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Mittelstandsanleihen : MBB Clean Energy irritiert Anleger

Bild: obs

Das Investitionsvehikel MBB Clean Energy hat die Urkunde seiner Anleihe für unwirksam erklärt. Weitere Informationen gibt es nicht. Angeblich gibt es Schwierigkeiten mit Investoren.

          Der Markt für Mittelstandsanleihen ist in den vergangenen Monaten durch Insolvenzen und Betrugsvorwürfe immer mehr in Verruf geraten. Den vorläufigen Höhepunkt der Merkwürdigkeit erreichte er allerdings am Donnerstagmorgen. Das Investitionsvehikel MBB Clean Energy teilte am Morgen mit, dass die Globalurkunde ihrer Anleihe unwirksam sei.

          Martin Hock

          Redakteur in der Wirtschaft.

          MBB Clean Energy stützt sich dabei nach eigenem Bekunden auf zwei unabhängige Rechtsgutachten. Erstellt wurden diese von der Kanzlei Görg & Partner sowie dem Juraprofessor Thomas Möllers von der Universität Augsburg. Die Ansprüche der berechtigten Gläubiger würden bedient, die Zinsen seien auf einem Treuhandkonto hinterlegt.

          Mehr Informationen gibt es zur Stunde nicht. Weder die für Auskünfte zur Anleihe zuständige Abteilung des Unternehmens noch die zuständige Investor-Relations-Firma Biallas Communications konnten weitere Auskünfte erteilen.

          MBB hatte im Mai 2013 72 Millionen Euro einer mit einem Volumen von bis zu 300 Millionen Euro geplanten Anleihe plaziert. Damit sollten Beteiligungen an Wind- und Solarparks erworben werden. Die am 5. Mai 2014 fällige, erste Zinszahlung hat MBB allerdings bisher nicht geleistet und hätte diese bis zum Donnerstag nachzahlen müssen. Seinerzeit hatte das Unternehmen für das Versäumnis „technische Gründe“ angegeben (siehe Mittelstandsanleihenticker vom 7. Mai).

          Offenbar Schwierigkeiten mit neuen Investoren

          MBB soll von internationalen Großinvestoren, unter denen sich einige erste Adressen befinden sollen, Zusagen über die Zeichnung von 500 Millionen Euro zu den Konditionen der Mittelstandsanleihe erhalten haben. Vereinbarungsgemäß sollten die neuen Investoren auf die anteiligen, bislang aufgelaufenen Stückzinsen verzichten. Doch das ist offenbar nicht oder nur unvollständig erfolgt, anders sind die anhaltenden Verzögerungen nicht zu erklären.

          Ohne Verzichtserklärungen würden im Namen der MBB Zinsen womöglich auf das gesamte gezeichnete Anleihevolumen an alle Inhaber abgeführt worden. Dabei geht es rechnerisch um eine Summe von insgesamt bis zu 36 Millionen Euro, wovon nur 4,5 Millionen auf die vor einem Jahr ausgegebenen Schuldverschreibungen entfallen.

          MBB hat aber keinen nennenswerten operativen Geschäftsbetrieb und damit wohl auch keine signifikanten operativen Mittelzuflüsse. Dadurch erscheint fraglich, ob das Unternehmen die Zinsen auf die gesamte Summe hätte einerseits überhaupt zahlen können und andererseits unberechtigt gezahlte Zinsen jemals wieder hätte zurückfordern können. Seit einiger Zeit untersucht auch das Bafin den Fall.

          Wenig vertrauenerweckend

          Mit der Erklärung der Ungültigkeit ficht MBB faktisch die Zahlungspflicht an. Indes scheint derzeit offen zu sein, ob die nicht näher bezeichneten Formfehler geheilt werden können oder eine neue Globalurkunde erstellt werden muss. Da die Anleihe seit der versäumten Zinszahlung vom Handel ausgesetzt ist, kann der Kurs nicht reagieren.

          Nichtsdestoweniger ist der Geschäftsgang bei MBB bisher wenig vertrauenerweckend. Seit der Emission vor einem Jahr hat das Unternehmen keine Finanzberichte vorgelegt – angeblich wegen der Verhandlungen mit den Investoren. Zudem meldete das Magazin FINANCE vor zwei Wochen, dass die im vergangenen September und Oktober angekündigten Käufe von zwei Wind- und Solarenergieparks in Italien nicht vollzogen worden seien (siehe Mittelstandsanleihen-Ticker vom 23. Mai). Dem Unternehmen fehlten weiter Details über die geschäftliche Lage der italienischen Projekte (Due Diligence). Das Geschäft könne aber jederzeit abgeschlossen werden. Andererseits hätten die Verkäufer schon längst Gespräche mit anderen potentiellen Käufern aufgenommen, so FINANCE.

          Selbst wenn man kein direktes Verschulden bei MBB vermutet, so machen die Vorgänge den Eindruck, als sei das Unternehmen entweder mit dem erfolgreichen Abschluss von Vorträgen oder der richtigen Wahl seiner Geschäftspartner überfordert.

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