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Bonuszahlungen : Die Boni der Deutschen Bank folgen der Logik des Marktes

Bild: Reuters

Investmentbanker haben sich einen schlechten Ruf erarbeitet. Dass die Boni bei der Deutschen Bank nun erhöht werden sollen, heizt die Diskussion an.

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          Was ist gerecht? Die Diskussion um Bonuszahlungen für Banker taugt für die Beantwortung der Frage nach Gerechtigkeit ebenso wenig wie die Diskussion um Fußballergehälter. Mitten in dieser schlauchenden Pandemie würden einem viele Berufsgruppen einfallen, denen Boni in Millionenhöhe zu gönnen wären: Pflegekräfte, Ärzte- und Lehrerschaft, Wissenschaftler – um nur einige zu nennen. Banker fallen sicher nicht in diese Kategorie. Die Nachricht, dass die Deutsche Bank von der Europäischen Zentralbank in Sachen Boni zurückgepfiffen wurde, passt dabei bestens ins Weltbild. Das Weltbild aber ist verzerrt.

          Die Deutsche Bank hat 2020, getragen vom Investmentbanking, zum ersten Mal seit sechs Jahren wieder einen Gewinn erzielt. Viel wichtiger noch als die reine Zahl ist dabei, dass die Bank, die über Jahre als nicht führbar galt, wieder in ruhiges Fahrwasser gekommen ist. In Tippelschritten kommt sie wieder dem eigenen Leitbild näher, das sie über Jahre aus dem Blick verloren hatte: Eine Bank zur Unterstützung ihrer Kunden – nicht zur Unterstützung des eigenen Größenwahns. Wer mit Stirnrunzeln auf das Investmentbanking blickt, verkennt die Bedeutung dieses Geschäftsfeldes. Deutsche Konzerne, die im Ausland aktiv und erfolgreich sein wollen, müssen Währungsrisiken absichern und Finanzierungen von Lieferketten stemmen. Diese Beispiele beschreiben – wenn auch wenig glamourös – wesentliche Teile des heutigen Investmentbankings, dem Kapitalmarktgeschäft der Deutschen Bank. Den zwar sehr lukrativen, aber eben auch sehr volatilen Eigenhandel mit Aktien oder Rohstoffen hat die Bank längst eingestellt.

          Wer fordert, dass die Bank dem Investmentbanking abschwört, treibt die Kunden in die Arme der internationalen Konkurrenz. Wall Street-Banken wie die Citigroup, Morgan Stanley oder JP Morgan dürften die Tore weit aufmachen und Fanfarenklänge anstimmen. Wenn sich diese Banken dann in der nächsten Krise auf ihre Heimatmärkte zurückziehen, ist das Wehklagen groß. Deutschland braucht eine starke deutsche, international relevante Bank. Entsprechende Gehälter und Boni tragen zur Konkurrenzfähigkeit bei. Das mag nicht jedem gefallen, ist aber marktgerecht.

          Inken Schönauer

          Redakteurin in der Wirtschaft, verantwortlich für den Finanzmarkt.

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