https://www.faz.net/-gv6-a1nkv

Steuerpflicht für Xetra-Gold : Fiskus will Gold-Anlegern in die Kasse greifen

  • -Aktualisiert am

Goldbarren des Herstellers Umicore, der zum Joint-Venture hinter Xetra-Gold gehört. Bild: obs

Wertpapiere, die einen Lieferanspruch auf Gold und andere Edelmetalle verbriefen, sollen von 2021 an in die Steuerpflicht rutschen. Das trifft auch die populäre Schuldverschreibung Xetra-Gold. Was müssen Privatanleger jetzt beachten?

          3 Min.

          Während die Kurse für Gold und Silber gerade von einem Hoch zum nächsten klettern, plant die Bundesregierung eine zusätzliche Belastung für Privatanleger und Sparer, die ihr Geld in auf Edelmetallen basierten Wertpapieren anlegen. Betroffen wäre etwa die von einem Gemeinschaftsunternehmen der Deutschen Börse und Banken emittierte Schuldverschreibung Xetra-Gold, die den Anspruch der Anleger auf jederzeitige Lieferung von Goldbarren verbrieft und als abgeltungsteuerfrei beworben wird.

          Mark Fehr

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Das geht aus dem am 17. Juli veröffentlichten Entwurf des Jahressteuergesetzes 2020 hervor. Demnach sollen bald auch Erträge aus solchen Forderungen der Abgeltungsteuer unterliegen, bei denen statt der Rückzahlung des geleisteten Geldbetrages eine Sachleistung gewährt wird oder gewährt werden kann. Weiter heißt es in dem Gesetzentwurf: „Mit der Erweiterung des Tatbestandes werden somit auch Kapitalanlagen erfasst, die auf die Lieferung von Gold oder anderen Edelmetallen gerichtet sind und wirtschaftlich mit Zertifikaten vergleichbar sind.“ Der Entwurf für das Jahressteuergesetz 2020 ist mehr als 200 Seiten stark und enthält Änderungen verschiedenster steuerrechtlicher Vorschriften, die im Jahr 2021 in Kraft treten sollen.

          Was ein Steuerberater jetzt empfiehlt

          „Bisher waren solche Veräußerungsgewinne steuerfrei, wenn der Anleger die Wertpapiere länger als ein Jahr gehalten hat“, sagt der Steuerberater Stefan Renger aus Düsseldorf der F.A.Z. Daher machte es steuerlich keinen Unterschied, ob Anleger Gold physisch kauften oder verbrieft als Schuldverschreibung. Doch die Neuregelung im Entwurf des Jahressteuergesetzes 2020 hätte zur Folge, dass Gewinne aus der Veräußerung von Goldpapieren vom 1. Januar 2021 an der Kapitalertragsteuer und dem Solidaritätszuschlag sowie gegebenenfalls der Kirchensteuer unterliegen. Das entspricht einer Belastung von bis zu 27 Prozent. Die Depotbanken würden dann genauso wie im Fall des Verkaufs von Aktien oder Anleihen die Abgeltungsteuer einbehalten und den Anlegern nur noch Nettobeträge auszahlen, wobei lediglich ein Freistellungsauftrag von maximal 801 Euro je Anleger angerechnet werden kann.

          Die Spekulationsfrist von einem Jahr können bald nur noch Besitzer physischen Goldes in Form von Barren oder Münzen nutzen. Wer seine Xetra-Gold-Papiere schon über ein Jahr hält, sollte diese laut Steuerberater Renger noch vor Jahresende steuerfrei über die Börse veräußern und stattdessen physisches Gold erwerben. Hingegen empfiehlt er Anlegern, bei denen die Spekulationsfrist noch nicht abgelaufen ist, das Wertpapier bei der Emittentin einzulösen und sich Gold ausliefern zu lassen. Auch vor Verstreichen der Spekulationsfrist sei eine derartige Umwandlung von Xetra-Gold in physisches Gold steuerfrei möglich. „Denn die Einlösung stellt nach dem noch bis Jahresende geltenden Recht keine steuerpflichtige Veräußerung dar, wie der Bundesfinanzhof vor kurzem entschieden hat“, sagt Renger. Das BFH-Urteil vom 6. Februar 2018 hat das Aktenzeichen IX R 33/17. Ab sofort sollte daher aus steuerlicher Sicht Gold nur noch in der Weise gekauft werden, dass der Steuerpflichtige zum Eigentümer des im Tresor einer Bank oder eines Edelmetallhändlers gelagerten Goldes wird. Deshalb rät der Steuerberater auch davon ab, goldgedeckte Kryptowährungen zu erwerben.

