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Protest gegen Boston Beer : „Amerikaner machen das beste Bier der Welt“

Halb voll oder halb leer? Bild: dpa

Der größte Craft-Brauer in den Vereinigten Staaten schmeichelt sich bei Donald Trump ein. Manchem Biertrinker gefällt das gar nicht. Nun gibt es Boykottaufrufe.

          Donald Trump trinkt bekanntlich keinen Alkohol. Was nicht heißt, dass er Hersteller alkoholischer Getränke nicht zu schätzen weiß, sofern es zu seiner „America First“-Philosophie passt. Als er sich kürzlich in seinem Golfclub in Bedminster (New Jersey) mit einer Gruppe von Vorstandsvorsitzenden zum Abendessen traf, war darunter auch Jim Koch, einer der prominentesten Brauereiunternehmer des Landes.

          Roland Lindner

          Wirtschaftskorrespondent in New York.

          Koch zählt zu den Pionieren unter den sogenannten „Craft“-Brauern, die sich von industriell produzierten Massenmarken wie „Budweiser“ mit stärkeren und gehaltvolleren Bieren abzuheben versuchen. Mitte der achtziger Jahre begann er in seiner Küche, Bier zu brauen, und daraus wurde die Boston Beer Company, mit der er die Marke „Samuel Adams“ produziert. Von seinen bescheidenen Anfängen hat sich das Unternehmen längst entfernt, es ist sogar börsennotiert. Aber mit einem Marktanteil von zwei Prozent ist es verglichen mit Konzernen wie dem Budweiser-Hersteller Anheuer Busch Inbev noch immer ein Nischenanbieter.

          Der Abend mit Trump folgte einem ähnlichen Schema wie viele seiner Treffen mit Top-Managern. Der Präsident zählte erst all seine vermeintlichen Großtaten für die amerikanische Wirtschaft auf und ließ dann die Manager zu Wort kommen, von denen er dann ebenfalls lobende Worte zu hören bekam. Darunter waren die Chefs großer Unternehmen wie Boeing oder Johnson & Johnson - und eben auch Jim Koch, der es schaffte, nicht nur Trump zu schmeicheln, sondern auch sich selbst. Er sagte: „Als ich Sam Adams gegründet habe, war amerikanisches Bier ein Witz, und das hat mich angekotzt. Und jetzt machen amerikanische Brauer das beste Bier in der Welt.“

          Lob für Steuerreform

          Dann kam Koch auf die unter Trump verabschiedete Steuerreform zu sprechen. Das sei für ihn und Tausende anderer kleiner Craft-Brauer eine „sehr große Sache“ gewesen. Sein Unternehmen habe bislang einen Steuersatz von 38 Prozent gehabt, und er habe mit Wettbewerbern konkurrieren müssen, die nur 20 Prozent zahlten. Nach der Steuerreform herrschten nun aber faire Bedingungen, weshalb er von nun an seiner Konkurrenz „in den Hintern treten“ könne. Trump war begeistert. „Ja, das ist gut, wir haben das gemacht.“ Und er fügte hinzu, dass Amerika jetzt ja auch den besten Stahl herstelle. „Es gibt einen großen Unterschied zwischen gutem Stahl und schlechtem Stahl.“

          Freilich war nicht jeder vom Auftritt des Brauunternehmers so angetan wie Trump. Joseph Curtatone, der Bürgermeister eines Vororts von Boston, zeigte sich in einer Serie von Twitter-Einträgen empört: „Hey Jim Koch! Während Du Trump für Deine Steuererleichterungen gedankt hast, hast Du vielleicht auch irgendwelche Sorgen um Familien zum Ausdruck gebracht, die unter seiner grausamen und unmenschlichen Einwanderungspolitik getrennt werden?“ Curtatone twitterte weiter, er werde niemals wieder Sam Adams trinken. Und er blieb nicht der einzige, denn auf Twitter wurde unter dem Schlagwort „#BoycottSamAdamsBeer“ aufgerufen, das Bier nicht mehr zu kaufen oder gar bestehende Vorräte wegzuschütten.

          „Schande“

          Ein Nachbar von Kochs Brauerei in Boston hängte ein riesiges weißes Laken vor sein Haus, auf dem „Sam Adams“ und „Trump“ mit einem Herz dazwischen stand, außerdem zwei Mal das Wort „Schande!“ Der Nachbar sagte einem lokalen Fernsehsender, er werde das Laken erst entfernen, wenn Koch sich entschuldige und seine gesparten Steuern an Organisationen spende, die gegen den von Trumps Regierung angerichteten Schaden kämpfen.

          All das ging dem Lokalblatt „Boston Herald“ zu weit. In einem Kommentar der Zeitung hieß es: „Die Angriffe auf Koch und die Versuche, seinem Geschäft zu schaden, sind unerhört.“ Koch sei eine „uramerikanische Erfolgsgeschichte“ und überdies jemand, der sich stark für lokale Belange einsetze. Koch habe lediglich einen Teil der Wirtschaftspolitik des Präsidenten gelobt. Ansonsten sei er bislang nicht als glühender Verehrer von Trump aufgefallen, und es sei noch nicht einmal klar, ob er ihn generell unterstütze. Bekannt sei vielmehr, dass er schon oft an Kandidaten der Demokratischen Partei Geld gespendet habe. Es sei daher zu hoffen, dass die Boykottaufrufe schnell wieder verschwinden und Koch sich wieder aufs Bierbrauen konzentrieren könne.

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