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Brexit-Folgen an der Börse : Wie stark wird das Beben?

Zweistellige Kursverluste für Europäische Banken

Dass dies tatsächlich passieren kann, auch wenn es beim Brexit in allererster Linie um Großbritannien geht, ist gar nicht so unwahrscheinlich. Zwar gibt es Länder, mit denen Deutschland in noch engeren Wirtschaftsbeziehungen steht als mit dem Vereinigten Königreich, rund acht Prozent der deutschen Exporte gehen dorthin. Aber da Großbritannien nun erst einmal in vermutlich langwierigen Verhandlungen klären muss, wie es nach seinem Austritt in Zukunft mit den früheren EU-Partnern Handel treiben wird, könnte der Ausfall eines so wichtigen Mitspielers auch negative Folgen für das Wirtschaftswachstum im Euroraum haben. Die Dax-Firmen, die rund 70 Prozent ihrer Umsätze im Ausland erzielen, wären dann direkt betroffen.

Selbst Pessimisten erwarten aber nicht, dass es dem Dax in den nächsten Wochen so ergehen wird wie Bankaktien: Europäische Banken mussten am Tag nach der Brexit-Abstimmung teilweise zweistellige Kursverluste hinnehmen, natürlich die britischen Banken, aber auch die Deutsche Bank – noch nie sind Europas Bankaktien an einem einzigen Tag so stark gefallen.

Im Gegensatz zur Lehman-Krise ist es aber nicht so, dass sich die Banken heute gegenseitig misstrauen und die weltweiten Kapitalflüsse deswegen zum Erliegen kommen. Dieses Mal steht ein wesentlicher Teil ihres Geschäftsmodells in Frage: Bislang konnten die Banken von London aus Wertpapiere, Anteile an Investmentfonds und andere Finanzprodukte ohne zusätzliche Prüfung überall in der EU verkaufen. Dies wird in Zukunft so nicht mehr möglich sein. Auch könnte ihnen in London demnächst eine Menge Geschäft verlorengehen. Dies erklärt den Absturz der Aktie der Deutschen Bank, die einen hohen Anteil ihrer Erträge in Großbritannien erzielt. Teilweise verlor die Aktie um bis zu 15 Prozent.

Brexit wird Börsen noch lange beschäftigen

Jeden normalen Anleger packt angesichts solcher Zahlen eine tiefe innere Unruhe. Wäre es nicht besser, allen anderen zu folgen und jetzt auch Aktien zu verkaufen? Wenig spricht dafür. Denn auch wenn es demnächst noch einmal ungemütlich werden könnte, erscheint es sinnvoll, auf mittlere Sicht einer positiven Eigenschaft des Dax zu vertrauen: Weil die Dax-Konzerne in der ganzen Welt aktiv sind, zeigen sie sich meist auch relativ robust gegenüber Schwierigkeiten, die in einzelnen Weltregionen auftreten. Wer also noch nicht den Glauben daran verloren hat, dass die Weltwirtschaft auch in Zukunft wachsen wird, steht mit deutschen Aktien gar nicht schlecht da.

DWS-Manager Henning Gebhardt jedenfalls ist überzeugt davon, dass sich bald Kaufgelegenheiten auftun werden: „Der Dax ist in Relation zu Amerikas Aktienindex S&P 500 so niedrig bewertet wie seit 30 Jahren nicht. Das ist ein attraktiver Rabatt, aus dem sich Chancen ergeben.“ Eine Option für Mutige.

Business as usual allerdings werden auch Börsenkenner wie Gebhardt in den nächsten Wochen nicht betreiben können. Denn zumindest eine alte Börsenweisheit muss seit Freitag Morgen als überholt gelten: Politische Börsen haben kurze Beine, lautet sie. Dies stimmt seit der Abstimmung der Briten so nicht mehr. Sicher ist: Der Brexit und seine Auswirkungen werden die Börsen noch eine gehörige Zeit beschäftigen.

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