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Bank of England : Britische Notenbank warnt vor schweren „Brexit“-Folgen

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Dieser Anzugträger wirbt für den EU-Austritt der Briten. Die Bank of England warnt vor den Folgen des Brexit. Bild: AFP

Eine Rezession und steigende Arbeitslosigkeit: Die Bank of England malt schwarz, sollten die Briten tatsächlich für den Austritt aus der Europäischen Union stimmen.

          Großbritanniens Notenbank warnt mit deutlichen Worten vor schweren wirtschaftlichen Folgen im Falle eines EU-Ausstiegs. Dies könne sogar möglicherweise zu einer Rezession in Großbritannien führen, sagte Notenbank-Gouverneur Mark Carney am Donnerstag nach der Zinssitzung der Bank von England (BoE). Der Kurs des britischen Pfund könne dann kräftig fallen, die Arbeitslosigkeit steigen und das Wirtschaftswachstum erheblich nachlassen. Den Schlüsselsatz zur Versorgung der Banken mit Zentralbank-Geld beließen die Währungshüter auf dem Rekordtief von 0,5 Prozent. Auch am Anleihenkauf-Programm im Volumen von 375 Milliarden Pfund hielten sie fest.

          Die Briten stimmen am 23. Juni in einem Referendum über den Verbleib in der Europäischen Union ab. Jüngsten Umfragen zufolge haben EU-Befürworter derzeit leicht die Nase vorn. „Geldpolitik kann nicht alle Folgen eines Schocks sofort auffangen,“ sagte Carney. Es gebe Grenzen, was die Geldpolitik nach einem EU-Ausstieg erreichen könne. Wegen der großen Unsicherheit über den Ausgang der Abstimmung habe sich im ersten Quartal das Wirtschaftswachstum bereits abgeflaut und es scheine sich weiter zu verlangsamen.

          Größte Gefahr für das Wirtschaftswachstum

          Im Falle eines britischen EU-Austritts rechnet die Notenbank zudem mit einem merklichen Anstieg der Inflation. Premierminister David Cameron erklärte über den Kurznachrichten-Dienst „Twitter“, es sei richtig davor zu warnen, dass ein sogenannter Brexit das Wachstum beeinträchtigen und zu steigender Arbeitslosigkeit im Land führen könne. Das Bruttoinlandsprodukt hatte im Zuge der Unsicherheit von Januar bis März nur noch um 0,4 Prozent zum Vorquartal zugelegt, nach 0,6 Prozent Ende 2015.

          Laut einer Umfrage nannten Experten einen EU-Austritt zusammen mit zunehmenden Sorgen über die weitere Entwicklung der Weltkonjunktur als größte Gefahr für das Wirtschaftswachstum in Großbritannien. Große Unternehmen auf der Insel haben sich inzwischen gegen mögliche Kursverluste des britischen Pfund im Zuge des EU-Referendums abgesichert. Die EU ist Großbritanniens größter Handelspartner. Würde das Land die EU verlassen müssten alle Verträge mit der Gemeinschaft neu verhandelt werden. Nach dem EU-Vertrag von Lissabon tritt nach einem Austritt eine Übergangsfrist von zwei Jahren in Kraft. Das Land ist seit 1973 Mitglied der EU.

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