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Pfundkurs : Britische Währung leidet unter Brexit

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Londoner Banken- und Finanzdistrik Canary Wharf Bild: dpa

Die Angst vor einem unkontrollierten Austritt Großbritanniens aus der EU lässt die Wirtschaft im Königreich schrumpfen und den Währungskurs fallen.

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          Die anhaltende Unsicherheit um den EU-Austritt Großbritanniens dämpft nicht nur die Konjunktur in dem Land. Zur Rezession wird es wohl vorerst noch nicht kommen, doch ein Austritt ohne Abkommen am 31. Oktober könnte das schnell ändern.

          Wegen der düsteren Aussichten ist das britische Pfund am Freitag deutlich gefallen. Der Kurs der Währung rutschte im Mittagshandel zeitweise auf 1,2056 Dollar und damit auf den tiefsten Stand seit Anfang 2017. Die britische Wirtschaft ist erstmals seit dem Jahr 2012 wieder geschrumpft. Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) war im zweiten Quartal um 0,2 Prozent im Vergleich zum Vorquartal gesunken. Am Morgen hatte das Pfund noch deutlich höher bei 1,2140 Dollar notiert.

          Ein Pfund entspricht damit aktuell nur etwa 1,08 Euro. Ende März stand die britische Währung noch bei 1,17 Euro. Die Gemeinschaftswährung hat sich am Freitag in der Nähe von 1,12 US-Dollar gehalten, obwohl sich in dem von den Vereinigten Staaten ausgehenden Handelsstreit keine Entspannung abzeichnet.

          Auch neue politische Unsicherheiten in der Eurozone haben den Euro kaum belastet. Mit einer Regierungskrise in Italien war der Euro am Donnerstagabend nur zeitweise bis auf 1,1177 Dollar gefallen. Der Innenminister und Chef der rechten Lega, Matteo Salvini, hatte zuletzt ein Misstrauensvotum im Senat gegen den Ministerpräsidenten Giuseppe Conte angekündigt. Entzieht das Parlament dem Regierungschef das Vertrauen, wäre die Populisten-Allianz aus Lega und Fünf-Sterne-Bewegung auch formal am Ende.

          Der Pfundkurs leidet, weil die britische Wirtschaft erstmals seit dem Jahr 2012 wieder geschrumpft ist. Im zweiten Quartal sei das Bruttoinlandsprodukt um 0,2 Prozent im Vergleich zum Vorquartal gesunken, teilte das Statistikamt ONS am Freitag in London mit. Volkswirte hatten im Schnitt nur mit einer Stagnation gerechnet. Im ersten Quartal war die Wirtschaft noch um 0,5 Prozent gewachsen.

          Viele Unternehmen hatten vor dem ursprünglichen Brexit-Datum am 29. März Lagerbestände aufgebaut. Diese wurden dann im zweiten Quartal wieder abgebaut. Dies belastete das Wachstum. Die Produktion im verarbeitenden Gewerbe ging im zweiten Quartal um 2,3 Prozent zurück. Dies war der stärkste Rückgang seit dem Jahr 2009.

          Finanzminister Sajid Javid machte weniger den bevorstehenden Brexit als vielmehr eine globale wirtschaftliche Abkühlung für den Rückgang verantwortlich. „Das ist eine herausfordernde Periode für die globale Ökonomie, mit verlangsamtem Wachstum in vielen Ländern“, so Javid. Doch die Basis der britischen Wirtschaft sei stark.

          Mittlerweile ist mit der Wahl von Boris Johnson zum Premierminister die Wahrscheinlichkeit für einen Brexit ohne Abkommen mit der EU am 31. Oktober gestiegen. Die hohe Unsicherheit dürfte laut Ökonomen vor allem die Investitionen belasten. Auch zum Ende des zweiten Quartals gibt es keine echten Entspannungszeichen. Die Industrieproduktion ist im Juni laut ONS um 0,1 Prozent zum Vormonat geschrumpft.

          Großbritannien wollte ursprünglich zum 29. März aus der Europäischen Union austreten. Allerdings konnte sich das britische Parlament nicht auf einen Ausstiegsvertrag mit der EU einigen. Deshalb wurde der Austritt um gut ein halbes Jahr auf Ende Oktober verschoben.

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