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Was droht Zuckerberg? : Milliardär über Facebook: „Dieses fette Kalb ist reif“

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Mark Zuckerberg soll vor dem amerikanischen Senat im Datenskandal aussagen. Bild: AP

Der Aktienkurs wird sich halbieren, mehr Strafen werden folgen: Jim Mellon prophezeit düstere Zeiten für das größte soziale Netzwerk der Welt und andere große Technologieunternehmen. Fachleute haben bereits einen Begriff dafür.

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          Geht es nach Jim Mellon, dann ist der Datenskandal, mit dessen Folgen das größte soziale Netzwerk derzeit kämpft, erst der Anfang. Facebook, aber auch anderen Tech-Unternehmen wie zum Beispiel Alphabet (Google) droht seiner Ansicht nach mehr Regulierung und womöglich auch Strafen. „Diese fetten Kälber sind reif dafür, von den Regierungen überall gerupft zu werden“, sagte Mellon dem amerikanischen Finanzsender CNBC. Der britische Milliardär leitet die Anlagegesellschaft Burnbrea.

          Er rechne damit, dass sie von Verwaltungen rund um den Globus „geplündert“ würden. Er, Mellon, gehe davon aus, dass der Strafe der EU-Kommission gegen Google weitere folgen werden gegen Technologieunternehmen. Denkbar sei sogar, dass Regierungen so weit gingen, zu versuchen, den Suchmaschinenbetreiber aufzuspalten. Speziell mit Blick auf Facebook fügte er hinzu: „Wenn ich Mark Zuckerberg wäre, würde ich erwarten, dass sich mein Aktienkurs in den kommenden Jahren halbiert.“ Und er ergänzte noch: „Wir werden eine Dezimierung besonders von Facebook erleben.“

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          Mellon ist für durchaus kontroverse Positionen bekannt. Klar ist auch, dass er wie jeder Investor eigene Interesse verfolgt mit dem, was er sagt. Wenn er schlechte Zeiten für Facebook voraussagt, kann das auch sehr gut zu seiner eigenen Positionierung an den Finanzmärkten passen.

          Er ist allerdings nicht der einzige, der ein schwierigeres Umfeld für die großen Technologieunternehmen erwartet: Verschiedene Kartellbehörden untersuchen die Marktmacht von Facebook und Google, der amerikanische Präsident Donald Trump schießt öffentlich in nie dagewesener Weise gegen den Onlinehändler Amazon, strengere Datenschutzgesetze treten demnächst in Europa in Kraft. Experten haben diesem Szenario längst den Begriff „Techlash“ gegeben – eine Wortkreation, die einen breiten Rückschlag für die Technologiebranche, für Facebook, Google und Co. beschreibt.

          Sogar die konservative amerikanische Denkfabrik American Enterprise Institute organisierte im November eine Diskussionsrunde zur Frage, ob zum Beispiel Facebook, Google oder Amazon aufgespalten werden sollten. Luigi Zingales, ein Ökonom an der Chicago Booth School, der nicht für seine Vorliebe für Staatseingriffe bekannt ist, argumentierte dafür, dass der Staat reguliert oder diesen Unternehmen das wenigstens androht. Andrew McAfee, Wissenschaftler am MIT in Boston, hielt dagegen mit dem Argument, dass beispielsweise Microsoft den Aufstieg Googles oder Apples nicht habe kommen sehen, weil die Entscheider schlicht die wachsende Bedeutung der Internetsuche und des Mobilen unterschätzten – und nicht, weil der Staat zuvor gegen Microsoft aktiv geworden sei.

          Auch auf der DLD-Konferenz Anfang des Jahres in München gab es diese Diskussion. Der New Yorker Betriebswirtschaftsprofessor Scott Galloway forderte ganz offen, die großen Tech-Konzerne zu zerschlagen. Sie seien zu dominant auf den jeweiligen Märkten. „Wir sollten sie nicht aufspalten, weil sie ,böse' sind, oder durch ihre Innovationen andere Unternehmen ausstechen oder Märkte durcheinanderwirbeln – das haben alle innovativen Unternehmer getan und das sollen sie auch. Wir sollten sie nun aufbrechen, weil wir Kapitalisten sind“, sagte er in einem Gespräch mit FAZ.NET.

          Matthew Bishop hält für möglich, dass genau das geschehen wird. Der langjährige New Yorker Büroleiter der Wirtschaftszeitung „Economist“ sagte auf der DLD-Konferenz, er halte den gegenwärtig wachsenden Gegenwind für die Tech-Branche nicht für ein vorüber gehendes Phänomen, sondern für ein dauerhaftes. „Die großen Tech-Konzerne sind größer als das, was der Kapitalismus bislang jemals hervor gebracht hat“, behauptete er. In der Gesellschaft gebe es immer Skepsis gegenüber sehr großen Einheiten.

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