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Brexit : Pfund-Kurs profitiert von Merkels Äußerungen

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Britisch Banknoten Bild: Reuters

Der Kursanstieg des britischen Pfunds dürfte nur von kurzer Dauer sein. Wichtiger für die Finanzmärkte wird das Notenbanker-Treffen in Jackson Hole.

          In der Hoffnung auf Bewegung im festgefahrenen Brexit-Streit steigen Anleger wieder in das britische Pfund ein. Die britische Währung verteuerte sich am Donnerstagnachmittag um bis zu 1,1 Prozent auf 1,2265 Dollar. Auch am Aktienmarkt spiegelten sich diese Spekulationen wider. Der EuroStoxx50 drehte ins Plus und stieg um bis zu 0,3 Prozent auf 3405,35 Punkte. Der Dax gewann 0,4 Prozent und markierte mit 11.853,14 Zählern ebenfalls ein Tageshoch.

          Auslöser der Rally war die Äußerung von Bundeskanzlerin Angela Merkel, man habe bis zum offiziellen Brexit-Datum am 31. Oktober Zeit, um eine Lösung für Irland zu finden. Das künftige Grenzregime zwischen der britischen Provinz Nordirland und der Republik Irland ist der Hauptstreitpunkt in den Verhandlungen über die Beziehungen nach einem EU-Austritt Großbritanniens.

          Commerzbank-Analystin Esther Reichelt bezeichnete die aktuelle Kursreaktion als überzogen. „Der Markt springt leicht auf positive Nachrichten an.“ In diesem Falle sei es die prinzipielle Bereitschaft zu Gesprächen. „Einer Lösung sind wir aber noch keinen Schritt näher.“ Ohne konkrete Vorschläge sei eine solche Rally sicher nur von kurzer Dauer.

          GBP/EUR

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          Was die Finanzmärkte dagegen nachhaltiger beschäftigen dürfte, ist das am Donnerstag startende Treffen von internationalen Notenbankern in Amerika. So rückte am Devisenmarkt die Geldpolitik zunehmend in den Vordergrund. Investoren und Händler an den Finanzmärkten erwarten sich von den Reden auf den Treffen Hinweise auf mögliche weitere Zinssenkungen. Das gilt insbesondere für Auftritt von Fed-Chef Jerome Powell am Freitag.

          Wenn sie enttäuscht werden, dürften die Anleger sehr nervös reagieren, fürchtet Seema Shah, Chefstrategin des US-amerikanischen Vermögensverwalters Principal Global Investors. „Das Treffen in Jackson Hole bietet für die Fed eine gute Gelegenheit, um einen sich selbst erfüllenden Abschwung an den Märkten noch abzuwenden“, sagte die Expertin. Da die Märkte derzeit sehr sensibel auf Stimmungen reagieren, könnten plötzlich auftretende Sorgen unter den Anlegern extreme Auswirkungen haben. Selbst ein Szenario, in dem die Anleger in Panik verfallen und damit den von ihnen befürchteten Abschwung selbst erst auslösen, ist nicht ausgeschlossen.

          Es sei davon auszugehen, dass Powells Aussagen in Jackson Hole ausgiebig vorbereitet werden, sodass der Markt klare und unmissverständliche Botschaften erwarte. Investoren wollen laut Shah die Aussicht auf eine baldige Zinssenkung bestätigt bekommen und warteten auf eine Rückversicherung, dass die Fed nicht mit einer Rezession rechne.

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