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Prokon-Gläubigerversammlung: : „Teeren und federn“

Prokon-Gründer Rodbertus hat derzeit nichts mehr zu entscheiden Bild: dpa

Carsten Rodbertus hat 75.000 Anleger hinters Licht geführt. Dafür bekommt er nun die Quittung. Auf der Gläubigerversammlung in Hamburg erleidet er eine schwere Niederlage. Es wird nicht seine letzte sein.

          Da steht er nun und pafft entspannt an einem Zigarillo. Er trägt ein orangefarbenes Poloshirt, das über seinem Bauch spannt, dazu blaue Jeans, Sandalen, das graue Haar, wie immer, zu einem langen Zopf geflochten. Er wirkt fröhlich und entspannt. Dabei wartet Carsten Rodbertus auf das größte Gerichtsverfahren, das es jemals in Deutschland gegeben hat. Es ist kurz vor elf am Dienstagmorgen. Und in der riesigen Halle B6 der Hamburger Messe, an deren Eingang sich Rodbertus mit seinen Anhängern vergnügt lächelnd unterhält, warten bereits Tausende seiner Opfer.

          Johannes Ritter

          Korrespondent für Politik und Wirtschaft in der Schweiz.

          Die Mehrheit der 75.000 Anleger, die dem Gründer und langjährigen Geschäftsführer des Windparkfinanzierers Prokon in Summe 1,4 Milliarden Euro anvertraut haben, sehen sich jedenfalls als Opfer. Prokon ist pleite. Deshalb werden sie einen beträchtlichen Teil ihres Kapitals verlieren. Und deshalb strömen sie an diesem sonnigen Dienstag zur Gläubigerversammlung in die Hansestadt.

          „Geteert, gefedert und danach gevierteilt“

          Die Schuld an dieser Pleite schreiben die meisten Carsten Rodbertus zu, der ihnen bis zu 8 Prozent Zinsen und ein gutes, grünes Gewissen versprach. Also zeichnete sie in Scharen seine Genussrechte, die er landauf, landab darbot, in Turnhallen, Gemeindesälen, Hotels und Seniorenheimen. „Wir haben ihm vertraut. Das war ein Fehler. Rodbertus ist ein Blender, der uns das Blaue vom Himmel erzählt hat“, sagt eine Anlegerin aus Düsseldorf und fügt wütend hinzu: „Im Mittelalter hätte man so einen geteert und gefedert - und danach gevierteilt.“

          Rodbertus selbst will zumindest vor Beginn der Gläubigerversammlung nichts sagen. Er hat schon lange aufgehört, mit Journalisten zu sprechen. Denn diesen schiebt er eine Mitschuld an dem Kollaps seines Unternehmens zu. Klar ist, dass nicht zuletzt kritische Presseartikel im vergangenen Jahr immer mehr Anleger dazu bewogen hatten, ihre Genussrechte zu kündigen. Damit ging Rodbertus, dessen Finanzierung fast ausschließlich darauf beruhte, immerzu frisches Kapital einzuweben, das Geld aus. Viel spricht dafür, dass es sich um ein Schneeballsystem gehandelt hat, bei dem die Zinsen der Altanleger mit dem Kapital neuer Investoren beglichen wurden. Die operativen Erträge aus den Windparks reichten jedenfalls nie aus, um die (Kapital-)Kosten zu decken. Dies hat der Insolvenzverwalter Dietmar Penzlin klipp und klar festgestellt.

          Und das ist längst nicht alles: Penzlin wirft Rodbertus vor, sich in zahlreichen Fällen pflichtwidrig verhalten zu haben. So soll Rodbertus das Geld der Anleger unter anderem dafür verwendet haben, einem „befreundeten“ Unternehmen unbesicherte Kredite in Millionenhöhe zu gewähren. Penzlin prüft bereits Schadensersatzansprüche. Die Staatsanwaltschaft Lübeck ermittelt gegen Rodbertus wegen des Verdachts des schweren Betrugs, der Untreue und der Insolvenzverschleppung.

          Trotzdem versucht der schwer Beschuldigte alles, um seinen Einfluss bei Prokon zu wahren. Rodbertus hat ein Alternativkonzept zu Penzlins Restrukturierungs- und Fortführungsplan vorgelegt und wollte auf der Gläubigerversammlung dafür werben, einen anderen Insolvenzverwalter zu inthronisieren. Denn Penzlin ist so etwas wie sein Erzfeind, den er seit Monaten mit allen nur denkbaren Behauptungen und Unterstellungen bekämpft.

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