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Zuletzt 1982 auf dem Niveau : Britische Inflationsrate mit 9,4 Prozent so hoch wie seit 40 Jahren nicht mehr

In Großbritannien wie hierzulande verteuern sich Lebensmittel stark. Bild: Reuters

Die Verbraucherpreise in Großbritannien sind so stark gestiegen wie seit 1982 nicht mehr. Hierzulande dagegen schwächt sich die Dynamik des Anstiegs der Erzeugerpreise etwas ab. Das könnte womöglich ein erstes kleines gutes Zeichen sein.

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          Die Verbraucherpreise in Großbritannien sind im Juni so stark gestiegen wie seit 1982 nicht mehr. Waren und Dienstleistungen kosteten durchschnittlich 9,4 Prozent mehr als ein Jahr zuvor, wie das Office for National Statistics am Mittwoch in London mitteilte. Von der Nachrichtenagentur Reuters befragte Ökonomen hatten mit 9,3 Prozent gerechnet, nach einer Teuerungsrate von 9,1 Prozent im Mai. Besonders steigende Preise für Kraftstoffe, Lebensmittel und alkoholfreie Getränke trieben die Inflation nach oben. „Da ab Oktober weitere Erhöhungen der Energierechnungen anstehen, ist der Höhepunkt der Inflation noch in weiter Ferne“, sagte Yael Selfin, Chefökonomin für Großbritannien bei der Beratungsfirma KPMG. Es sei nicht zu erwarten, dass die Teuerung vor Mitte 2024 zum Zwei-Prozent-Ziel zurückkehre.

          Abflachung bei Produzentenpreisen

          Christian Siedenbiedel
          Redakteur in der Wirtschaft.

          Unterdessen scheint sich die Dynamik bei der Preisentwicklung in Deutschland auf der Ebene der Produzentenpreise etwas abzuschwächen. Wie das Statistische Bundesamt am Mittwoch mitteilte, haben die deutschen Hersteller ihre Preise infolge des Ukrainekriegs im Juni abermals stark angehoben – aber nicht mehr in Rekordgeschwindigkeit. Die Erzeugerpreise kletterten auf Jahressicht um durchschnittlich 32,7 Prozent. Im Mai lag der Anstieg noch bei 33,6 Prozent und damit zum Vorjahresmonat so hoch wie seit Beginn der Erhebung 1949 noch nie. Von Dezember 2021 bis Mai hatten die gewerblichen Erzeugerpreise jeden Monat einen neuen Höchststand erreicht.

          Insbesondere der Preisanstieg bei Energie hat sich im Juni gegenüber dem Mai etwas abgeschwächt.Zudem machte sich auch hier, wie in den Zahlen zu den Verbraucherpreisen, der Tankrabatt bemerkbar. Im Vormonatsvergleich stiegen insbesondere die Preise für leichtes Heizöl (plus 20,1 Prozent gegenüber Mai 2022), während Motorenbenzin aufgrund der befristeten Reduzierung der Energiesteuer 9,3 Prozent billiger wurde. Diesel kostete 1,9 Prozent mehr als ein Monat zuvor.

          Die Entwicklung der Produzentenpreise hat oftmals mit etwas Verzögerung Auswirkungen auch auf die Verbraucherpreise.

          Rezession könnte Preisdruck mittelfristig verringern

          Nachdem die Preise für einige Rohstoffe wie Kupfer, Nickel, Zink, aber auch Öl aufgrund von Rezessionssorgen gesunken waren, halten Ökonomen es für möglich, dass der Preisdruck nachlassen könnte. Holger Schmieding, der Chefvolkswirt des Hamburger Bankhauses Berenberg meint dazu: „Im Zuge der Rezession wird der Preisdruck erheblich nachlassen, die ersten typischen Vorboten sehen wir bereits davon.“ Aber in den nächsten Monaten dürften die immer höheren Gaspreise die Inflationsrate zunächst weiter nach oben treiben, meint Schmieding: „Mit Glück haben wir im September bei einer Rate von über 9 Prozent in Deutschland dann den Gipfel erreicht.“

          Während in Deutschland Tankrabatt und 9-Euro-Ticket für die Bahn die Inflation zuletzt etwas gedrückt haben, ist die Teuerung in der Eurozone insgesamt weiter gestiegen - und sorgt auch in der Europäischen Zentralbank (EZB) für Diskussionen. Laut europäischem Statistikamt Eurostat ist die Inflation von 8,1 Prozent im Mai auf einen Rekordwert von 8,6 Prozent im Juni gestiegen. Damit wurde eine erste Schätzung bestätigt. In mehreren Euroländern liegt die Inflationsrate jetzt schon bei 20 Prozent oder mehr: in Estland bei 22, in Litauen bei 20,5 und in Lettland bei 19,2 Prozent. Auch in Spanien, Belgien, Luxemburg, Slowenien, Griechenland und der Slowakei sind die Inflationsraten inzwischen zweistellig. In Deutschland liegt die Rate nach der europäischen Berechnungsweise bei 8,2 Prozent; das liegt im europäischen Vergleich noch im Mittelfeld. Frankreich und Malta haben mit 6,5 und 6,1 Prozent die niedrigsten Raten im Euroraum.

          Die Preise steigen dabei auf breiter Front. Wichtigster Treiber im Vorjahresvergleich bleibt die Energie mit einem Anstieg im Vorjahresvergleich um 42 Prozent. Allerdings verteuerten sich auch viele Nahrungsmittel deutlich, der Preisanstieg lag im Schnitt bei 8,9 Prozent.

          Der weitere Anstieg der Inflation im Euroraum ist auch deshalb brisant, weil die EZB am Donnerstag über die weitere Ausrichtung der Geldpolitik im Euroraum entscheiden will. Erwartet wird die erste Zinserhöhung im Euroraum seit elf Jahren. Bislang hatte die weit überwiegende Mehrheit der Ökonomen, wie berichtet, nur einen kleinen Zinsschritt um 0,25 Prozentpunkte erwartet. Am Dienstag aber nun vermeldete die Nachrichtenagentur Bloomberg unter Berufung auf „Kreise“, der EZB-Rat könnte am Donnerstag auch über einen größeren Zinsschritt um 0,5 Prozentpunkte diskutieren. Grund dafür sei das verschlechterte Inflationsumfeld.

          Ein solcher Schritt wäre eine deutliche Abweichung von den Ankündigungen, an denen die Mehrheit der Ratsmitglieder der EZB seit der vorigen Sitzung am 9. Juni festgehalten hat. Allerdings würde er die EZB auch dem Trend in aller Welt zu kräftigeren Zinserhöhungen näher bringen. Ob es genügend Unterstützung für eine Anhebung um 0,5 Prozentpunkte geben werde, sei unklar, hieß es. Chefvolkswirt Philip Lane werde auf der Sitzung den offiziellen Vorschlag unterbreiten. Lane hat in der Notenbank relativ viel Gewicht. Ein EZB-Sprecher lehnte eine Stellungnahme mit Verweis auf die Ruhephase der Bank ab. Der Präsident des Münchner Ifo-Instituts, Clemens Fuest, jedenfalls sagte, eine Erhöhung des Leitzinses um mindestens 0,5 Prozentpunkte wäre angemessen. Ähnlich hatten sich viele Bankenvertreter geäußert.

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