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Bilanzierung nach IFRS 11 : Neue Bilanzierungsregeln kosten Unternehmen Umsatz

  • -Aktualisiert am

Rechenaufgabe für CFOs: Neue Konsolidierungsvorschriften drücken die Gewinne. Bild: Thinkstock

Neue Bilanzierungsregeln zur Konsolidierung von Joint Ventures kosten viele Unternehmen überraschend Umsatz. Sie müssen nun bekennen, wie sie es mit Beteiligungen halten – wie der Automobilzulieferer Elring-Klinger.

          Mit diesem Jahr müssen Unternehmen ihre Konsolidierung neu gestalten – derzeit nicht unbedingt zu ihrem Vorteil: Die neuen Konsolidierungsvorschriften nach internationalen Rechnungslegungsstandards (IFRS) haben die bisherigen Regeln, die vorgeben, welche Unternehmen in was für einem Umfang in den Konzernabschluss einfließen dürfen, radikal verändert (siehe Kasten). Die Folgen für zentrale Bilanzkennzahlen wie Umsatz, Vermögens- und Schuldenposten sowie Mitarbeiterzahlen sind häufig negativ, vor allem wenn gut laufende und stark wachsende Töchter von den Änderungen betroffen sind.

          Der Autozulieferer Elring-Klinger aus Dettingen/Erms etwa ist durch Joint Venture in Japan und Korea engagiert und profitiert und partizipiert so vom Wachstumsmarkt Asien. Bisher bezog Elring-Klinger-CFO und Vorstandschef Stefan Wolf die Gemeinschaftsbeteiligungen quotal in den Konzernabschluss ein, nun sollen sie nach der sogenannten „Equity-Methode“ bilanziert werden (siehe Kasten). Die Folge ist, dass der bilanziell erfasste Beitrag der  Gemeinschaftsunternehmen zum Konzernumsatz nur noch halb so hoch wäre wie zuvor. 

          Strategieanpassung gegen den Umsatzrückgang

          Viele Unternehmen haben derzeit solche Probleme, sagt Jörg Bösser, Leiter des IFRS Solutions Centers für die Region Deutschland, Österreich und Schweiz bei der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft EY.  „Unternehmen müssen jetzt erneut die Frage beantworten, ob ein Gemeinschaftsunternehmen ein Joint Venture oder eine Joint Operation ist.“

          Die Kriterien dafür sind zum Teil Auslegungssache. Sie hängen unter anderem mit Rechten und Pflichten aus der Kooperation zusammen. Diese entscheiden darüber, ob ein Unternehmen, das zum Beispiel 50 Prozent der Anteile an einem Gemeinschaftsunternehmen hält, dessen Umsätze und Gewinne zu 50 Prozent erfassen darf (Quotenkonsolidierung) oder nur zu den Anschaffungskosten (Equity-Methode), deren Wert jährlich angepasst werden muss. „Im Extremfall kann es auch Unternehmen geben, die plötzlich Null Umsatz haben“, erklärt Jörg Bösser.

          Elring-Klinger wollte den bilanzierungsbedingten Umsatzrückgang nicht hinnehmen. Der Konzern handelte und ging in die Offensive. Um den Umsatzrückgang zu verhindern, übernahmen die Baden-Württemberger 2013 die ausstehenden 50 Prozent der Anteile an der koreanischen Tochtergesellschaft und trafen mit dem japanischen Joint Venture Partner eine vertragliche Vereinbarung über die Kontrollausübung – so war eine Vollkonsolidierung möglich, und der gesamte Umsatz der wachstumsstarken Unternehmen konnte wieder ausgewiesen werden.

          Allerdings mussten durch die rückwirkende Änderung der geänderten Standards auch die Vergleichszahlen der Vorperiode im jüngsten  Geschäftsbericht angepasst werden. Hier lauern weitere Gefahren: „Finanzchefs müssen der Financial Community unbedingt erklären, wie und warum sich die Zahlen verändern“, warnt Bösser. In der Übergangsphase dürfte auch bei Analysten Aufklärungsbedarf bestehen. Die neuen Bilanzierungsregeln haben also auch handfeste Auswirkungen auf den Bereich Investor Relations.

          IFRS

          Infolge der Finanzkrise wurden neue internationale Rechnungslegungsstandards (IFRS) erarbeitet, die die Art der Beziehung zwischen Unternehmen präziser abbilden sollten. Es handelt sich insgesamt um drei neue Standards: IFRS 10, 11 und 12. Sie müssen ab dem Geschäftsjahr 2014 verpflichtend angewendet werden.

          IFRS 10 ersetzt den Vorgänger IAS 27 und bestimmt, ab wann ein Unternehmen ein anderes beherrscht. Berücksichtigt hierbei wird, ob ein Unternehmen variable Rückflüsse erhält oder die Mehrheit der Stimmrechte besitzt. IFRS 11 ersetzt IAS 31 und definiert, welche Art von gemeinschaftlicher Vereinbarung zwischen zwei Unternehmen herrscht. Je nach Rechten und Pflichten aus der Vereinbarung werden Kooperationen als Joint Venture bezeichnet (dann muss die Equitymethode angewandt werden) oder als Joint Operation, was eine Bilanzierung nach der Quotenmethode notwendig macht. IFRS 12 definiert, wie genau die Beziehung zwischen zwei Unternehmen im Geschäftsbericht offengelegt werden muss.

          Quotenkonsolidierung: Bei der quotalen Einbeziehung werden die Vermögenswerte und Schulden sowie Aufwendungen und Erträge des Gemeinschaftsunternehmens (Joint Venture) mit dem Beteiligungsprozentsatz in den IFRS Konzernabschluss einbezogen

          Equity-Methode: Bei der Equity-Methode hingegen werden zunächst nur die Anschaffungskosten des Gemeinschaftsunternehmens in der IFRS Konzernbilanz erfasst. Dieser Wert wird jedoch ergebniswirksam in jeder Periode entsprechend dem anteiligen Gewinn oder Verlust des Gemeinschaftsunternehmens verändert.

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