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Bundesbank : Negativzinsen treffen Banken nicht sehr stark

Zentrale der Deutschen Bundesbank in Frankfurt am Main Bild: Bundesbank

Die Deutsche Bundesbank widerspricht mit einer Studie einer häufig von den Instituten selbst geäußerten Auffassung: Ihren Ergebnissen nach sind die Negativzinsen für die Banken gar nicht so schlimm.

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          Deutschlands Banken beklagen sich oft über die Belastungen durch die Negativzinsen der Europäischen Zentralbank (EZB). Grund genug für die Deutsche Bundesbank, sich in ihrem Monatsbericht für Oktober mit der Frage zu beschäftigen, wie stark die im Jahr 2014 unter EZB-Präsident Mario Draghi eingeführten negativen Einlagenzinsen der EZB die deutschen Banken tatsächlich getroffen haben. Das Ergebnis ist gleichsam zweigeteilt: Bislang, so behauptet die Bundesbank zumindest aufgrund ihrer Erhebungen, sei zwar die Zinsmarge der Banken zurückgegangen, das sei aber nicht mit einer Verschlechterung der Bankenprofitabilität in Deutschland insgesamt einhergegangen. Andererseits könnte das jetzt anders werden – und zwar im Zusammenhang mit den speziellen Folgen der Corona-Pandemie für die Banken.

          Christian Siedenbiedel

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Die Argumentation der Bundesbank-Ökonomen geht wie folgt: Im Juni 2014 hatte der EZB-Rat beschlossen, den Einlagenzinssatz für Banken von 0 auf minus 0,1 Prozent zu senken. Damit befand sich zum ersten Mal ein Leitzinssatz des Eurosystems im negativen Bereich. In den folgenden Jahren wurde dieser Zinssatz schrittweise bis auf minus 0,5 Prozent gesenkt. Auch einige Marktzinssätze und -renditen seien nach dem Juni 2014 in den negativen Bereich gedreht, schreibt die Bundesbank: Zunächst folgten die Geldmarktsätze dem Zinssatz der Einlagefazilität unter die Nulllinie. „Negative längerfristige Kapitalmarktrenditen waren erst mit einiger zeitlicher Verzögerung und mit Unterbrechungen zu beobachten.“ Die Zinssätze, die Banken für Einlagen ihrer Kunden ansetzten, hätten größtenteils jedoch an der Nulllinie verharrt. So habe der durchschnittliche Zinssatz für Einlagen bei deutschen Banken im August 2020 bei 0,01 Prozent gelegen. Von Unternehmen nahmen zwar 63 Prozent der Banken im Schnitt Negativzinsen, bei Privatkunden aber sei das weniger verbreitet, schreibt die Bundesbank, ohne das genau zu beziffern. Gleichzeitig seien die Kreditzinssätze im Einklang mit der allgemeinen Zinsentwicklung weiter zurückgegangen: „Als Folge verringerten sich die Zinsmargen der deutschen Banken im Kredit- und Einlagengeschäft.“

          Aber: Die Bundesbank kommt in einem Vergleich der Bankengewinne in den Phasen von 2014 bis 2019 (mit Negativzinsen) und 1999 bis 2007 (ohne Negativzinsen) zu dem Ergebnis: Der Zinsüberschuss der Banken sei zwar zurückgegangen – beim Überschuss vor Steuern aber habe sich nicht viel getan.

          Die Erklärung der Bundesbank: Es habe einen gegenläufigen Effekt zu den sinkenden Zinserträgen gegeben, und zwar eine rückläufige Risikovorsorge im Kreditgeschäft und einen Anstieg des Kreditvolumens. Die Bundesbank deutet das nun so, dass die expansive Geldpolitik der EZB zwar die Banken auf der einen Seite bei der Zinsmarge belastet habe, auf anderen Seite aber auch Konjunktur und Kreditnachfrage gestützt habe, was den Banken unter anderem bei der Risikovorsorge zugutegekommen sei. Schwieriger könnte es jetzt für die Banken werden, meinen die Bundesbank-Ökonomen, wenn die Risikovorsorge wegen der Corona-Ausfälle steige. Dann sei ein Ausgleich der geschrumpften Zinsmarge nicht mehr so leicht möglich. Das könnte sich auch auf die Bereitschaft der Banken zur Kreditvergabe auswirken.

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