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Klimaschutz : Wie die Finanzbranche Gutes tun will

Der schädliche Einfluss von Unternehmen mit einem hohen CO2-Ausstoß soll künftig besser messbar werden – das verspricht zumindest die Finanzindustrie. Bild: dpa

Ein Vermögensverwalter misst die „Temperatur“ seiner Fonds, eine Bank kompensiert den CO2-Ausstoß mit einem Projekt in Uganda. Die Branche hat ehrgeizige Ziele, doch noch muss sie ihre Kunden überzeugen. Der Druck, nachhaltiger zu werden, nimmt zu.

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          In immer mehr Branchen steigt der Druck, sich ehrgeizigere Ziele für die Nachhaltigkeit zu setzen und sie auch einzuhalten. Die Finanzbranche ist dabei keine Ausnahme. Eine der Herausforderungen für Fondsgesellschaften besteht oftmals darin, ihre Investments und Portfolios bezüglich ihrer Nachhaltigkeit korrekt zu messen und die Ergebnisse offenzulegen – kein leichtes Unterfangen. Amundi, Europas größte Fondsgesellschaft, hat sich dafür nun mit der britischen Nichtregierungsorganisation Carbon Disclosure Project (CDP) zusammengetan, um den Beitrag zur Erderwärmung von vier ausgewählten Fonds zu messen.

          Antonia Mannweiler

          Redakteurin in der Wirtschaft.

          Das Pariser Klimaabkommen sieht vor, die Erderwärmung auf deutlich unter zwei Grad, besser noch, auf nicht mehr als 1,5 Grad im Vergleich zum vorindustriellen Zeitalter zu begrenzen. Davon sind viele Staaten und Unternehmen aber immer noch weit entfernt. Um die Temperatur oder den Beitrag zur Erderwärmung ihrer Fonds messen zu können, verwendet die Fondsgesellschaft aus Frankreich das Rating von CDP. Die Temperatur der Fonds mit den Namen wie CPR Invest – Climate Action oder Amundi Global Ecology ESG schwankt dabei zwischen 2,2 und 2,6 Grad. Überträgt man die Messung aber auf die gesamte Wertschöpfungskette der im Fonds befindlichen Unternehmen, kann die Temperatur der jeweiligen Fonds noch einmal um bis zu 0,5 Grad Celsius steigen.

          Investitionen wie „Blackbox“

          In der Branche fehle es an Transparenz, sagt dazu Laurent Babikian, Direktor für die Kapitalmärkte bei CDP. Viele Investitionen seien immer noch eine „Blackbox“. Das CDP-Temperatur-Rating helfe der Transparenz und werde etwa auch von der Umweltschutzorganisation WWF kontrolliert. Die Unternehmen im Fonds selbst werden dafür einmal im Jahr überprüft. Dann, wenn die Unternehmen über ihre Klima-Kennzahlen und ihre selbst gesteckten Ziele berichten. Auf die Frage, was mit Unternehmen sei, die nicht ausreichend Informationen veröffentlichen, antwortet Babikian, dass diese automatisch einen „Default-Score“ von 3,2 Grad erhielten. Einen schlechteren Score gibt es bis jetzt jedoch noch nicht, selbst wenn die Unternehmen vielleicht schlechter abschneiden.

          Europas größter Vermögensverwalter Amundi (hier die Zentrale) will transparenter mit dem CO2-Ausstoß seiner Fonds umgehen.

          Dass auch 2,6 Grad für einen Nachhaltigkeitsfonds immer noch das Zwei-Grad-Ziel des Pariser Klimaabkommens verfehlt, hat aus Sicht von Babikian damit zu tun, dass es im Anlageuniversum noch zu wenige Unternehmen gibt, die diese Marke einhalten können. „Im Moment sind nur 250 Unternehmen mit dem 1,5-Grad-Ziel kompatibel und nur 400 Unternehmen mit dem Zwei-Grad-Ziel.“ Mit der zunehmenden Transparenz gehe es nun genau darum: Dadurch Druck auf die Unternehmen ausüben zu können. Je mehr Fonds gemessen werden, desto objektiver und leichter könne man sie miteinander vergleichen. Bei Amundi starte man zunächst einmal nur mit den vier Fonds, so Babikian. Dann wolle man sehen, ob die Kunden interessiert seien.

          Bereit, die Bank zu wechseln

          Dabei steigt das Interesse der Kunden hinsichtlich der Nachhaltigkeit stetig. So hält die auf Finanzdienstleister spezialisierte Beratungsgesellschaft Zeb in ihrer Nachhaltigkeitsstudie 2020 fest, dass mehr als die Hälfte aller befragten Teilnehmer eine grundlegende Affinität zu Nachhaltigkeit im Alltag oder bei Finanzen zeigt. Noch vor sechs Jahren gab dagegen nur rund ein Fünftel aller Befragten an, ein moderates Bewusstsein für soziale Verantwortung und Nachhaltigkeit zu haben.

          Das Thema sei in der Mitte der Gesellschaft angekommen, sagt Jens-Uwe Holthaus, ein Mitautor der Studie am Montag bei deren Vorstellung. Die Bereitschaft der Kunden, zu einer nachhaltigeren Bank zu wechseln, sei hoch. Bei einer bestimmten Klientel gebe es eine gewisse „Mehrpreisbereitschaft“ für das Thema, findet Holthaus und fügt hinzu: „Nachhaltigkeit wirkt sich auf die Ertragsziele aus.“ Die Zeb geht in einer konservativen Rechnung von einem Ertragspotenzial in Höhe von 1,6 Milliarden Euro im Privatkundengeschäft aus. Also Geld, das für nachhaltige Produkte oder für höhere Gebühren gezahlt werden könnte.

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