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Bushs Team : Alles Daddys Männer

Neues Kabinett, Old Economy: Finanzminister O´Neill Bild: AP

Die Kabinettsliste des gewählten Präsidenten der Vereinigten Staaten füllt sich. George W. Bush versammelt Menschen um sich, die schon seinem Vater dienten. Vize Cheney übernahm die Personalauswahl - und rückt so in eine Schlüsselstellung.

          Alles alte Bekannte - so lassen sich die Personen charakterisieren, die die Schlüsselressorts der Administration George W. Bushs besetzen werden. Fast alle Kernressorts werden künftig von Leuten geführt, die schon unter Vater Bush wichtige Stellungen inne hatten - zum Teil Ministerposten, zum Teil Beraterpositionen. Bush junior setzt auf Daddys Männer.

          Majid Sattar

          Politischer Korrespondent für Nordamerika mit Sitz in Washington.

          Ein „Old Economist“ für das Finanzressort

          Zu denen zählt auch Paul O' Neill, der als Finanzminister nominiert wurde. Der 65-Jährige, der zuletzt Vorstandsvorsitzender des Aluminiumkonzerns Alcoa war, arbeitete unter den Präsidenten Nixon und Ford im Budgetbüro des Weißen Hauses. Auch nach seinem Wechsel in die Wirtschaft blieb er politisch aktiv. Parallel zu seinen Vorstandstätigkeiten für die Industriekonzerne International Paper Co. und Alcoa diente er den Präsidenten Reagan und Bush senior als Wirtschaftsberater.

          Mit O'Neill erhält ein Vertreter der Old Economy den wichtigsten innenpolitischen Kabinettsposten. Die Wall Street hatte auf die Berufung eines der ihren für den Posten des Finanzministers gehofft. Nun fragt sich die Bankenwelt, ob ein Aluminium-Mann die Dynamik der New Economy versteht.

          Vor O'Neills Nominierung waren andere Namen für das Finanzressort im Umlauf - unter ihnen Banker von Chase Manhattan und Paine Webber. Medienberichten zu Folge legte Bushs Vize Dick Cheney, der mit der Personalauswahl betraut wurde, jedoch sein Veto gegen diese Kandidaten ein. Cheney und O'Neill kennen sich aus den 70er Jahren, als Cheney Fords Stabschef war.

          Schatten-Präsident Cheney?

          Dass Cheney mit der Weichen stellenden Aufgabe betraut wurde, die Kabinettsliste zusammen zu stellen, könnte bereits andeuten, welche Stellung der ehemalige Verteidigungsminister von Vater Bush in der Administration des Sohnes einnehmen wird. Schon Al Gore hatte als Vize-Präsident unter Bill Clinton großen Einfluss auf die Agenda der Administration. Auf Cheney könnte dies auf Grund der Unerfahrenheit von Bush junior in noch stärkerem Maße zutreffen.

          Als Handelsminister ist ebenfalls ein Mann der alten Wirtschaft vorgesehen. Don Evans ist ein langjähriger Vertrauter von Bush junior. Der 54-Jährige, der Bushs Wahlkampfleiter war, arbeitet als Manager in der Ölindustrie, in der auch die Bushs ihr Geld verdienten.

          Elitenwechsel im State Department

          Auch in der Außenpolitik setzt der Junior auf den Erfahrungsschatz seines Vaters: Mit Colin Powell zieht am 20. Januar erstmals ein Schwarzer ins State Department in Washington ein.

          Unter Bush senior diente der hoch dekorierte General als Vorsitzender der vereinigten Stabschefs und wurde im zweiten Golfkrieg einer größeren Öffentlichkeit bekannt. Seither wurde er selbst mehrmals als Vize-Präsidentschaftskandidat sowie als möglicher Herausforderer Bushs bei den jüngsten Vorwahlen der Republikaner gehandelt.

          Kein Fremdeln in der Administration

          Mit ihm wird einmal kein Vertreter des so genannten Eastcoast Establishment, das sich als Netzwerk internationalen Beziehungen an den Elite-Universitäten der Ostküste gebildet hat, die Außenpolitik der verbliebenen Supermacht bestimmen. Auch Bushs künftige Nationale Sicherheitsberaterin, Condoleezza Rice, entstammt nicht diesem Umfeld. Die Afro-Amerikanerin, die an der Stanfort-Universität in Kalifornien lehrt, war bereits außenpolitische Beraterin von Vater Bush. Sie machte sich als Osteuropa-Expertin einen Namen.

          Beide haben im Golfkrieg eng mit dem damaligen Pentagon-Chef Cheney zusammengearbeitet. Bei der ersten Kabinettssitzung Ende Januar dürfte es also gleich familiär zugehen.

          Fords Minister im Pentagon

          Für eine Überraschung sorgte Bush bei der Nominierung seines Verteidigungsministers. Für den Posten im Pentagon kursierten viele Namen, unter ihnen die einiger prominenter Demokraten. Am Ende entschied sich Bush für Donald Rumsfeld, einen 68-jährigen Republikaner, der schon nach dem Ende des Vietnam-Krieges unter Präsident Ford als Verteidigungsminister diente.

          Auch hier liegt die Vermutung nahe, dass Cheney die entscheidende Kraft war. Der künftige Vize-Präsident war zeitweise unter Ford Rumsfelds Stellvertreter, als dieser Stabschef des Weißen Hauses war. Nachdem Rumsfeld ins Pentagon gezogen war, rückte Cheney auf den frei gewordenen Posten im Weißen Haus. Selbstverständlich diente Rumsfeld auch unter Bush senior - als Wirtschaftsberater.

          Verkehrsminister des Seniors wird Stabschef

          Auch die neben Cheney wohl wichtigste Schlüsselfigur wird von einem Mann des Vaters besetzt. Ex-Verkehrsminister Andrew Card wird Bushs Stabschef im Weißen Haus. Er hat, wie in den USA üblich, zwischen den beiden Regierungsjobs sein Geld „auf der anderen Seite“ als Präsident des Verbandes der Amerikanischen Autohersteller verdient.

          Eine der wenigen Frauen im Kabinett Bush ist Ann Venemen. Die 51-Jährige, die in der Administration von Vater Bush als Staatssekretärin im Landwirtschaftsministerium diente, übernimmt nun das Agrarressort. Nur in einigen Randressorts erhalten neue Gesichter eine Chance. So wird es zumindest am Anfang zwei Gruppen im Kabinett Bush geben: die Cheney-Clique und die anderen.

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