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Private Equity : Schattenbanken umwerben den Mittelstand

  • -Aktualisiert am

Schattenbanken buhlen um mittelständische Unternehmenskunden. Bild: Sascha Duis

Bei der Finanzierung stehen mittelständische Unternehmen in Deutschland vor der Qual der Wahl. Zunehmend buhlen auch Schattenbanken um ihre Gunst. Den Durchbruch haben sie aber noch nicht geschafft.

          Immer mehr alternative Finanzierer im Fremdkapitalbereich (Debt Fonds) aus den Vereinigten Staaten, England oder Frankreich dienen sich dem deutschen Mittelstand als Kreditgeber an. Häufig handelt es sich um Unternehmen, die aus dem Private-Equity-Markt nur allzu bekannt sind. Immer wieder fallen Namen wie Ardian, Goldman Sachs oder H.I.G.

          Diese und andere Vermögensverwalter erweitern ihre Geschäftsfelder über das Investieren von Eigenkapital hinaus und bieten Unternehmen mittlerweise aus dafür eigens eingeworbenen Fonds vorrangige Kredite (Senior Loan), nachrangige Kredite (Mezzanine) und Unitranche-Finanzierungen an, eine Kreditform, die vor- und nachrangige Elemente in einem flexiblen Produkt kombiniert.

          Da diese privaten Geldgeber weit weniger stark reguliert als Banken, aber vergleichbare Finanzierungen anbieten, spricht man von „Schattenbanken“. Rund 20 von ihnen tummeln sich bereits mit unterschiedlichen Größenordnungen und Schwerpunkten im Debt-Fonds-Segment, wie eine Auflistung der M&A-Beratung Lincoln zeigt, mit stark steigender Tendenz.

          Interessant sind ihre Angebote vor allem für Mittelständler in der Hand von Private Equity-Häusern und zumeist dann, wenn hohe Schulden mit im Spiel sind. Zugang zu den Transaktionen erhalten die Schattenbanken meist über ihr Netzwerk innerhalb der Private Equity-Branche, wo sie auch aus anderen Aktivitäten zu Hause sind – zunehmend aber auch über vermittelnde Banken oder über Finanzierungsberater.

          Allerdings ist Deutschland, wo viele Banken derzeit liebend gern ihr Kreditbuch erweitern und hohe Risiken eingehen, nicht gerade die erste Adresse für die Schattenbanken. In Frankreich und in Großbritannien ist der Finanzierungsmarkt weiter entwickelt – sowohl als Ergebnis des dort reiferen Private-Equity-Geschäfts als auch infolge der größeren Kreditzurückhaltung der Banken.

          Am stärksten drängen die Schattenbanken im Geschäft mit den „Unitranches“ nach vorne. Im ersten Halbjahr 2014 wurden einer Auswertung der Investmentbank Altium zufolge bei drei Private Equity-Transaktionen im deutschen Mittelstand von Debt Fonds Unitranche-Finanzierungen gestellt: Zweimal kam der US-Anbieter Ares zum Zuge,  einmal Avenue Capital. Im zweiten Halbjahr 2013 hatte Altium zwei Unitranche-Finanzierungen im deutschen Midmarket verzeichnet.

          Mezzanine: Hohe Rendite, hohe Risiken

          Attraktiv sei Deutschland für Debt Fonds vor allem im spekulativen Mezzanine-Bereich, glaubt Altium. Darunter sind nachrangige Schulden zu verstehen, die zumeist als Genussrechte oder Nachrangdarlehen ausgestaltet werden und zumeist dann eingesetzt werden, wenn hinter die vorrangigen Finanzierungen noch kreditähnliche Instrumente eingebaut werden, um den Kredithebel (Leverage) des Investments zu erhöhen. Mezzanine ist ein Bereich, in dem traditionell hohe Ausfallrisiken drohen und den die meisten Banken daher weitgehend meiden.

          Christophe Bavière, CEO des Private Equity-Investors Id Invest

          Mezzanine-Finanzierungen sind jedoch für Unternehmen flexibel einsetzbar, vor allem für solche, die Finanzierungspartner für aggressive Wachstumsstories suchen: „Wir wollen den ersten Schritt einer Buy-und Build-Strategie finanzieren“, sagt etwa Christophe Bavière, Chef des Finanzinvestors Id Invest. Gerade hat der aus dem Allianz-Konzern hervorgegangene französische Asset-Manager die erste Zwischenmarke für seinen neuen Mezzanine-Fonds bei 235 Millionen Euro erreicht. 300 Millionen Euro will Id Invest bis zum Jahresende einsammeln und diese innerhalb von zwei Jahren investieren - 20 Prozent bis ein Drittel davon in Deutschland.

          Ein erstes deutsches Investment ist bereits getätigt: Id Invest beteiligte sich mit Mezzanine an der  der Finanzierung der Übernahme des Autozulieferers J&S Automotive durch den Private-Equity-Investor Brockhaus. Verkäufer war der Frankfurter Finanzinvestor Finatem.

          Id Invest-Chef Bavière glaubt an den Beginn einer großen paneuropäischen Konsolidierungswelle im Mittelstand, die eine ganze Reihe von Investitionsanlässen schaffen wird. Doch auch bei Mezzanine-Finanzierungen ist die Dealaktivität nicht allzu hoch. Ganze zwei Transaktionen im zweiten Halbjahr 2013 weist die Altium-Statistik aus, im ersten Halbjahr 2014 war es sogar nur eine einzige.

          Beste Finanzierungschancen für CFOs

          Seinen Investoren verspricht Id Invest Nettorenditen auf Basis des internen Zinsfußes von 12 Prozent pro Jahr. „Wir streben mit diesem Fonds eigenkapitalähnliche Renditen an“, so Bavière. Dies ist indes auch nötig, schließlich sind die Ausfallrisiken der Anlageklasse groß. Diese zeigen sich oft erst bei der Rückzahlung oder im Abschwung, wenn die Bedienung der Mezzanine-Tranchen in der Regel als erstes ausgesetzt wird.

          Für CFOs sind die Finanzierungsbedingungen jedenfalls blendend. „Banken rennen mir die Türen ein“, berichtet ein CFO eines Private Equity-geführten Unternehmens gegenüber faz.net, aus den Refinanzierungsverhandlungen. Banken, Kapitalmarkt, Debtfonds: Finanzchefs haben die Wahl.

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