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Private Equity : Renditen unter Druck

  • -Aktualisiert am

Auch die Private Equity-Renditen geraten zunehmend unter Druck. Bild: Thinkstock

Private Equity wird für Investoren in der Niedrigzinsphase attraktiver. Pensionskassen und Vermögensverwalter erhöhen ihr Engagement und verstärken den Anlagezwang in dem engen Markt.

          Derzeit fließt viel Geld in Private Equity. Nicht zuletzt, weil viele  Vermögensverwalter und Pensionskassen, die traditionell in diesem Bereich anlegen, unterinvestiert sind. Das liegt auch daran, dass Aktien und Anleihen mittlerweile so teuer sind, dass sie in den Portfolios übergroßes Gewicht erhalten haben und alternative Anlagen unterrepräsentiert sind.

          Private Equity ist bei vielen Investoren die wichtigste Alternative zu traditionellen Wertpapieren. „Viele Pensionskassen haben ihre Zielallokation für Private Equity von 3 bis 3,5 Prozent auf bis zu 6 Prozent des Portfolios erhöht“, berichtet Guy Eastman, der das Fondsgeschäft beim Private-Equity-Investor Aberdeen SVG mit verantwortet.

          Der Kapitalzufluss hat schon jetzt die Kassen der Finanzinvestoren gefüllt. Weltweit verfügt die Branche allein für Unternehmenskäufe (Buy-outs) über verfügbares Kapital von rund 400 Milliarden Dollar, wie die Beratungsgesellschaft Bain errechnet hat.  Ein erheblicher Teil dieses so genannten trockenen Pulvers soll auch in Deutschland investiert werden, wo die Investoren auf ein stabiles Wirtschaftsumfeld hoffen.

          Einer Auswertung der Beratungsgesellschaft EY zufolge haben Finanzinvestoren im ersten Halbjahr 58 Unternehmenszukäufe in Deutschland getätigt, drei Mal mehr wie im Vergleichszeitraum des Vorjahres. Dabei konnten sie allerdings nicht so viel Geld investieren wie gewünscht: Am häufigsten waren kleinere Käufe, so dass der Wert der realisierten Zukäufe laut EY gegenüber dem ersten Halbjahr des Jahres 2013 um 40 Prozent auf 5,6 Milliarden Euro sank. Der Wert der realisierten Exits hingegen überstieg bei 38 Transaktionen mit 7 Milliarden Euro den Vorjahresbetrag.

          Anlagedruck

          Diese Zahlen zeigen, dass das Investitionstempo der Private-Equity-Branche derzeit zu langsam ist, um die sich auftürmenden Kapitalberge abzutragen – zumal die Investoren immer öfter direkt in die Unternehmen investieren wollen. Für jeden Euro Eigenkapital aus dem Fonds wollen die LPs genannten Investoren inzwischen 50 Cent direkt dazu investieren, bestätigt der Manager eines großen Private Equity-Fonds.

          Dennoch betonen die Manager stets, dass sie keinen größeren Druck verspüren, zuzukaufen. „Wir müssen die Geduld haben, auf die richtige Gelegenheit zu warten“, sagt etwa Uwe Kolb, Partner des Private-Equity-Fonds Bridgepoint. „Unseren Investoren haben wir ein Versprechen abgegeben, wie wir investieren wollen. Daran halten wir uns.“ Dies bedeutet auch mal Jahre ohne Deals.

          Stefan Zuschke, Deutschlandchef des Milliardenfonds BC Partners, gibt sich ebenfalls vorsichtig. Er schaut  sich dieser Tage mögliche Transaktionen deutlich kritischer an als üblich: „Die Marktpreise sind einfach zu hoch.“ Mit dieser Einschätzung steht er nicht allein: Viele Private-Equity-Investoren empfinden die hohen Unternehmensbewertungen als Belastung für den Einstieg. 2014 dürfte ein gutes Jahr für Exits werden, aber ein schwieriges für Zukäufe, beschrieben rund 100 vom Magazin FINANCE anonym befragte Manager im Frühjahr ihr Marktgefühl.

          Doch irgendwann innerhalb ihrer Investitionsperiode müssen die Private Equity-Häuser die zur Verfügung gestellten Gelder abrufen, wenn sie deren langfristige Geschäftspartner bleiben wollen. Ob aber die Aussichten im kommenden Jahr besser werden, ist nicht ausgemacht.

          Ardian-Dachfondsmanager Jan Philipp Schmitz

          Daher zeichnet sich ab, dass die Renditen der Branche sinken werden. Jan Philipp Schmitz, beim Private Equity-Unternehmen Ardian in Deutschland für das Dachfonds- und Sekundärmarktgeschäft zuständig, findet: „Wenn die Renditen in der Niedrigzinsphase etwas runtergehen, ist das okay. Wer das investierte Geld verdoppelt, zählt zu den besseren Fonds“, sagt Schmitz. „Und die Guten tun sich leichter beim Geld einsammeln, die Schwachen verschwinden häufig vom Markt.“ Übertragen auf die jährliche Verzinsung (interner Zinsfuß/IRR), die die Private Equity-Investoren von den Beteiligungsgesellschaften erwarten, liegt diese momentan bei 15 bis 20 Prozent. Vor einigen Jahren lagen diese Werte noch bei 20 bis 25 Prozent, bestätigt Schmitz.

          Dies liegt auch daran, dass die Private-Equity-Häuser heute länger an ihren Portfoliounternehmen festhalten als früher. Wenn dann der gleiche Gewinn erzielt wird wie früher, sinkt die jährliche Rendite, weil die Haltedauer länger war. Daher messen sich viele Private Equity-Häuser heute schon lieber am erzielten Geldmultiplikator, denn „wenn das Money Multiple höher ist, sinkt die IRR“, sagt Aberdeen SVG-Manager Eastman.

          Viele Finanzinvestoren denken daher um und beginnen, sich für Transaktionsarten zu interessieren, die vor einigen Jahren noch nicht im Investitionsfokus standen. So will etwa BC Partners zukünftig auch opportunistischer agieren und „kleinere Schecks“ schreiben, wie Zuschke erklärt. Das heißt: Mehr Deals, mehr Arbeit. Auch eine Minderheitsbeteiligung könne mal darunter sein, zeigt sich Zuschke offen. Keine Frage: Der Druck steigt auch im Private-Equity-Markt.

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