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Private Equity : Finanzinvestoren zwingen die Banken ins Risiko

  • -Aktualisiert am

Bild: Thinkstock

Immer mehr Banken pumpen Milliardenkredite in von Finanzinvestoren getätigte Übernahmen. Die Private Equity-Häuser nutzen das aus, um immer größere Risiken in die Bankenbranche zu verschieben.

          Die Parallelen sind nicht zu übersehen. Derzeit pumpen Banken und Investoren in ähnlicher Höhe wie am Vorabend der Finanzkrise Milliardensummen in Kreditpakete, mit denen Finanzinvestoren gewagte Firmenübernahmen finanzieren: Der europäische Markt für diese sogenannten „Leveraged Loans“ hat sich nach Angaben des Finanzierungshauses Cubus Partners 2013 mehr als verdoppelt und ein Volumen von 68 Milliarden Euro erreicht. Und im ersten Halbjahr dieses Jahres ging es um weitere 40 Prozent nach oben. In Deutschland sieht es ähnlich aus.

          Neu ist, dass seit dem Herbst vergangenen Jahres auch wieder vermehrt Kreditfonds vor allem aus den Vereinigten Staaten, aber auch aus Europa, bei der Finanzierung von europäischen Private-Equity-Transaktionen mitmischen. Diese Fonds waren es, die entscheidend dazu beitrugen, dass sich 2006 und 2007 auch an den weltweiten Übernahmemärkten eine Kreditblase entwickelte. Genau wie damals ziehen die Banken auch diesmal wieder mit, verzweifelt auf der Suche nach hohen Margen im Kreditgeschäft.    

          Margen für Private Equity-Kredite verfallen

          Die Finanzinvestoren reiben sich die Hände, denn der harte Wettbewerb zwischen den Banken und den Kreditfonds pulverisiert die Kreditmargen ihrer Finanzierungspartner. Zum Jahreswechsel 2013/14 konnten die Banken für Private-Equity-Kredite laut des Datenanbieters LCD im Schnitt nur noch Kreditmargen zwischen 420 und 430 Basispunkten über Euribor durchsetzen – der Euribor ist der Zinssatz, zu dem sich die Banken im Idealfall selbst refinanzieren können. 2012 lagen die Kreditmargen noch zwischen 450 und 550 Basispunkten. Im ersten Halbjahr 2014 setzte sich die Talfahrt ungebremst fort, die Kreditmargen sind je nach Tranche auf 350 bis 400 Basispunkte weiter abgesunken.

          Noch gefährlicher für die Banken ist, dass die Finanzinvestoren wegen der Angebotsschwemme am Kreditmarkt nicht nur die Preise drücken. Auch die Kreditbedingungen diktieren sie – und nutzen das aus, um zu Gunsten ihrer eigenen Renditen den Banken immer größere Risiken aufzuladen. So steigen die Verschuldungsquoten bei neuen Private-Equity-Übernahmen immer weiter an: vom 4,5-fachen des operativen Gewinn (Ebitda) der Zielunternehmen im Jahr 2012 auf aktuell das 5-fache Ebitda. Um den Zuschlag zu bekommen, verzichten die Banken inzwischen oft sogar schon im Vorfeld auf ihre Eingriffsrechte, falls sich die Geschäfte der von ihnen finanzierten Unternehmen schlechter entwickeln sollten als geplant.

          Mit solchen „Covenant-Lite“-Strukturen wurden in jüngster Zeit auch einige Übernahmen in Deutschland finanziert, zum Beispiel der Verkauf des Verpackungsherstellers Mauser an den amerikanischen Investor Clayton Dubilier & Rice – eine der bisher größten deutschen Private Equity-Transaktionen 2014. Dabei lag die Verschuldungsquote von Mauser mit dem 6,2-fachen operativen Gewinn über dem Marktdurchschnitt.

          Auch die Besitzerwechsel bei anderen deutschen Mittelständlern könnten den finanzierenden Banken wegen ihrer aggressiven Finanzierungsstrukturen auf lange Sicht Probleme bereiten, falls sich die Lage bei den Unternehmen verschlechtern sollte. So erreichen unter anderem auch die neuen Kredite der Tank & Rast, des Heizungsablesers Ista und des Pflasterherstellers BSN Medical ein Volumen von mehr als dem 6-fachen des operativen Gewinns.

          Nun richten sich alle Augen auf das zweite Halbjahr. Es gibt Hinweise, dass sich der Margenverfall verlangsamt. Die Hoffnungen der Banken ruhen auf der amerikanischen Notenbank Fed, die ihre Anleihekäufe drosselt und damit einen Anstieg der Marktzinsen herbeigeführt hat.
          Aber auch das kann langfristig Gift für die Banken sein, schließlich birgt der Zinsanstieg Gefahren für die Konjunktur und könnte am Ende für niedrigere Unternehmensgewinne sorgen. Das brächte die Banken in Bedrängnis, schließlich droht Unternehmen, die mit mehr als dem 6-fachen ihres operativen Gewinns in der Kreide stehen, schnell die Überschuldung, sobald der Gewinn sinkt. Die Banken zittern.

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