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Bundesbankbericht : Negativzins trifft immer mehr Sparer

  • -Aktualisiert am

Bargeld schützt vor negativen Zinsen – kann aber leicht geklaut werden. Bild: dpa

Laut neuesten Daten erheben mittlerweile 23 Prozent der Geldinstitute im Durchschnitt negative Zinsen auf Sichteinlagen privater Haushalte. Das trifft etwa ein Viertel der gesamten Guthaben von Sparern bei deutschen Banken.

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          Negative Zinsen auf Bankguthaben verbreiten sich stark und treffen neben Unternehmen auch immer mehr Sparer. Wie die Bundesbank am Montag in ihrem Monatsbericht für November mitteilte, meldeten 23 Prozent der Banken einen „negativen volumengewichteten Durchschnittszinssatz“. Laut Bundesbank entspreche das einem Viertel der gesamten Einlagen privater Haushalte bei deutschen Banken. „Negative Zinsen werden hier vor allem von Großbanken, Sparkassen und Genossenschaftsbanken berechnet“, schreibt die Bundesbank. Das dürfte einem Querschnitt durch die deutsche Kreditwirtschaft entsprechen.

          Mark Fehr

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Da Banken der Bundesbank ihre volumengewichteten Durchschnittszinssätze melden, trifft der Negativzins nicht alle von diesen Instituten verwalteten Einlagen, sondern nur die Kunden mit besonders hohen Einlagen. Trotzdem zeigt die Statistik, wie schnell die negative Verzinsung um sich greift.

          Für Unternehmen sind negative Zinsen sogar noch weiter verbreitet. So meldeten 58 Prozent der Geschäftsbanken der Bundesbank für September einen negativen Durchschnittszinssatz auf die Sichteinlagen ihrer Firmenkunden. Das entspricht laut Bundesbank 79 Prozent des gesamten Sichteinlagevolumens von Unternehmen bei deutschen Banken. Unter Sichteinlagen sind Guthaben zu verstehen, über die Bankkunden jederzeit für Auszahlungen zur Verfügung stehen. „Die Berechnung negativer Zinsen gegenüber Unternehmen scheint dabei eine über fast alle Bankengruppen hinweg übliche Praxis zu sein“, schreibt die Bundesbank.

          Für Termineinlagen dagegen sind negative Zinsen deutlich weniger stark verbreitet. Das gilt laut Bundesbank sowohl für Firmenkunden als auch für Termineinlagen privater Sparer. So sind 19 Prozent der Termineinlagen von Unternehmen negativ verzinst, während dies nur für 1 Prozent der Termineinlagen von Privatleuten gilt. Im Gegensatz zu jederzeit fälligen Sichteinlagen können Bankkunden ihre Termineinlagen erst nach Ende einer festen Laufzeit abrufen.

          Banken geben den Negativzins von der Europäischen Zentralbank eingeführten Negativzins immer stärker an ihre Kunden weiter. So waren im Dezember 2017 laut Bundesbankbericht vom September 2018 „nur“ 40 Prozent statt nun 79 Prozent der Sichteinlagen von Unternehmen negativ verzinst. Mit Blick auf die Sichteinlagen von Sparern kletterte der Anteil der negativ verzinsten Guthaben im gleichen Zeitraum von 4 Prozent auf jetzt 25 Prozent.

          Eine negative Verzinsung bedeutet, dass Bankkunden der Bank Geld dafür zahlen, Guthaben bei ihr zu parken. Ökonomen streiten darüber, ob dies als Enteignung der Sparer zu verstehen ist oder daran liegt, dass zu viel gespart und zu wenig investiert wird. Negativzinsen sind daher politisch höchst umstritten.

          Wie viele Sparer von dem Phänomen betroffen sind, lässt sich aus den Zahlen der Bundesbank jedoch nicht eindeutig ablesen. Zwar ist der negativ verzinste Anteil der privaten Sparguthaben mit mittlerweile einem Viertel sehr hoch. Allerdings sind laut Bundesbank vor allem großvolumige Einlagen betroffen. Es dürfte also vor allem Wohlhabende und Superreiche mit besonders hohen Bankguthaben treffen. Fest steht aber, dass sich die negativen Zinsen auf immer bedeutendere Teile der Spareinlagen ausbreiten und mit einem Anteil von einem Viertel nun volkswirtschaftliche Bedeutung erhalten haben.

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