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Nach Brexit-Entscheidung : Morgan Stanley sichert sich neuen Turm in Frankfurt

Immer mehr Banken erwägen in Frankfurt zusätzliche Flächen zu erwerben. Bild: Klenner, Maria

Die Brexit-Pläne der Banken werden konkreter. Frankfurts Büromarkt zieht an. Deutsche-Bank-Chef Cryan stimmt schon mal seine Mitarbeiter ein.

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          Die internationalen Großbanken konkretisieren ihre Pläne für den Brexit. Das hat nun auch im Frankfurter Bankenviertel erste Folgen. So hat sich die amerikanische Investmentbank Morgan Stanley nach Informationen der F.A.Z. mehrere Etagen in dem neuen Hochhaus Omniturm gesichert, der derzeit auf dem früheren Gelände des Bankhauses Metzler entsteht. Wie berichtet plant die Bank, ihre Mitarbeiterzahl am Main von derzeit 200 auf 400 zu verdoppeln. Dem Vernehmen könnten es allerdings auch noch mehr werden. Dafür dürfte die Bank im Omniturm mindestens 8000 Quadratmeter angemietet haben, was etwa fünf bis sechs Etagen entspräche. Die Bank wollte die Informationen nicht kommentieren.

          Tim  Kanning

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Michael Psotta

          Redakteur in der Wirtschaft, verantwortlich für den Immobilienteil.

          Marcus Theurer

          Redakteur in der Wirtschaft der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Der Turm ist eines von mehreren Hochhäusern, die in der Frankfurter Innenstadt derzeit gebaut werden. Allerdings gibt es nur wenige, die noch rechtzeitig vor dem offiziellen Vollzug des Brexits im Frühjahr 2019 fertiggestellt werden. Neben dem Omniturm ist das der Winx auf dem ehemaligen Degussa-Gelände und der Marienturm gegenüber der Deutsche-Bank-Zentrale. Der Immobilienvermittler Colliers International hatte schon vor einigen Monaten davor gewarnt, dass die freien Flächen in Frankfurt schnell knapp werden könnten, wenn mehrere Banken gleichzeitig größere zusammenhängende Flächen suchten. So steigt nun offensichtlich der Druck, entsprechende Mietverträge zu finalisieren. Zumal in der Bankbranche die eherne Regel gilt: Keine zwei Großbanken ziehen in den selben Turm. Auch wenn die 8000 Quadratmeter von Morgan Stanley nur ein Fünftel der Büroflächen im Omniturm abdecken würden, dürfte der daher für die anderen großen Brexit-Flüchtlinge tabu sein.

          Cryan befürchtet „erhebliche Auswirkungen“ des Brexit

          Von bis zu 4000 Stellen, die von London abgezogen werden könnten, ist bei der Deutschen Bank die Rede. Der Vorstandsvorsitzende John Cryan unterbreitete seinen Mitarbeitern am Donnerstag in einer Videobotschaft, dass die Bank nicht abwarten könne, bis die Verhandlungen zum Brexit abgeschlossen seien. Daher plane die Bank bis auf Weiteres mit einem harten Brexit. Es seien noch unheimlich viele Details zu klären und man versuche, die Auswirkungen auf die Kunden und auch die Mitarbeiter so gering wie möglich zu halten, sagte Cryan. „Aber unausweichlich werden wichtige Funktionen nach Frankfurt verlagert oder dort neu aufgebaut werden müssen.“ Auch wenn die Bank anders als nichteuropäische Institute keine ganz neue Einheit in der EU aufbauen müsse, sei es wahrscheinlich, dass der Brexit erhebliche Auswirkungen auch auf die Deutsche Bank habe.

          So buche die Bank derzeit den Großteil ihrer Geschäfte über London und trotzdem sei die Bank of England nicht ihre oberste Aufsichtsbehörde. Nach dem Brexit wäre das aber so; so dass die Bank voraussichtlich künftig den Großteil ihrer Geschäfte über Frankfurt buchen wolle, Das müsse aber nicht unbedingt heißen, dass die Händler ebenfalls in Frankfurt sitzen müssten. „Sie können Orders auch in London oder New York entgegennehmen.“

          Auch die Citigroup hat ihre Mitarbeiter nun offiziell über ihre geplante Expansion in Frankfurt informiert: Die amerikanische Großbank bestätigt, dass die Zentrale für den Wertpapierhandel in der EU, wie erwartet, am Main angesiedelt wird. Dies sei als Vorbereitung auf den Brexit notwendig, heißt es in einem internen Rundschreiben von Jim Cowles, der von London aus das Citi-Geschäft in Europa, dem Nahen Osten und Afrika leitet. Frankfurt sei wegen vorhandener Infrastruktur, Personal und Fachwissen die erste Wahl. Cowles stellt die Schaffung von rund 150 neuen Arbeitsplätzen in Aussicht. Bisher beschäftigt Citi in Frankfurt rund 360 Mitarbeiter. Die Großbank sitzt im Bürogebäude „Die Welle“ nahe der Alten Oper. Dort gibt es genügend Raum für das zusätzliche Personal.

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