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Branchenanalyse : Viele Ölaktien sind trotz Tauziehen weiter attraktiv

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Die großen Ölgesellschaften könnten unter Druck geraten, wenn Bolivien, Venezuela und andere Staaten mit Erdöl- und Erdgasvorkommen mehr Kontrolle über ihre Felder haben wollen. Die meisten Öl- und Gastitel bewertet S&P jedoch trotzdem positiv.

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          Den großen Ölgesellschaften fällt es seit geraumer Zeit schwer, ihre Öl- und Gasgewinnung weiter zu steigern, da die Erdöl- und Erdgasfelder bereits relativ stark ausgebeutet sind. Ihre Situation dürfte sich nun noch weiter verschärfen, da Länder wie Nigeria, Venezuela, Bolivien und Rußland mehr Kontrolle über ihre Ölförderung beanspruchen.

          Boliviens Staatspräsident Evo Morales hat den ausländischen Ölgesellschaften am vergangenen Montag mitgeteilt, daß sie sechs Monate Zeit hätten, um entweder ihre Verträge neu zu verhandeln oder das Land zu verlassen. Zur gleichen Zeit soll er den Unternehmen angeordnet haben, daß Gas- und Ölverkäufe nur noch über die staatliche Ölgesellschaft laufen dürfen. In Bolivien sind vor allem die spanische Gesellschaft Repsol und die brasilianische Petrobras aktiv.

          Begehrlichkeiten in Venenzuela...

          Bolivien tritt damit in die Fußstapfen Venezuelas, dessen Präsident Hugo Chavez bereits damit gedroht hat, das Orinoco-Flußbecken zu verstaatlichen, in dem rund 235 Milliarden Barrel Öl und das größte bekannte Kohlenwasserstoffvorkommen der Welt vermutet werden. In dieser Region sind unter anderem BP, Chevron, Conoco-Phillips, Exxon-Mobil und Total vertreten.

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          Venezuela, fünftgrößter Ölexporteur der Welt, hat eine Steuererhöhung von 34 auf 50 Prozent für große Rohölprojekte im Orinoco-Gürtel angekündigt. Chevron warnte indes, daß es noch zu früh sei, das Endergebnis dieses Vorschlags vorherzusagen. Chavez, der bereits öfters gegen den amerikanischen Kapitalismus gewettert hat, behauptet, daß Chevron und 21 andere dort aktive Ölgesellschaften dem Land Milliarden an Steuergeldern und Förderabgaben schuldeten.

          Steve Crowe, Finanzdirektor bei Chevron, begegnete diesem Vorwurf in der Gewinnberichterstattung des Unternehmens mit den Worten: „Bezüglich der Kriterien für Investitionen - sei es in Venezuela, Kanada, dem Vereinigten Königreich, den Vereinigten Staaten von Amerika oder irgendwo anders - betrachten wir alle Komponenten, insbesondere die steuerrechtlichen, sehr genau, bevor wir uns für oder gegen eine Investition entscheiden. Das gilt auch für Venezuela.“

          .. könnten Förderung belasten

          Nach Angaben der amerikanischen Energieinformationsbehörde (Energy Information Administration, EIA) gibt es im Orinoco-Gürtel vier größere Projekte. Zusammen mit der nationalen Ölgesellschaft Petroleos de Venezuela (PdVSA) ist Conoco-Phillips Partner in zwei Projekten, Chevron in einem, Exxon-Mobile in einem. Total und Statoil sind Partner in einem weiteren Großprojekt.

          Crowe erklärte gegenüber Dow Jones außerdem, daß Chevron mit einer verringerten Förderung in dieser Region rechnet, wenn eine neue Vereinbarung dazu getroffen werde, die PdVSA mehr Kontrolle über die Projekte gibt. Derzeit fördert Chevron in Venezuela rund 120.000 Barrel Öl pro Tag. Das Unternehmen könnte zudem dazu gezwungen sein, seine Ölreserven in Venezuela zu reduzieren, so Crowe weiter.

          Nach Angaben der EIA hat Venezuela bereits ein neues Kohlenwasserstoffgesetz verabschiedet, nach dem sich die Förderabgaben privatwirtschaftlicher Unternehmen von einem bis 17 Prozent auf 20 bis 30 Prozent erhöhen würden. Außerdem wird der PdVSA zugesichert, in jedem neuen Projekt die Mehrheit zu erhalten. Das neue Gesetz sieht darüber hinaus eine Wandlung der Struktur künftiger ausländischer Investitionen von strategischen Partnerschaften in Joint Ventures vor.

          Unheil dräut auch andernorts

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