          XETRA Gold

          -- -- (--)
          • 1T
          • 1W
          • 3M
          • 1J
          • 3J
          • 5J
          Zur Detailansicht

          Die Steuerpflicht würde in der geplanten Form alle Wertsteigerungen treffen, die Anleger durch Veräußerungen ab 2021 realisieren – unabhängig davon, wann die Kursgewinne entstanden sind. Steuerberater Renger sieht darin eine verfassungsrechtlich bedenkliche Rückwirkung, weil der Gesetzgeber eine Wertsteigerung steuerpflichtig macht, die bisher steuerfrei war.

          Unabhängig davon bieten Goldpapiere eine Reihe von Vorteilen gegenüber physischem Gold, die trotz der von der Politik gewollten Steuerpflicht weiter eine Rolle für Anleger spielen dürften. So lassen sie sich jederzeit zu überschaubaren Gebühren über die Börse handeln, während Edelmetallhändler an hohen Spannen zwischen An- und Verkaufspreisen verdienen. Zudem mindern die Kosten für die Lagerung und Versicherung die Rendite von Barren und Münzen. Goldpapiere können die Eigenschaften des effizienten Börsenhandels mit den Vorteilen des physischen Goldes verbinden. Im Fall von Xetra-Gold entspricht eine Teilschuldverschreibung einem Gramm Feingold.

          Gold

          -- -- (--)
          • 1T
          • 1W
          • 3M
          • 1J
          • 3J
          • 5J
          Zur Detailansicht

          Wer Anteile des als Schuldverschreibung strukturierten Wertpapiers an der Börse gekauft hat, erhält das Recht, sich physisches Gold entsprechend der Menge der gekauften Anteile nach Hause schicken zu lassen. Das ist sogar schon für kleinere Mengen in Form von Kleinbarren mit der Masse zwischen einem Gramm und einem Kilogramm möglich, wobei allerdings Lieferkosten in Rechnung gestellt werden. Die meisten Privatanleger schätzen den Lieferanspruch als Sicherheitsoption, von der sie bisher selten Gebrauch machten – seit der Einführung von Xetra-Gold im Jahr 2007 nur 1220 Mal.

          Edelmetalle, insbesondere Gold, sind gerade stark gefragt. Der Boom hat mehrere Gründe. Eine große Rolle spielt die Angst vieler Anleger, die Gold als einen vom Finanzsystem unabhängigen Geldersatz sehen, von dem sie sich einen Schutz vor Währungs- oder Bankenkrisen versprechen. Hinzu kommt das sehr niedrige Zinsniveau, durch das der Nachteil des Goldes an Bedeutung verliert, keine Zinsen oder Dividenden abzuwerfen.

          Der Goldpreis ist am Mittwoch auf den höchsten Stand seit neun Jahren von etwa 1860 Dollar gestiegen. Das historische Hoch liegt auf 1920 Dollar im Jahr 2011. Auch der Kurs von Xetra-Gold hat daher in den vergangenen Jahren deutlich zugelegt, ebenso die im Zentraltresor der Börse hinterlegten Goldbestände. Jedes Mal, wenn Anleger Xetra-Gold an der Börse kaufen, wird ein Gramm Gold je Anteilsschein hinterlegt. Zum 30. Juni ist der Goldbestand auf eine Rekordhöhe von gut 221 Tonnen geklettert.

          Frankfurter Allgemeine Zeitung

          Die digitale F.A.Z.

          Zur kompletten Ausgabe

          Jetzt mit F+ lesen

          Die amerikanische Schriftstellerin Lily Brett

          Amerika in der Krise : Wie New York unter Trump und Corona leidet

          Donald Trump hat einen Grausamkeitskoeffizienten, der den größten Diktatoren zum Neid gereichen könnte, schreibt die Schriftstellerin Lily Brett. Über die Hoffnung der Amerikaner auf eine gerechtere Zukunft.
          Wenigstens die Balkone halten noch: Fassade in der Armenia Street in Beirut

          Leben im Libanon : Wenn selbst die Hoffnung stirbt

          Seit fünf Jahren lebt unser Korrespondent Christoph Ehrhardt in Beirut. Zerstörung hat er in vielen arabischen Ländern gesehen. Diesmal hat es ihn getroffen: sein Zuhause, seine Familie.
          Nahaufnahme einer Kanüle mit Tropfen und Spritze (Symbolbild)

          Entwicklung in Russland : „Wir können den Impfstoff früher zulassen“

          Russland will schon bald einen Impfstoff gegen das Coronavirus präsentieren. Kirill Dmitrijew, Chef des Russian Direct Investment Fund, hat ihn an sich selbst erprobt – und glaubt, im September könnten die Massenimpfungen losgehen.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.
          Dieser Artikel wurde Ihnen von einem Abonnenten geschenkt und kann daher kostenfrei von Ihnen gelesen werden.
          Zugang zu allen F+Artikeln