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Deutsche Konjunkturerholung : Bundesbank hält 4 Prozent Inflation für möglich

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Wenn sich die Wirtschaft schneller erholt, dürften auch die Preise im Schnitt schneller steigen. Bild: dpa

Die deutsche Wirtschaftsleistung wächst wieder, die Volkswirte der Bundesbank sagen eine schnelle Erholung von der Pandemie voraus. Und nennen mehrere Gründe.

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          Nachdem die deutsche Wirtschaftsleistung zu Jahresbeginn zurückging, zeichnet sich nun eine rasche Erholung der Konjunktur ab. Die Fachleute der Bundesbank rechnen zumindest damit, dass das Bruttoinlandsprodukt (BIP) im zweiten Quartal wieder deutlich zulegt. Zunehmende Lockerungen der Corona-Maßnahmen beflügelten im Mai auch die Stimmung der Unternehmen in der Währungsunion – sie war so gut wie seit dem Februar 2018 nicht mehr.

          Bei schnellen Impf-Fortschritten bestehe die Aussicht, dass die Eindämmungs-Maßnahmen in den kommenden Monaten erheblich gelockert werden könnten, schreiben die Volkswirte der Bundesbank in ihrem am Freitag veröffentlichten aktuellen Monatsbericht. Dann könnte das Bruttoinlandsprodukt im dritten Vierteljahr stark zulegen und sein Vorkrisenniveau schon im Herbst wieder überschreiten.

          Bessere Stimmung

          Die Inflationsrate dürfte infolgedessen im Laufe des Jahres weiter anziehen. Der für die Geldpolitik der Europäischen Zentralbank (EZB) maßgebliche harmonisierte Verbraucherpreisindex HVPI könnte zum Ende des Jahres in Deutschland vorübergehend vier Prozent erreichen, hält die Bundesbank für möglich. Ursache sei vor allem der statistische Sondereffekt im Bereich der Pauschalreisen, die wegen der Pandemie im vergangenen Jahr zeitweise zum Erliegen gekommen waren.

          Im ersten Quartal 2021 war das BIP nach vorläufigen Zahlen gegenüber dem Vorquartal um 1,7 Prozent gesunken. In der Währungsunion insgesamt war die Wirtschaftsleistung gegenüber dem Vorquartal um 0,6 Prozent geschrumpft.

          Die Stimmung in den Unternehmen des Euro-Raums hellte sich im Mai weiter auf. Der Einkaufsmanagerindex des Marktforschungsinstituts IHS Markit stieg gegenüber dem Vormonat um 3,1 Punkte auf 56,9 Punkte, wie Markit nach einer ersten Schätzung in London mitteilte. Dies ist der höchste Stand seit Februar 2018. Werte oberhalb von 50 Punkten signalisieren eine sich beschleunigende Zunahme der wirtschaftlichen Aktivität. Vor allem die Stimmung im Dienstleistungssektor verbesserte sich demnach merklich. Ein wenig eingetrübt hat sich der Indikator für die Industrie. Experten verweisen vor allem auf Lieferketten-Probleme.

          Was wird aus dem Stabilitätspakt?

          Dienstleister wie Gastronomen, Einzelhändler oder Hoteliers leiden besonders unter den Corona-Beschränkungen. Die deutsche Industrie profitiert dagegen schon seit einiger Zeit von einer starken Nachfrage gerade auch aus Asien und Amerika. So stiegen beispielsweise die Exporte der deutschen Elektroindustrie im März gegenüber dem Vorjahresmonat um 12,2 Prozent auf 19,7 Milliarden Euro. Die teilweise schon von der Corona-Krise verursachten Einbußen im März 2020 konnten so mehr als wettgemacht werden, berichtete der Branchenverband ZVEI. Für das gesamte erste Quartal, in dem auch Umsatz und Produktion wieder über den Vorjahreswerten gelegen hatten, ergab sich ein Export-Plus von 3,4 Prozent.

          Das gewaltige Konjunkturpaket der neuen amerikanischen Regierung unter Präsident Joe Biden wiederum dürfte laut der Bundesbank auch positiv auf Europa ausstrahlen. In der Währungsunion könnte das Niveau des Bruttoinlandsprodukts (BIP) im laufenden Jahr dadurch um 0,1 bis 0,3 Prozent zunehmen. Grundlage der Schätzung sind zwei Modellrechnungen. Die neuen billionenschweren Pläne der US-Regierung zur Stärkung der Infrastruktur sind nicht enthalten.

          Auch Deutschland und andere Länder versuchen, das Corona-Tief mit Hilfsmilliarden abzufedern. Nach Einschätzung der Bundesbank könnte sich das deutsche Staatsdefizit im laufenden Jahr „auf eine Größenordnung von sechs Prozent des BIP zubewegen“ nach gut vier Prozent im Jahr 2020. „Solange die pandemiebedingten Einschränkungen andauern, bleiben gezielte fiskalische Hilfen wichtig“, heißt es im neuen Monatsbericht.

          Die Staaten der Europäischen Union hatten wegen der Corona-Krise erstmals die Regeln des Stabilitäts- und Wachstumspakts ausgesetzt, wonach das Haushaltsdefizit nicht auf mehr als 3 Prozent und die Gesamtverschuldung nicht auf mehr als 60 Prozent des Bruttoinlandsprodukts steigen darf. Die EU-Kommission plädiert dafür, die Aussetzung der Regeln in diesem Jahr beizubehalten.

          Die Bundesbank spricht sich dafür aus, erst später im Jahr über die EU-Regeln und die deutsche Schuldenbremse zu entscheiden. „Denn im weiteren Jahresverlauf wird sich wesentlich besser bewerten lassen, ob die jeweilige Ausnahmeklausel noch nötig ist, um die Krisenlage zu überwinden“, argumentierten die Notenbank-Ökonomen.

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