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Finanzierung : Dürrs langer Weg zum heimlichen Börsenstar

  • -Aktualisiert am

Bild: Dürr

Dürr lässt mit seiner neuesten Anleihe das ramponierte Mittelstandssegment hinter sich und senkt zugleich die Finanzierungskosten deutlich. Nun kann Finanzchef Ralph Heuwing mit Dürr durchstarten und weiter wachsen.

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          Der Lackieranlagenbauer Dürr ist auf Wachstumskurs. Das Unternehmen, das seinen Sitz in Bietigheim-Bissingen vor den Toren Stuttgarts hat, konnte für das vergangene Geschäftsjahr neue Rekordwerte beim Ergebnis und beim Cashflow vermelden: 2013 erzielte Dürr bei einem Umsatz von 2,4 Milliarden Euro ein operatives Ergebnis von 203 Millionen Euro. Damit hat sich das Ergebnis seit 2009, als es mit 6 Millionen Euro nur knapp im positiven Bereich lag, um mehr als das 30-fache vervielfacht.

          Ralph Heuwing, Finanzvorstand von Dürr

          Diese positive Entwicklung konnte Dürr auch für die erfolgreiche Refinanzierung seiner Verbindlichkeiten nutzen. Ralph Heuwing, Finanzvorstand von Dürr, griff dabei auf zwei klassische Finanzierungsbausteine zurück: Zum einen schloss er im Rahmen eines sogenannten Club Deals unter sechs Banken einen neuen Kredit über 300 Millionen Euro ab. Zum anderen platzierte der Finanzchef noch eine klassische Euroanleihe.

          Bereits zum dritten Mal in der wechselhaften Unternehmensgeschichte hat Dürr in diesem Frühjahr den Anleihemarkt angezapft: „Nach der Hochzinsanleihe im Jahr 2004 und der Mittelstandsanleihe im Jahr 2010 ist die neue Anleihe die erste am Euro-Bondmarkt“, sagt Heuwing. Über die Ende März platzierte ungeratete Anleihe hat Dürr 300 Millionen Euro eingesammelt. Das Wertpapier läuft sieben Jahre, wird mit rund 2,9 Prozent verzinst, ist aber nicht vorzeitig kündbar.

          Neue Unternehmensphase bei Dürr eingeläutet

          Mit diesem Euro-Bond kann Dürr endlich mit seiner Vergangenheit abschließen. Die Zeiten waren für den Anlagenbauer nicht immer so rosig wie heute: 2004 war die Lage des Lackieranlagenherstellers fast existenzbedrohend. Die schwache Autokonjunktur hatte das Unternehmen schwer getroffen. Doch die Schwaben erholten sich wieder und verfolgen nun eine neue Konzernstrategie: Der seit Mai 2007 amtierende Finanzvorstand und ehemalige Strategieberater Heuwing hat im Zusammenspiel mit CEO Ralf Dieter den Konzern konsequent auf die Schwellenländer ausgerichtet. Dürr profitiert seitdem vom Autoboom in China und konnte sich dadurch gleichzeitig von der Marktschwäche in den Stammmärkten Europa und Nordamerika abkoppeln.

          Auch der Kapitalmarkt honoriert Dürrs Entwicklung der vergangenen Jahre: Lag der Aktienkurs im Jahr 2005 zwischen 7 und 8 Euro, so stieg er im Juni 2014 auf deutlich über 60 Euro. Damit hat sich der Lackieranlagenbauer im vergangenen Jahrzehnt vom Sanierungsfall zum heimlichen Börsenstar aufgeschwungen.

          Diese Erfolgsgeschichte spiegelt sich auch in den genutzten Finanzierungsinstrumenten wieder. CFO Heuwing will einen Großteil des Emissionserlöses aus der aktuellen Anleihe dazu nutzen, die Mittelstandsanleihe im Volumen von 225 Millionen Euro aus dem Jahr 2010 abzulösen. Zwar hat sich Dürr zum genauen Zeitpunkt der Ablösung noch nicht geäußert, der frühestmögliche Termin ist aber der 28. September 2014. Angesichts einer Zinskuponhöhe von 7,25 Prozent ist es naheliegend, dass CFO Heuwing diese Gelegenheit ergreifen wird, um die Finanzierungskosten so schnell wie möglich weiter zu senken – für die neue Anleihe zahlt er schließlich nur rund 2,9 Prozent Zinsen über sieben Jahre. Die restlichen Mittel will Dürr dazu einsetzen, den Konzern weiterzuentwickeln.

          Nach diesem langen Weg zum Euro-Bond und dem erfolgreich abgeschlossenen neuen Kredit kann sich CFO Heuwing nun auf die geplanten Zukäufe konzentrieren, um den Konzern weiterzuentwickeln und das Umwelttechnikgeschäft ertragsstark zu machen. „In den nächsten Jahren gilt es, unsere Marktposition durch Innovationen, die Fortsetzung des Globalisierungskurses und eine Stärkung unseres Servicegeschäfts abzusichern und auszubauen“, sagt Heuwing und will die gesetzten Ziele entschlossen umsetzen.

          Im Porträt

          Ralph Heuwing

          Der ehemalige Strategieberater Ralph Heuwing ist seit Mitte Mai 2007 CFO des Anlagenbauers Dürr. Seit Januar 2011 verantwortet der 48-Jährige auch den Geschäftsbereich Clean Technology Systems im Vorstand.

           

          Dürr

          Der Anlagenbauer aus Bietigheim-Bissingen (Umsatz 2013: 2,4 Milliarden Euro) bietet Produkte, Systeme und Dienstleistungen vorwiegend für die Automobilfertigung an. Die Umwelttechnik will das MDax-Unternehmen als neues Standbein aufbauen – auch mit Hilfe von kleineren Akquisitionen.

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