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Bundesbankbericht : Warum das Sparen in Deutschland Geld kostet

  • Aktualisiert am

Das Geld im Bauch dieser Sparschweine verliert an Wert. Bild: dpa

Der Monatsbericht der Bundesbank zeigt: Das Finanzvermögen der Deutschen verliert an Wert. Das liegt aber nicht nur an den Niedrigzinsen.

          3 Min.

          Niedrige Zinsen und steigende Inflation machen Sparern und Anlegern zu schaffen. Nach Berechnungen der Bundesbank war die Gesamtrendite, die ein durchschnittlicher Privathaushalt abzüglich der Teuerung – also real – erzielte, Anfang 2018 mit minus 0,8 Prozent erstmals seit sechs Jahren negativ. Die Notenbank berücksichtigt dabei Bargeldbestände, Ansprüche gegenüber Versicherungen sowie Anlagen in Aktien und Fonds, wie sie in ihrem Monatsbericht August ausführt, der am Montag veröffentlicht wurde.

          Noch 2017 erzielten die Haushalte laut Bundesbank-Berechnungen mit ihrem Geldvermögen abzüglich Inflation eine Rendite von durchschnittlich 1,4 Prozent, nach 0,9 Prozent im Jahr 2016. Dass es nun somit erstmals seit Jahren wieder negative Realzinsen gibt, erklärt die Bundesbank damit, dass auch Aktien wegen der durchwachsenen Stimmung an der Börse im Betrachtungszeitraum nicht mehr so viel abwarfen. Die gleichzeitig anziehende Inflation schlug somit stärker durch. 

          Deutsche Wirtschaft könnte im Sommer schwächeln

          Sparer litten laut den Notenbank-Experten in den vergangenen Jahren am stärksten unter den Niedrigzinsen. Bankeinlagen einschließlich Bargeld erzielten die geringsten Renditen abzüglich der Teuerungsrate. Bereits seit Mitte 2016 liegen diese laut Bundesbank deutlich im negativen Bereich.

          „Den Unmut der Sparer über die Niedrigzinsen kann ich gut verstehen“, sagte Bundesbank-Präsident Jens Weidmann in einem Interview der „Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung“. „Ihre Altersvorsorge bauen Sie aber über mehrere Jahrzehnte auf. Das relativiert die aktuelle Zinssituation etwas. Und auch negative Realzinsen gab es durchaus schon in der Vergangenheit.“ Das Geldvermögen der privaten Haushalte in Deutschland liegt laut jüngsten Zahlen der Bundesbank für das erste Quartal 2018 auf dem Rekordniveau von 5875 Milliarden Euro.

          Weidmann, der im Rat der Europäischen Zentralbank (EZB) über den Kurs der Geldpolitik im Euroraum mitentscheidet, verwies in dem Interview auf die jüngsten Weichenstellungen der EZB: „Die Zinsen (werden) im Zuge der geldpolitischen Normalisierung auch wieder steigen.“ Die EZB will nur noch bis Ende dieses Jahres Anleihen kaufen und hat für die zweite Jahreshälfte 2019 eine erste Zinserhöhung angedeutet.

          Neues Risiko Türkei

          Der Aufschwung in Deutschland droht der Bundesbank zufolge indes wegen der schwächelnden Industrie an Kraft zu verlieren. „Die deutsche Wirtschaft dürfte auch im Sommer 2018 auf solidem Wachstumspfad bleiben“, sagte sie in dem Monatsbericht voraus. „Das Expansionstempo könnte jedoch etwas geringer als im Mittel des ersten Halbjahres ausfallen.“ Im ersten Quartal war das  Bruttoinlandsprodukt um 0,4 Prozent gewachsen, im zweiten Vierteljahr um 0,5 Prozent.

          Die Industrie dürfte im laufenden Sommerquartal wohl nicht nennenswert zum Wachstum beitragen, erwartet die Bundesbank. „Zwar ist der Bestand an noch nicht abgearbeiteten Aufträgen weiterhin außerordentlich hoch“, erklärte sie. „Aber der industrielle Auftragseingang ging auch im Berichtsquartal zurück.“ Belastend komme hinzu, dass Schwierigkeiten bei der Umstellung auf einen neuen Abgasmesszyklus die Kfz-Produktion in den Sommermonaten vermutlich spürbar beeinträchtigen dürften. Die gute Kauflaune der Verbraucher werde dagegen die Konjunktur weiter anschieben. Und auch der Bauboom dürfte anhalten.

          Zugleich warnt das Bundesfinanzministerium vor Risiken. Die Experten weisen auf Gefahren wie der ungewissen Gestaltung des EU-Austritts Großbritanniens und der amerikanischen Handelspolitik hin. Als neues Risiko hinzugekommen sei die Währungskrise in der Türkei. 

          „Langfristig tragbares Verhältnis für die Aufteilung der Lasten“

          In der Debatte über die Zukunft der Rente kritisiert die Bundesbank den Kurs der Regierung. „Die finanziellen Herausforderungen, die sich aus der Demografie ergeben, nehmen durch die aktuelle Rentenpolitik zu“, heißt es in dem Monatsbericht. Insbesondere mit der Mütterrente würden  schwerpunktmäßig Leistungen ausgeweitet, hinter denen keine eigenen Sozialbeiträge stünden. Solche versicherungsfremden Mehrausgaben sollten indes aus allgemeinen Steuermitteln statt durch die Beitragszahler finanziert werden. „Damit ließe sich nicht zuletzt der Tendenz begegnen, die gute Finanzlage von Sozialversicherungen für versicherungsfremde Zwecke zu nutzen.“

          Der Monatsbericht wurde vor der Forderung von Bundesfinanzminister Olaf Scholz (SPD) fertiggestellt, das Rentenniveau bis 2040 zu sichern. Nach Ansicht der Bundesbank müsste eine Finanzierungslücke, die sich durch eine solche hohe Untergrenze für das Versorgungsniveau und eine niedrige Obergrenze für den Beitragssatz ergebe, durch höhere Bundeszuschüsse geschlossen werden. „Hierbei scheint die Belastungsfähigkeit des Bundes mitunter deutlich überschätzt zu werden – wohl nicht zuletzt wegen der derzeit noch sehr guten Haushaltslage.“ Die Bundesbank plädiert deshalb dafür, zügig ein „langfristig tragbares Verhältnis für die Aufteilung der Lasten“ zu vereinbaren und bringt erneut eine Erhöhung des gesetzlichen Renteneintrittsalters über 67 Jahre hinaus ins Spiel.

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