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Wegen Brexit : Zitterpartie drückt Pfund in den Keller

Britische Banknoten: Der Brexit setzt dem Pfund heftig zu. Bild: dpa

Die britische Währung notiert nahe ihres Allzeittiefs und könnte bei einem EU-Austritt Großbritanniens ohne ein Abkommen mit Brüssel noch weiter sinken.

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          An den Devisenmärkten hat die gestiegene Sorge vor einem harten Brexit ohne Freihandelsabkommen mit der EU den Kurs des Pfundes abermals unter Druck gesetzt. Am Freitag verlor die britische Währung mehr als 1 Prozent Außenwert und rutschte unter 1,084 Euro. Damit steht das Pfund so niedrig wie im Oktober und nahe am Allzeittief von 1,065 Euro im März.

          Philip Plickert

          Wirtschaftskorrespondent mit Sitz in London.

          An den Märkten geht die Angst um, dass die zähen Verhandlungen mit der EU über ein Freihandelsabkommen scheitern könnten. Für die Gespräche haben EU und London nochmals eine Verlängerung bis Sonntagabend vereinbart, aber die Signale auf beiden Seiten deuten auf verhärtete Fronten hin. Der britische Regierungschef Boris Johnson sagte in einer Videobotschaft, es gebe eine „starke Wahrscheinlichkeit“ für einen EU-Austritt ohne Abkommen. EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen wurde am Freitag ebenfalls deutlich: Es sei „wahrscheinlicher“, dass die Gespräche scheiterten als dass sie erfolgreich seien.

          Im Fall eines No-Deals würden nach dem Ende der Übergangsfrist am 31. Dezember Zölle zwischen der EU und Großbritannien eingeführt.

          „Ein Deal scheint mir immer noch wahrscheinlicher als No-Deal“, meinte dagegen Kallum Pickering, Volkswirt der Berenberg-Bank in London. „Die Zeit wird knapp und die aktuelle festgefahrene Situation birgt das Risiko eines harten EU-Austritts“. Im Fall eines harten Brexit sieht er ein Abwärtsrisiko von nochmal 5 Prozent für das Pfund. Im Fall, dass ein Freihandelsvertrag gelingt, könnte es für das Pfund ebenso viel nach oben gehen.

          GBP/EUR

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          Der Volkswirt Peter Dixon von der Commerzbank in London nannte einen No-Deal-Brexit „das größte politische Versagen in der Ära seit 1945“. Er wies darauf hin, dass beide Seiten – die britische Regierung und die EU-Kommission in Brüssel – die Chancen für einen Deal inzwischen pessimistisch einschätzen. „Vor genau zwölf Monaten hat Boris Johnson die Parlamentswahl mit dem Slogan ‚Get Brexit done‘ gewonnen und hat den Wählern einen ‚ofenfertigen Deal‘ versprochen“, erinnerte Dixon. Wenn man jetzt daran scheitere, ein Handelsabkommen zu schließen, hätte dies große schädliche wirtschaftliche Effekte.

          Das Pfund könnte dann „leicht unter das frühere Allzeit-Tief von 1,065 Euro bis auf 1,05 fallen“, meint Dixon. Längerfristig könnte es noch weiter sinken, wenn der volkswirtschaftliche Schaden deutlicher werde. Wenn es aber doch noch einen Durchbruch für einen Handelsvertrag gebe, sieht er Pfund Sterling bei 1,10 Euro.

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