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SAP-Finanzchef Brandt : „Wir stehen zum Steuerstandort Deutschland“

  • -Aktualisiert am

Freut sich nach 13 Jahren bei SAP auf etwas mehr freie Zeit: Werner Brandt. Bild: SAP

Über 13 Jahre lang war Werner Brandt Finanzchef bei SAP: Im Interview blickt er zurück auf die wichtigsten Meilensteine einer großen Karriere.

          Herr Brandt, schauen wir zurück auf Ihre gut 13 Jahre bei SAP, die sich in Zahlen beeindruckend lesen: Der SAP-Umsatz ist seit 2001 um über 260 Prozent gewachsen, das Konzernergebnis sogar um mehr als 500 Prozent. Wie haben Sie die Finanzabteilung geprägt, seit Sie im Februar 2001 erster CFO von SAP wurden?

          Eine Menge ist seit damals geschehen: Wir haben zum Beispiel die Finanzfunktion durchgehend globalisiert – durch die Zusammenfassung etwa der Bereiche Controlling, Treasury, Tax oder Risikomanagement –, aber auch durch den Einkauf unter globaler Leitung. Wir haben aber auch die Prozesse standardisiert und zentralisiert, unterstützt durch die Gründung von Shared Service Centern oder Centers of Expertise. Das macht uns zum Beispiel auch die Integration von Zukäufen leichter.

          Bei SAP haben Sie Akquisitionen im Gesamtvolumen von über 20 Milliarden Dollar abgewickelt, finanziert und integriert. Welche waren am wichtigsten?

          Eine jede Transaktion war in ihrer Zeit wichtig. 2008 haben wir unser Portfolio im Bereich analytische Anwendungen durch Business Objects gestärkt. Zwei Jahre später haben wir mit Sybase unsere Aktivitäten im Bereich Mobile gestärkt´und unseren Wachstumskurs nach der Finanzkrise, die uns im dritten Quartal 2008 und 2009 mit Rückgängen bei den Lizenzumsätzen getroffen hat, deutlich beschleunigt. 2012 haben wir durch den Kauf von Success Factors und Ariba in den Cloud-Bereich investiert, nachdem unser Versuch, dies mit „Business by Design“ aus eigener Kraft zu tun, nicht so erfolgreich war, wie wir erwartet hatten.

          Sie haben nach jeder Akquisition die Verschuldung schnell wieder gesenkt und weisen zumeist
          Nettoliquidität in der Bilanz aus. Das ist ein Gegenentwurf zu vielen anderen börsennotierten Konzernen, die im Namen der Eigenkapitalrendite auf einen knappen Kapitaleinsatz drängen.

          Ich halte nicht viel vom Steuern nach reinen Finanzkennzahlen. Schuldenfinanzierte Aktienrückkäufe im großen Maßstab führen wir deshalb nicht durch. Unsere Verschuldung haben wir nach jeder Akquisition rasch gesenkt und sind zu einer Nettoliquidität zurückgekehrt. Die Fähigkeit, unsere Verschuldung rasch wieder abzubauen, ist vor allem in unseren starken Cashflows und dem profitablen zweistelligen Wachstum begründet. Beides hat uns geholfen, viele Finanzierungen bereits innerhalb eines Jahres abzulösen.

          Ein Thema, das besonders im letzten Jahr hochgekocht ist, ist die Steuerpolitik mancher internationaler Konzerne. Viele stehen wegen ihrer Steuersparmodelle international am Pranger aber auch im Konflikt zwischen gesellschaftlicher Verantwortung und den Interessen ihrer Aktionäre.

          Ich halte es für legitim, dass Konzerne ihre Steuerquote im Rahmen der legalen Möglichkeiten reduzieren – etwa durch die steueroptimale Akquisition und Akquisitionsfinanzierung. Wo ich persönlich eine Grenze sehe, ist, wenn Konzerne ihre immateriellen Wertgegenstände, also das geistige Eigentum, in ein anderes Land verlagern, um Steuern zu sparen. Wir haben uns sehr früh für Deutschland als Standort für unser geistiges Eigentum entschieden. Mit Ausnahme von geistigem Eigentum, das wir durch Akquisitionen im Ausland erwerben, bekennen wir uns ohne Wenn und Aber zum Steuerstandort Deutschland.

          Ihr Nachfolger wird mit Luka Mucic ein SAP-Eigengewächs, ein Mann, den Sie persönlich sehr gefördert haben. Kann man dies als ein Zeichen für Kontinuität im Finanzressort lesen?

          Luka Mucic ist seit vielen Jahren im Unternehmen und hat etwa das globale Risikomanagement aufgebaut. Als Deutschland-CFO hat er 2008 seine erste Führungsrolle mit Blick auf die spätere CFO-Position übernommen. Zu Beginn des letzten Jahres habe ich dann den Vorschlag gemacht, dass er mein Nachfolger wird, und der Aufsichtsrat ist dem gefolgt. Darüber freue ich mich natürlich sehr. Luka Mucic wird die Kontinuität im Finanzbereich sicherstellen.

          Nach gut 13 Jahren als CFO bei SAP: Was soll man im Gedächtnis behalten?

          Man soll sagen: Es war eine gute Zeit.

          Herr Brandt, wir wünschen Ihnen alles Gute!

          Die Fragen stellte Marc-Christian Ollrog

          Werner Brandt

          Werner Brandt wird 2001 erster CFO von SAP, zuständig für Finanzen und Administration, Personalwesen und zugleich Arbeitsdirektor. Den Finanzbereich übernimmt er „gut funktionierend“ von Dieter Matheis. Seine Karriere beginnt der Diplom-Kaufmann bei PwC, wo er 1991 nebenberuflich zu einem steuerrechtlichen Thema promoviert. Zwischen 1992 und 1999 ist er Mitglied der Geschäftsführung bei Baxter Deutschland.

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