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Börsengänge : Cannabis auf dem Parkett

Bald legal? Der Cannabis-Anbieter Cantourage geht mit dieser Hoffnung am Freitag an die Börse. Bild: Picture Alliance

Der Cannabis-Anbieter Cantourage geht am Freitag an die Frankfurter Börse. Zunächst geht es um Hanf in der Medizin. Aber das Unternehmen hofft, dass Deutschland den allgemeinen Konsum legalisiert.

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          Der Cannabis-Anbieter Cantourage geht am heutigen Freitag an die Frankfurter Börse – im Wachstumssegment Scale. Das Berliner Jungunternehmen bestätigte am Donnerstag den Termin, über den die F.A.Z. Anfang des Monats bereits berichtet hatte. Cantourage wählt einen Weg durch die Hintertür: Es hatte im Spätsommer per Privatplatzierung Anteile zu einem vertraulichen Preis an ausgewählte Anleger verkauft. Die sagen in einem solchen Verfahren zu, ihre Anteile zum Börsengang abzugeben. Daraus ergeben sich im vorliegenden Fall etwa 15 Prozent Streubesitz im Freiverkehr der Börse.

          Klaus Max Smolka
          Redakteur in der Wirtschaft.

          Aus Kapitalmarktsicht rundet Cantourage ein Börsengangsjahr ab, das an der Zahl der Neulinge gemessen extrem schwach ausfällt – und vom addierten Volumen her nur durch den Sportwagenhersteller Porsche herausgerissen wird. Außer diesem 9 Milliarden Euro schweren Börsengang gab es nur einen weiteren und sehr kleinen: den der Immobilien-Investmentplattform EV Digital Invest, mit 6,3 Millionen Euro Umfang. Dazu kamen als Sonderfälle zwei leere Zweckgesellschaften für Übernahmen neu an den Markt, so genannte Spacs (Special Purpose Acquisition Companies). Die Beratungsgesellschaft Kirchhoff zählt für 2022 daher formal bisher vier Börsengänge.

          Den Weg über eine Privatplatzierung schlug in der Vergangenheit zum Beispiel der Nutzfahrzeug-Zulieferer Jost ein, ebenso der Chemiekonzern Evonik – in viel größerer Dimension. Für Cantourage ergibt sich auf Basis dieses Vorverkaufs als Unternehmenswert „ein sehr hoher zweistelliger Millionenbetrag“, wie Vorstandsvorsitzender Philip Schetter im Oktober der F.A.Z. sagte. Als Beraterbank fungiert Hauck Aufhäuser Lampe. Ungewöhnlich ist, wie kurzfristig das Vorhaben nun bestätigt wurde – nur einen Tag vor dem Schritt aufs Parkett. Offenbar zögerte die Deutsche Börse lange die endgültige Genehmigung hinaus.

          Erst Medizin, später Genussmittel

          Cantourage wurde 2019 gegründet, erzielte im vergangenen Jahr 5 Millionen Euro Umsatz und will diesen Wert im laufenden Jahr verdreifachen. Bislang ist das Unternehmen auf Cannabis zur Anwendung in der Medizin spezialisiert – in Deutschland wird es für die Therapie schwerer Erkrankungen zugelassen und kommt vor allem gegen Schmerzen zum Einsatz. Nirgends anders in Europa gab es 2021 mehr damit behandelte Patienten, wie Cantourage unter Berufung auf Angaben des Gesundheitsministeriums mitteilt. Cantourage war mit dem Ziel gestartet, in Deutschland die frühere Cannabis-Sparte des Naturheilmittelherstellers Bionorica anzugreifen. Sie gehört nach zwei Eignerwechseln inzwischen dem Pharmaunternehmen Dermapharm. Im Medizinsegment hält Cantourage mit dem maßgeblichen Produkt Dronabinol nach eigenen Angaben in Deutschland mehr als ein Fünftel Marktanteil.

          Auf längere Sicht will das Unternehmen in den Markt für Cannabis als Genussmittel einsteigen, der nach Schetters Worten 20 Mal so groß ist wie jener für Medizinalcannabis. Nach vorläufigen Plänen der Bundesregierung soll der allgemeine Konsum für Erwachsene legalisiert werden. Von 2024 an könnte in Deutschland legal Cannabis geraucht werden.

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