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Hedgefonds-Manager in Amerika : Er hat nach Trumps Sieg Hunderte Millionen mit Aktien gewonnen

  • -Aktualisiert am

Hedgefonds-Milliardär Carl Icahn war im Wahlkampf ein Unterstützer von Donald Trump. Bild: Reuters

Viele Fachleute sagten starke Kurseinbrüche infolge einer Wahl Trumps voraus. Passiert ist das Gegenteil. Einer seiner Unterstützer verließ die Wahlparty, um groß einzusteigen.

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          Die meisten Auguren an der Wall Street und an den Universitäten lagen falsch: Der erwartete Kollaps des Aktienmarktes nach dem überraschenden Sieg des Republikaners Donald Trumps bei den amerikanischen Präsidentenwahlen blieb aus.

          Norbert Kuls
          Freier Autor in der Wirtschaft.

          Wirtschaftsprofessor Justin Wolfers von der University of Michigan hatte vor den Wahlen prognostiziert, dass ein Sieg von Trump zu Kursverlusten von 12 Prozent für den amerikanischen Aktienindex S&P 500 führen würde. Analysten der Royal Bank of Canada kalkulierten mit einem Einbruch von 10 bis 12 Prozent, ihre Kollegen von der Citigroup mit Verlusten um 5 Prozent.

          Starkes Plus für einen Kohleproduzenten

          Internationale Fonds hatten in den Wochen vor der Wahl aus Furcht vor einem potentiellen Kursrückschlag verstärkt Gelder aus dem amerikanischen Aktienmarkt abgezogen. Internationale Anleger hatten wegen des überraschenden Votums für einen Austritt Großbritanniens aus der Europäischen Union im Juni stärker in Frage gestellt, wie verlässlich Meinungsumfragen sind. Umfrageinstitute hatten damals einen knappen Sieg der Brexit-Gegner prognostiziert. Die Entscheidung für den Brexit hatte an den Aktien- und Devisenmärkten dann für Turbulenzen gesorgt.

          Dies war auch die Begründung für die potentiellen Turbulenzen nach einen Sieg von Trump. Denn vor den Wahlen galt laut Meinungsumfragen Hillary Clinton als die wahrscheinliche Siegerin und an der Börse bis zuletzt als bevorzugte Kandidatin, weil sie im Gegensatz zum erratischen Immobilienunternehmer Trump als Garant für Kontinuität gehandelt wurde.

          In den beiden Handelstagen seit den Wahlen am Dienstag legte der S&P 500 dennoch um mehr als 1 Prozent zu – wobei einige Segmente wie Banken oder Baukonzerne, die von erwarteten politischen Initiativen Trumps wie lockerer Finanzregulierung und stärkeren staatlichen Investitionen in Infrastruktur profitieren könnten, deutlich stärkere Aufschläge verzeichneten. Der Kurs des Kohleproduzenten Peabody Energy stieg um rund 50 Prozent, weil Anleger mit weniger Umweltauflagen rechnen.

          Experten machten sich umgehend daran, ihre falschen Prognosen zu relativieren und die Gründe für die Markterholung zu erläutern. Die Stimmung des Marktes habe sich noch in der Nacht nach der Wahl geändert, sagte Professor Wolfers. „Vor den Wahlen schien es, als hätten die Märkte auf den Kandidaten Trump reagiert und nach den Wahlen reagierten sie auf seine politischen Pläne“, sagte er. „Selbst wenn ein Clown im Weißen Haus sitzt, ist er ein Clown, der deine Steuern senken wird.“

          Trump hatte im Wahlkampf mit rassistischen und frauenfeindlichen Sprüchen negative Schlagzeilen gemacht, seine Gegnerin Hillary Clinton beschimpft, Fakten verdreht und seine Haltung auch verschiedentlich geändert. Jetzt gaben sich einige Investoren beruhigt, weil Trump nach dem Wahlsieg versöhnliche Töne angeschlagen hatte.

          Icahn und Paulson

          Eine Reihe von hochkarätigen Beratern von Trump aus der Investmentbranche haben unterdessen stark von ihren Anlagen profitiert. Hedgefonds-Milliardär Carl Icahn verließ nach eigenen Angaben Trumps Wahlparty am Dienstagabend, um 1 Milliarde Dollar neu in Aktien zu investieren. Terminkontrakte auf die Aktienindizes Dow Jones und S&P 500 waren in der Nacht in einer Reflexreaktion auf das Wahlergebnis kurzzeitig stark gefallen, hatten sich aber schnell wieder erholt.

          Der Börsenwert bestehender Anlagen Icahns stieg nach Angaben des Informationsdienstes Bloomberg allein am Mittwoch um 700 Millionen Dollar. Icahn hält eine Mehrheitsbeteiligung am Raffinerie- und Düngemittelkonzern CVR Energy, dessen Kurs um 24 Prozent kletterte. Icahn ist zudem am Bergwerkskonzern Freeport-McMoran beteiligt, dessen Kurs um 8 Prozent stieg.

          Der Hedgefondsmanager John Paulson, der während der Finanzkrise mit seiner Wette auf fallende Häuserpreise in Amerika berühmt wurde, machte am Mittwoch Papiergewinne von 463 Millionen Dollar. Der Grund: Paulsons Hedgefonds ist stark in Pharmaaktien wie Allergan oder Mylan investiert.

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