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Strukturwandel : Banken schwächeln, CFOs gewinnen

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Deutsche Banken stehen laut einer Bain & Company Studie vor einem großen Strukturwandel: Die Firmenkunden-CFOs reiben sich erwartungsvoll die Hände. Bild: Vlad Kochelaevskiy/iStock/Thinkstock/Getty Images

Die Bankenbranche steht unter Druck, laut Bain & Company werden nur drei profitable Geschäftsmodelle überleben. Nutznießer könnten CFOs der Firmenkunden sein.

          3 Min.

          Die Bankenwelt steht laut einer Studie von Bain & Company vor einem großen Strukturwandel. Rückläufige Zinsspannen sind für Banken Alltag geworden. Die Strategieberatung glaubt, dass das auch so bleiben wird – die Zeit der hohen Eigenkapitalrenditen sei endgültig vorbei.

          In einer groß angelegten Studie hat Bain für den Zeitraum von 1970 bis 2013 knapp 2.000 in Deutschland tätige Finanzhäuser untersucht (mehr zur Studie: siehe Infobox). Der Grund für die abnehmende Profitabilität liegt nicht primär in den erhöhten Eigenkapitalanforderungen durch die Bankenaufsicht, sondern vielmehr an Problemen im operativen Geschäft. So ging laut der Studie im Jahr 2013 nur knapp 1 Prozentpunkt des Renditeverlustes auf die Rechnung der seit 1970 um 1,9 Prozentpunkte gestiegenen Eigenkapitalquoten der Banken. Bain unterstreicht diese These zudem mit den seit 1970 nahezu konstant verlaufenden Cost-Income-Ratios.

          Die Wurzel des Problems liegt im operativen Geschäft der Banken: Das Verhältnis des Teilbetriebsergebnisses zum Eigenkapital fiel laut Bain zwischen 1970 und 2013 von 21 auf 10 Prozent. Schuld daran ist vor allem der deutlich rückläufige Zinsüberschuss, der früher 57 Prozent des Eigenkapitals ausmachte, heute im Schnitt aber im Zuge abnehmender Zinsspannen nur noch 24 Prozent beträgt. Der Überschuss aus dem Provisionsgeschäft hat in dieser Zeit hingegen nur leicht von 9 auf 8 Prozent abgenommen. Die Schlussfolgerung von Bain: Weil die Zinsspannen so eng geworden sind, wird ein erfolgreiches Kosten- und Risikomanagement zum zentralen Erfolgstreiber für die Banken, von denen laut Bain es inzwischen nur noch die wenigsten schaffen, ihre Eigenkapitalkosten zu erwirtschaften.

          Kosten sind um 30 Prozent zu hoch

          Das größte Potential für die notwendigen erheblichen Kostensenkungen sieht Bain in der Fokussierung der Geschäftsmodelle, der Prozessoptimierung und –automatisierung sowie der Straffung der Filialnetze und damit dem Abbau von Personalkosten, dem unverändert größten Kostenblock der Bankhäuser. Die Banken haben damit schon begonnen, gegenüber 2008 wurde laut Bain die Anzahl der deutschen Bankfilialen um 10 Prozent zurückgefahren. Parallel sank die Zahl der Arbeitsplätze um 28.000 (4 Prozent). In Großbritannien und Spanien seien hingegen bereits 70.000 beziehungsweise 61.000 Stellen abgebaut worden.

          Für die Banken gibt es aber noch mehr Bedrohungen als dass die Zinsmargen schneller dahin schmelzen als die Kosten: Zum einen wäre dort der wachsende Wettbewerb, der im Firmenkundengeschäft zum Beispiel gerade durch die ausländischen Großbanken BNP Paribas und HSBC angefacht wird, zu nennen. Zum anderen wird der Zahlungsverkehr von neuen „Fintech“-Anbietern wie Paypal und Apple bedroht.

          Nur drei Geschäftsmodelle werden überleben

          In Anbetracht der notwendigen Kostensenkungen und Profitabilitätssteigerungen sieht Bain mittelfristig nur noch drei erfolgreiche Geschäftsmodelle im Bankensektor: Die globalen Universalbanken würden künftig ihr Know-how und ihre Marktanteile weiter bündeln sowie Synegie- und Skaleneffekte nutzen.

          Daneben würden sich Regionalinstitute und Spezialisten oder Nischenbanken herauskristallisieren, welche ihre Kernkompetenzen auf bestimmte Geschäftsfelder oder Regionen fokussieren. Hierbei spielen Outsourcing und Shared-Service-Center eine tragende Rolle, wodurch die Kostenblöcke dieser Banken sehr schlank sind.

          Bain sieht zudem den Konsolidierungsprozess noch nicht abgeschlossen: Sparkassen und Genossenschaftsbanken müssten ihre sektor-interne Konsolidierung intensivieren und weiter Skaleneffekte nutzen. Diese inländischen Maßnahmen werden durch globale Zusammenschlüsse ergänzt. Diese spielen sich laut der Studie vor allem in den Bereichen Transaction-Banking, dem Kapitalmarktgeschäft und dem Asset Management ab.

          Der Kampf um das Corporate-Banking ist entbrannt

          Was diese Entwicklung für CFOs so interessant macht: Die überlebensträchtigen Geschäftsmodelle sind laut der Studie zu einem guten Teil auf das Corporate-Banking ausgerichtet. Aktuell werden dort die Marktanteile neu verteilt, es tobt ein Preiskrieg, der den Banken aktuell rund ein Drittel der Margen im Firmenkundengeschäft kostet, die sie 2011 noch erwirtschaftet haben. Die CFOs können Finanzierungen und Bankdienstleistungen so billig einkaufen wie selten zuvor. Und Bain glaubt: Sofern sich das Marktumfeld in naher Zukunft nicht dramatisch ändert, wird sich an dem neuen Machtgefüge so schnell nichts verschieben. Die CFOs reiben sich die Hände.

          Zur Studie

          Bain & Company hat eine langfristige Studie über die Entwicklung und die Erfolgsfaktoren im deutschen Bankwesen vorgenommen. Dazu wurden auf Basis von Daten der Deutschen Bundesbank, der EZB, der Weltbank sowie den Datenbanken von Bankscope und Hoppenstedt rund 2.000 in Deutschland tätige Finanzinstitute analysiert. Die Studie bezieht sich dabei auf einen Zeitraum von 1970 bis 2013. Neben den externen Daten zog Bain & Company Ergebnisse eigener Umfragen und Studien heran.

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