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Blackrock-Chef Larry Fink : Die Ängste eines Fondsmanagers

  • -Aktualisiert am

Laurence Fink, Vorstandschef von Blackrock Bild: REUTERS

Der Blackrock-Chef Larry Fink schwingt sich zum Propheten auf. Auf einer Podiumsdiskussion mit Deutsche-Bank-Chef Anshu Jain in New York sagt der Fondsmanager soziale Unruhen in Schwellenländern voraus. Grund dafür: der technologische Fortschritt, der den Bedarf an Arbeitskräften weiter mindert.

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          Laurence „Larry“ Fink macht gerne mal einen Spaß. Und offenbar besonders gerne mit Anshu Jain, dem Ko-Vorstandsvorsitzenden der Deutschen Bank. Fink, Vorstandschef von Blackrock, der größten Fondsgesellschaft der Welt, führte am Mittwoch auf einer von der Deutschen Bank ausgerichteten Investorenkonferenz in New York ein öffentliches Podiumsgespräch mit Jain. Als Jain, der als Investmentbanker Karriere gemacht hat, erläuterte, dass seit der Finanzkrise viele Geschäfte von Banken wie der Eigenhandel mit Wertpapieren verschwunden sind, ging Fink dazwischen. „Das hat doch aber Spaß gemacht, nicht wahr?“, fragte der Blackrock-Chef - wohlwissend, dass diese umstrittenen Wetten bis heute das Image von Jain und der ganzen Bankenbranche belasten. Jain nahm es mit Humor. „Es macht immer Spaß, Stichwortgeber für Larry zu sein“, erwiderte er und ließ sich nicht aus dem Konzept bringen.

          Norbert Kuls
          Freier Autor in der Wirtschaft.

          Aber Fink macht natürlich nicht nur Witze. Auf die Fragen von Jain stellte er einen ganzen Katalog von Sorgen zusammen, die ihn derzeit umtreiben. Die größten Unwägbarkeiten sind seiner Ansicht nach die Konsequenzen des technologischen Fortschritts auf die Arbeitsmärkte in Schwellenländern. Fink fürchtet, dass Technologie den Bedarf an Arbeitskräften weiter mindern werde, was schließlich zu sozialen Unruhen führen könnte. „Ich glaube fest daran, dass das geschehen wird“, sagte er, wobei der genaue Zeitpunkt ähnlich wie das Platzen einer Blase an den Finanzmärkten nicht vorhersehbar sei. Fink bezeichnete diese Entwicklung als seinen „schwarzen Schwan“. Dieser vor einigen Jahren geprägte Begriff bezeichnet schwer vorhersehbare Vorgänge, die erhebliche Auswirkungen auf Märkte haben.

          Vor zwanzig Jahren hätten Investoren in Schwellenländer investiert, weil die Arbeitskräfte billig waren und es eine Menge Leute gab, sagte Fink. Arbeiter spielen aber auch in den Entwicklungsländern eine immer geringere Rolle im verarbeitenden Gewerbe. Fink führte das Beispiel einer Fabrik des indischen Autoherstellers Tata außerhalb von Mumbai an, die 30 Prozent mehr produziert als vor zehn Jahren, aber nur noch etwas mehr als ein Zehntel der damaligen Arbeitskräfte beschäftigt. Zudem verändere der technologische Fortschritt bei Erntemaschinen auch den Bedarf an Arbeitsplätzen in der Landwirtschaft, was mit zur Migration von Menschen aus ländlichen Regionen in die Städte beiträgt. „Ich fürchte, dass das globale Wirtschaftswachstum nicht ausreichen wird, um den Bedarf an Arbeitsplätzen in diesen Ländern zu bedienen“, sagte Fink.

          Börsennotierte Fondsanteile mit Hebelwirkung könnten „eines Tages die Branche zur Explosion bringen“

          Als Vorstandsvorsitzender von Blackrock und Großanleger spricht Fink direkt mit Regierungschefs und Notenbankern, was er auch wiederholt erwähnt. „In jedem Land, das ich besuche, sagen die Spitzenpolitiker, dass sie Arbeitsplätze schaffen müssen“, berichtet Fink. Das sei nicht nur ein Thema in den Vereinigten Staaten und Europa. „Ich glaube nicht, dass es ein Zufall ist, dass die Unruhen bereits zunehmen“, sagte Fink. „Es ist mein schwarzer Schwan, dass wir eines Tages aufwachen und es massive soziale Unruhen gibt.“

          Fink glaubt zudem, dass die nach der Finanzkrise schärfer gewordene Regulierung die Risiken vernachlässigt, die von bestimmten Finanzprodukten ausgehen. Fink kritisierte speziell börsennotierte Fondsanteile (ETF) mit Hebelwirkung. Diese Produkte gehören nach Angaben der Analysegesellschaft Morningstar zu den am schnellsten wachsenden Segmenten des populären ETF-Marktes. Anleger versprechen sich von diesen Finanzprodukten eine überdurchschnittliche Rendite. Ohne konkret zu werden, bezeichnete Fink diese Papiere als „strukturelles Problem, das eines Tages die ganze Branche zur Explosion bringen könnte“. Die amerikanische Börsenaufsicht SEC hatte Anleger vor den Risiken solcher Zockerpapiere gewarnt, ihren Vertrieb aber zugelassen.

          Fink kritisierte die Marktzulassung. Blackrock werde derartige Produkte nicht anbieten, auch wenn dadurch Marktanteile verlorengingen. „Wir würden gehebelte ETFs niemals auflegen“, sagte er kategorisch. Auch der Internationale Währungsfonds hatte sich kritisch zu börsengehandelten Fondsanteilen geäußert, die mit Derivaten eine zusätzliche Rendite erzielen wollen. Der Währungsfonds fürchtet, dass diese Produkte, die auch in Deutschland vertrieben werden, für zusätzliche Komplexität und höhere Risiken an den Finanzmärkten sorgen. Anshu Jain reagierte auf Finks Stichwort bei dem Gespräch übrigens nicht. Die Deutsche Bank hat gehebelte ETF-Produkte im Angebot - und das ist kein Witz.

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