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Cloud : M&A im virtuellen Datenraum

  • Aktualisiert am

Bei digitalen Datenräumen hat die Sicherheit höchste Priorität. Bild: Thinkstock

Digitale Datenräume werden immer wichtiger – bei vielen M&A-Transaktionen sind sie längst Standard. Was den Prozessbeteiligten auf den ersten Blick nur Vorteile bringt, verursacht auch Sicherheitsprobleme.

          Auch vor dem Geschäft mit Unternehmensübernahmen (M&A) macht das Cloudcomputing nicht halt. Fast vorbei sind die Zeiten in denen sich potentielle Käufer und deren Berater in einem mit Aktenordnern und hohen Regalen vollgestopften Raum tagelang durch Papierberge wühlen. Heute betreten Käufer und Verkäufer im M&A-Prozess sowie deren Berater den Datenraum meistens virtuell. „In regulären M&A-Prozessen ist ein virtueller Datenraum mittlerweile alternativlos“, sagt Bilfinger-Finanzchef Joachim Müller zu faz.net. Bei bilateralen Verhandlungen vor allem unter strategischen Investoren hingegen sei ein physischer Datenraum oder eine alternative Datenbereitstellung etwa per Email noch „noch recht üblich“, sagt der 54-Jährige , der es nach Dutzenden Transaktionen  in den vergangenen Jahren wissen muss.

          Tatsächliche physische Datenräume sind auf dem Rückzug. „Nur bei ganz sensiblen Wettbewerbsdaten werden manchmal noch echte Datenräume eingerichtet, die sogenannten Clean Rooms“, sagt M&A Experte Christian Pleister von der Wirtschaftskanzlei Noerr.
          Auf den ersten Blick bietet das Online-Zugänglichmachen der Daten, die für eine so genannte sorgfältige Prüfung (Due Diligence) der Kaufinteressenten notwendig sind, fast nur Vorteile. Schließlich wird das Arbeiten dadurch nicht nur effizienter und transparenter – die digitale Plattform ermöglicht es, auch internationale Bieter anzusprechen, wodurch dem Verkäufer höhere Preise winken. „Jeder Prüfbereich kann simultan und ohne Reise-Zeit und –Kosten zu verursachen, die nötigen Daten sichten“, erklärt Müller.  Schneller seien die Prüfungsprozesse dadurch zwar nicht geworden, aber detaillierter und flexibler in der Durchführung.

          Effizienzgewinne im virtuellen Raum

          Auch für die an den Transaktionen beteiligten Dienstleister, etwa Wirtschaftskanzleien und M&A- Berater, erleichtern digitale Datenräume die Arbeit. Kaufinteressierte Unternehmen oder Private Equity-Investoren profitieren ebenfalls von den neuen technischen Möglichkeiten. Die Daten werden übersichtlicher geordnet, was ein effizienteres Arbeiten ermöglicht. Beispielsweise erfolgt eine automatische Dokumentation über die Zugriffe auf die Daten. So kann die Verkäuferseite leichter einen Überblick darüber behalten, wer wann welche Dokumente eigensehen hat. Zudem können die Zugangsberechtigungen unterschiedlicher Personenkreise genau verwaltet werden.

          Die Käuferseite ihrerseits erlangt möglicherweise einen tieferen Einblick in das Zielunternehmen als zu Zeiten der physischen Datenräume. „Durch den Einsatz von virtuellen Datenräumen erfolgt oft auch eine „breitere“ Prüfung, da mehr Dokumente bereitgestellt werden können und gesichtet werden müssen“, sagt Finanzchef Müller.

          Doch neben den vielen praktischen Vorteilen stellt sich jedoch bei einer solchen Auslagerung von sensiblen Firmendaten auf eine externe Plattform immer auch die Frage nach der Sicherheit. Seit dem NSA Skandal diskutieren auch Finanzchefs das Thema Industriespionage wieder stärker. CFOs müssen sich aktiv mit dem Schutz vertraulicher Unternehmensdaten befassen. Letztlich liegt die Verantwortung für den Verlust sensibler Daten nämlich in der Chefetage und nicht nur in der IT-Abteilung.

          Über verschiedene Mechanismen soll der virtuelle Datenraum zu einem sicheren Ort für sensible Informationen werden. So werden die Daten beispielsweise verschlüsselt gespeichert und auch versendet. Bei manchen Anbietern kann sich ein Zutrittsberechtigter nur dann einloggen, wenn er zusätzlich einen Sicherheitscode (Pin) eingibt, den er zuvor auf seinem Mobiltelefon erhalten hat. 

          Entscheidend für die Sicherheit der Daten kann auch sein, in welchem Land die Server stehen, auf denen die Daten gespeichert werden, da die gesetzlichen Datenschutzrichtlinien stark variieren können. Diese Frage sollten Finanzchefs unbedingt im Auge behalten. Auch hier ist das Beispiel USA zu nennen, wo Geheimdienste unter Umständen Zugriff auf vertrauliche Firmendaten verlangen können.

          Mögliche Gefahren zum Trotz hält Michael Klumpp, geschäftsführender Gesellschafter der M&A-Beratung KP Tech, die digitalen Datenräume dennoch für die beste Lösung. „100 Prozent Sicherheit gibt es natürlich nie, aber bei den großen deutschen und europäischen Anbietern können sich die Unternehmen darauf verlassen, dass ihre Daten geschützt werden“, glaubt Klumpp. Auch Bilfinger-Finanzchef Müller, der nur mit führenden Anbietern zusammenarbeitet, hat noch „keine negativen Erfahrungen“ gemacht. Der digitale Zug nimmt weiter Fahrt auf.

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