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Modehaus findet noch keinen Investor : Strenesse rutscht tiefer in die Insolvenz

  • -Aktualisiert am

Strenesse-Filiale in Köln Bild: dpa

Das schwer angeschlagene Modehaus will eine Zerschlagung vermeiden und macht in Eigenverwaltung weiter. Die Kosten werden gedrückt, und auch die Gläubiger werden bluten müssen.

          Seinen blauen Glückspullover aus Kaschmir hat Bundestrainer Joachim Löw schon lange nicht mehr angezogen. Er dürfte es auch gar nicht, denn die deutsche Fußball-Nationalelf wird inzwischen vom Modekonzern Hugo Boss eingekleidet und nicht mehr, wie zur vorigen Weltmeisterschaft in Südafrika, vom Familienunternehmen Strenesse. Dass der Vertrag mit dem Deutschen Fußball-Bund im vergangenen Jahr aufgekündigt wurde, hält Strenesse-Chef Luca Strehle unverändert für die richtige Entscheidung. Das Engagement habe sich trotz des großen Werbeeffekts nie wirklich ausbezahlt, sagt er.


          Aber eine Prise des mit dem Pulli verbundenen Glücks könnte er nun gut gebrauchen – eine große Prise sogar. Denn das schwer angeschlagene Modehaus befindet sich seit Mitte April in einem vorläufigen Insolvenzverfahren mit Eigenverwaltung und wird nach Informationen dieser Zeitung am 1. Juli ins reguläre Insolvenzverfahren überwechseln. Die Hoffnung auf einen Investor, der Strenesse mit frischem Geld versorgen und zu neuen Ufern führen könnte, haben sich bislang nicht erfüllt.

          Luca Strehle darf weitermachen

          Die gute Nachricht für Luca Strehle, den Enkel der Unternehmensgründer, ist dabei: Er darf vorerst weitermachen. Denn auch in der Insolvenz soll Strenesse in Eigenverwaltung geführt werden. Darauf hat sich der Gläubigerausschuss in dieser Woche mit den beiden Rechtsanwälten Jörg Nerlich und Michael Pluta geeinigt, die im April als vorläufiger Sachwalter und leitender Restrukturierer von Strenesse eingesetzt wurden. „Das Verfahren wird mit großer Sorgfalt und Sachverstand betrieben, wir haben großes Vertrauen in die handelnden Personen“, sagt Frank Günther, Geschäftsführer des auf Insolvenzfälle spezialisierten Beratungshauses One Square Advisors und größter Gläubigervertreter. Auch das Amtsgericht Nördlingen werde zustimmen, heißt es.

          Allerdings muss das schwer angeschlagene Unternehmen nun wieder auf eigenen Beinen stehen. Denn die drei Monate, in denen die Löhne von der Bundesagentur für Arbeit gezahlt wurden (Insolvenzgeld), sind nun vorüber. Dem Vernehmen nach wurde die Belegschaft inzwischen von zuvor rund 350 Mitarbeiter um 40 Köpfe reduziert, einige Filialen und Outlet-Standorte (etwa in München und Soltau) wurden geschlossen, weitere sollen folgen. Ob diese Kostenreduzierungen reichen, ist die große Frage, aber Pluta gibt sich zuversichtlich: „Unser Planung lautet, dass Strenesse auch unter schlechten Voraussetzungen sich halten und wieder Gewinn machen kann.“

          Ein zu großer Schuldenberg

          Im Februar dieses Jahres hatte Strehle seinen Gläubigern eine Planung vorgelegt, die für das gerade abgeschlossene Geschäftsjahr 2013/14 einen Verlust von 8,1 Millionen Euro bei einem Umsatz von rund 42 Millionen Euro vorsah. Mit ähnlichen Erlösen soll im gerade begonnenen Geschäftsjahr nun wieder ein kleiner operativer Gewinn von 200000 bis 300000 Euro gelingen. „Wir sind liquide und durchfinanziert bis Juli 2015“, sagt Strehle.

          Aber das löst das Grundproblem des Unternehmens noch nicht: Strenesse schleppt einen zu großen Schuldenberg von rund 20 Millionen Euro mit sich herum, bestehend aus einer Anleihe (12 Millionen Euro), einem nachrangigen Darlehen der Bayerischen Beteiligungsgesellschaft (4,8 Millionen Euro) und einem Gesellschafterdarlehen von Gerd Strehle.

          Ein neuer Investor, da sind sich alle Beobachter einig, wird erst einsteigen, wenn diese Lasten deutlich abgebaut sind. Und das heißt: Strenesse wird im Insolvenzverfahren den Gläubigern einen deutlichen Schuldenschnitt abtrotzen müssen. Derzeit handelt die Anleihe, deren Rückzahlung bis 2017 verlängert wurde, bei 40 bis 50 Prozent ihres ursprünglichen Werts, aber selbst eine Rückzahlung in dieser Höhe scheint ambitioniert.

          Erst im Herbst sollen die Gespräche mit potentiellen Investoren wieder so richtig aufgenommen werden, heißt es nun. Und es gilt als gesichert, dass die Familie Strehle, die heute noch alle Anteile hält, die Mehrheit abgeben muss. Dass einer oder mehrere der Gläubiger am Ende die neuen Eigner sein könnten, gilt als denkbar. „Eine Zerschlagung des Unternehmens“, sagt Frank Günther, „brächte den geringsten Wert.“

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