise Verbraucher und Unternehmen zurückhaltend werden lassen.

          Zukunftsbranchen mit niedrigen Preisen

          Portfolioverwalter Murao hat unter diesen Bedingungen die Sektoren Elektronik und Halbleiter sowie deren jeweilige Zulieferer im Auge. Als Beispiel nannte er Hersteller von Elektromotoren, in denen Japans Automobilhersteller wie Toyota oder Nissan global führend seien. Viele konzentrierten sich derzeit auf die Frage nach den besten Batterieherstellern. Aber es benötige auch einen Motor, der die Energie der Batterie auf die Straße bringe, lautet die Annahme von Nomura.

          Auch fundamental gesehen, seien japanische Aktien relativ günstig. Den Aufstellungen von Nomura zufolge gibt es im amerikanischen Index S&P 500 insgesamt 275 Unternehmen, die eine Eigenkapitalrendite von oder über 15 Prozent haben. Der Wert wird als Richtschnur für die Profitabilität von Unternehmen genutzt. Im Topix gibt es 378 Unternehmen, die es auf oder über 15 Prozent Eigenkapitalrendite schaffen. Allerdings sind die Bewertungen im Topix niedriger als im S&P 500. Das Kurs-Gewinn-Verhältnis in Ersterem beträgt im Durchschnitt 14,16, im Letzteren derzeit 20,80. Nomura sieht daher eine Einstiegschance zu niedrigen Preisen bei gleichzeitig soliden Unternehmensdaten und mehr Werten, die infrage kommen.

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