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Mittelstandsanleihe : MIFA-Gläubiger müssen bluten

Mifa steht unter Druck Bild: dpa

Die Bilanzen des Fahrradherstellers MIFA sind offenbar schon seit Jahren falsch gewesen. Das Unternehmen ist in Schieflage. Jetzt müssen die Anleihengläubiger zahlen.

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          Die Bilanzen des Fahrradherstellers MIFA Mitteldeutsche Fahrradwerke sind offenbar schon seit Jahren falsch gewesen. Wie das Unternehmen am Donnerstag mitteilte, sei im Zuge der Untersuchungen durch Vorstand und Aufsichtsrat festgestellt worden, dass die Abschlüsse der Vorjahre wesentliche falsche Angaben enthielten.

          Martin Hock
          Redakteur in der Wirtschaft.

          Betroffen seien die Bilanzposten Roh-, Hilfs- und Betriebsstoffe sowie fertige Erzeugnisse. Nach aktuellen Erkenntnisse seien die Bestände insgesamt um etwa 19 Millionen Euro falsch bewertet worden. Das betrifft nicht nur den Jahresabschluss 2012, sondern auch die Vorjahre. Gemeinsam mit dem Jahresfehlbetrag des Geschäftsjahres 2013 in Höhe von 15 Millionen Euro werde dies voraussichtlich zu einem Bilanzverlust in Höhe von etwa 28 Millionen Euro zum 31. Dezember 2013 führen. Zum 30.9.2013 hatte MIFA noch einen Bilanzgewinn von 7,66 Millionen Euro ausgewiesen. Das Bilanzergebnis ist der über Jahre kumulierte Gewinn oder Verlust eines Unternehmens.

          „Vor dem Hintergrund aktueller Erkenntnisse“ rechnet der Vorstand auch nicht mehr, wie im März noch angekündigt, mit einem ausgeglichenen Ergebnis für das erste Quartal. Der Aktienkurs des Unternehmens fiel daraufhin um mehr als 12 Prozent bis auf 2,195 Euro.

          Treffen dürfte das nicht zuletzt den früheren Chef des umstrittenen Finanzdienstleisters AWD, Carsten Maschmeyer, der mit einem Anteil von rund 20 Prozent noch zweitgrößter Aktionär der MIFA ist. Im Jahr 2012 gehörten ihm sogar noch 33 Prozent - seither hat er seine Beteiligung gesenkt.

          Auch der Kurs der 2013 begebenen und mit 7,5 Prozent verzinsten fünfjährigen Mittelstandsanleihe geriet unter Druck und fiel von 66 bis auf nur noch 38 Prozent der Nominale.

          MIFA setzt nun voll auf den indischen Fahrradhersteller Hero Cycles, mit dem das Unternehmen im März eine strategische Partnerschaft angekündigt hatte. Schon vor einigen Tagen machten Gerüchte die Runde, Hero Cycles sei an einer vollständigen Übernahme interessiert. Am Donnerstag vermeldet MIFA nun, das indische Unternehmen wolle auf dem Weg einer Barkapitalerhöhung 15 Millionen Euro in MIFA investieren.

          Schlecht sind die Nachrichten aber dennoch für die Gläubiger der 2013 begebenen und mit 7,5 Prozent verzinsten fünfjährigen Mittelstandsanleihe: Hero erwarte als Voraussetzung erhebliche Finanzierungsbeiträge der relevanten Finanzierungspartner der MIFA. Diesbezüglich bereite sich der Vorstand auf intensive Abstimmungen vor und auch mit den Anleihegläubigern soll das Gesamtrestrukturierungskonzept abgestimmt werden. Eine Einladung zu einer Gläubigerversammlung werde voraussichtlich in den kommenden Wochen erfolgen.

          Die Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Ernst & Young erstellt derzeit ein Sanierungsgutachten, auf dessen Basis weitere Maßnahmen zur künftigen Ausrichtung des operativen Geschäfts getroffen werden sollen. Das Gutachten wird voraussichtlich im Juni vorliegen.

          Schon am 20. März hatte MIFA überraschend über bevorstehende Bilanzkorrekturen berichtet, aber nur Fehler bei der Verbuchung des Materialaufwands in den Abschlüssen des zweiten und dritten Quartals eingeräumt. Seinerzeit wurde dies im wesentlichen auf ein neu eingeführtes Buchungssystems zurückgeführt. Davon war am Donnerstag nicht mehr die Rede. MIFA hatte damals auch den am Donnerstag bestätigten Jahresverlust von 15 Millionen Euro angekündigt. Beobachter hatten aber schon damals bezweifelt, dass dieser Verlust lediglich auf die eingeräumten Fehlbuchungen zurückzuführen sein könnte und die Probleme bei der Verbuchung der  Bestände vermutet.

          Der langjährige Alleinvorstand Peter Wicht, in dessen Ägide die zweifelhaften Abschlüsse fallen, ist seit dem 20.März nicht mehr in der Verantwortung. Angeführt wird eine Erkrankung. Zunächst war ihm Hans-Peter Barth als neuer Finanzvorstand und kommissarischem Vorstandsvorsitzenden an die Seite gestellt worden. Mitte April trat Wicht dann gleichfalls „aus gesundheitlichen Gründen“ zurück.

          Einst gutes Rating lockte viele Anleger

          Schon damals waren die Kurse der Aktie und der Anleihe stark gefallen. Notierte die Aktie am 19.März noch bei 6,59 Euro, war sie sechs Tage später noch nicht einmal mehr die Hälfte wert. 

          Noch härter traf es die Inhaber der Anleihe. Diese war von der Rating-Agentur Feri mit der vergleichsweise guten Note „BBB-„ bewertet worden und war sehr gefragt. Am 19. März wurde sie noch mit mehr als 105 Prozent der Nominale bezahlt, tags darauf nur noch mit 70 Prozent. Jetzt sind es noch rund 40 Prozent und angesichts der in Aussicht gestellten „erheblichen Finanzierungsbeiträge der relevanten Finanzierungspartner“ ist fraglich, ob den Gläubigern so viel bleiben wird. Die bisherigen Erfahrungen aus den mittlerweile 14 Fällen von Insolvenzen und Restrukturierungen bei Mittelstandsanleihen sprechen dagegen. Die Rating-Agentur Feri hat das Rating von MIFA nach den Entwicklungen im Frühjahr die Note um sechs Stufen auf „B-“ gesenkt.

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