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Branchen-Analyse : Maschinenbau-Aktien haben mehr Interesse verdient - Teil 2

  • -Aktualisiert am

Nach Flautejahren starten die Maschinenbauer jetzt mit positiven Geschäftsaussichten und steigenden Aktienkursen durch. Die Nebenwertespezialisten von Smartcaps haben die kleineren Branchenvertreter untersucht. Teil 2.

          Vom Nachfrageboom des Auslands profitiert ähnlich wie Deutz auch die Gildemeister AG. Der traditionsreiche Werkzeugmaschinenbauer aus Bielefeld hat in 2003 einen Fehlbetrag von 3,6 Millionen Euro erwirtschaftet. Doch schon im ersten Halbjahr des laufenden Geschäftsjahres ist das Unternehmen in die Gewinnzone zurückgekehrt: Der Überschuss liegt bei immerhin 0,7 Millionen Euro nach einem Verlust von mehr als fünf Millionen Euro im Vorjahreszeitraum. Der Umsatz liegt bei beachtlichen 540 Millionen Euro, im Vorjahr waren es 50 Millionen Euro weniger (Umsatz im Geschäftsjahr 2003: 978 Millionen Euro).

          Für das Gesamtjahr rechnet der Vorstand ebenfalls mit einem Überschuß, die Umsatzprognose wurde auf Basis der guten Halbjahresergebnisse nach oben geschraubt: „Auf der Grundlage des gestiegenen Auftragsbestandes und der noch zu erwartenden Auftragseingänge planen wir, den Umsatz um mehr als fünf Prozent zu steigern“, prognostiziert Vorstandschef Rüdiger Kapitza. Wenn man bedenkt, daß der Auftragseingang im Berichtszeitraum um 15 Prozent stieg, mutet diese Prognose eher konservativ an. Analysten gehen davon aus, daß der Konzernumsatz die Milliarden-Marke deutlich übertreffen wird.

          Doch der seit 1996 amtierende Kapitza ist dafür bekannt, daß er vorsichtig, aber umso erfolgreicher agiert. Er hat sich den Erfolg bei Gildemeister hart erkämpft. Das Unternehmen ist in den neunziger Jahren durch schwere Krisen gegangen und dabei zu einer Art Sammelstelle der Ruinierten aus der Branche geworden. 1994 beispielsweise konnten die Westfalen den Konkurrenten Deckel-Maho übernehmen, der seinerseits schon ein Zusammenschluß zweier gescheiterter Spitzentechnikunternehmen war. Gildemeister wächst aber auch aus eigener Kraft weiter. Seit eineinhalb Jahren produziert der Weltmarktführer bei Dreh- und Fräsmaschinen in China.

          Analysten und Investoren fassen wieder Zutrauen in den Werkzeugmaschinenbauer. Obwohl kaum jemand aus der Finanzwelt erwartet, daß Gildemeister für das laufende Geschäftsjahr eine Dividende zahlen wird, empfehlen zahlreiche Analysten das Papier zum Kauf. Positiv wird bewertet, dass das Unternehmen im zweiten Quartal erfolgreich eine Kapitalerhöhung platziert hat und seine Kapitalstruktur außerdem durch die Ausgabe einer Unternehmensanleihe von 175 Millionen Euro entscheidend verbessert hat. Die Aktie gilt bei einem aktuellen Kurs von rund sechs Euro als fundamental unterbewertet.

          Kursexplosion bei Winkler + Dünnebier nach Ankündigung eines Übernahmeangebots

          Von Unterbewertung kann beim Anteilsschein der Winkler + Dünnebier AG keine Rede sein. Vor wenigen Wochen stand die Aktie im Zentrum des öffentlichen Interesses: Innerhalb einer Stunde erlebte das Papier einen fantastischen Kurssprung von mehr als 170 Prozent.

          Voran gegangen war die Ankündigung, daß der Hamburger Körber-Konzern für den Spezialmaschinenbauer aus Neuwied ein Übernahmeangebot in Höhe von 9,75 Euro je Aktie unterbreiten will. Das erschien äußerst großzügig, denn der zuletzt gezahlte Kurs im Frankfurter Parketthandel lag bei 3,30 Euro. Mittlerweile ist eine Aktie des Herstellers von Maschinen zur Produktion von Briefumschlägen und anderen Papierprodukten rund 9,50 Euro wert. Der Vorstand von Winkler + Dünnebier äußerte sich positiv zum Übernahmeangebot: „Wir sehen uns ausdrücklich in unserer erfolgreich eingeleiteten Neuausrichtung bestätigt“, so der Vorstandschef Dietmar Kurz.

          „Solange das Übernahmeangebot aber noch nicht vorliegt, werden wir es nicht weiter kommentieren“, erklärt Unternehmenssprecher Tobias Weitzel auf Anfrage von Smartcaps. Das detaillierte Angebot der Körber AG wird erst nach der Genehmigung durch die Bundesanstalt für die Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) veröffentlicht, bis dahin wird es aus dem Hause W + D keinerlei Stellungnahmen zum Thema geben.

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