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Scherbaums Börse : Die (un)vollendete Börsenerholung

  • -Aktualisiert am

Tesla-Gründer Musk begeistert die Börsen. Bild: AFP

Tolle Zahlen von Microsoft, Hoffnung beim kriselnden Daimler-Konzern und ein Elektroautobauer Tesla, der zum ersten Mal in seiner Geschichte vier Quartale in Folge einen Gewinn ausweist. An der Börse läuft es gerade bestens – oder doch nicht?

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          Diese Börsenwoche war im Dax wohl ebenso historisch wie das vergangene Quartal. Am Dienstag stieg das bekannteste deutsche Börsenbarometer wieder über 13.300 Punkte und stand damit wieder über dem Schlussstand des vergangenen Jahres 2019. Die Börse hat augenscheinlich vom Krisenmodus auf „Vor-Corona“ umgeschaltet.  Die jüngsten Nachrichten aus dieser Börsenwoche untermauern auch dieses Szenario augenscheinlich:

          So hat Daimler nun den Anlegern mit seiner jüngsten Zahlen Hoffnung gemacht. Hoffnung auf bessere Zeiten und vor allem wieder Gewinne. Analysten glauben dies schon einmal. Die Citigroup strich ihre Verkaufsempfehlung – der Ausblick stimme zuversichtlich. Gehen wir nach Amerika:

          Da hat Tesla zum ersten Mal in seiner Geschichte vier Quartale in Folge einen Gewinn ausgewiesen. Was für das Gros an Konzernen auf dieser Welt Normalität ist, bedeutet für den gehypten Tesla-Konzern sogar jetzt die Möglichkeit in den breiten S&P-500-Index aufzusteigen.

          Tesla-Aktie

          TESLA INC. DL -,001

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          Ebenso hat mit Microsoft einer der Top Hightech-Unternehmen aufgezeigt, dass die Corona-Krise keine solche große darstellt. Der Windows-Konzern konnte beim Umsatz die Erwartungen deutlich übertreffen.

          Raum für positive Überraschungen

          Schlechte Nachrichten sind eigentlich Standard nach einem Halbjahr, in dem rund um den Globus wirtschaftlich nicht viel ging. Spannend waren bisher bei den Zahlenveröffentlichungen vor allem die Ausblicke und Prognosen. Nicht selten gab es keine, die Unternehmen trauten es sich schlicht nicht zu.

          Nur 11 Prozent der Unternehmen im S&P 500 haben eine Schätzung für den Gewinn pro Aktie für das Jahr 2020 vorgelegt. Gleichzeitig sind die Prognosen der Analysten wiederum so breit aufgesetzt, wie seit vielen Quartalen nicht mehr. Laut Experten wie Salman Baig vom Vermögensverwalter Unigestion wird erwartet, dass die Gewinne je Aktie in den Vereinigten Staaten im Vergleich zum Vorjahr um 45 Prozent schrumpfen werden. „Solche Rückgänge haben wir zuletzt während der großen Finanzkrise von 2008 gesehen. Wir glauben aber, dass dieser Pessimismus Raum für positive Überraschungen schafft“, so Salman Baig.

          Laut Tilmann Galler haben sich derweil die Kurs-Gewinn-Verhältnisse (KGVs) kräftig erhöht – weil einerseits die Kurse gestiegen, die Gewinne jedoch gefallen sind. Entsprechend hat das Potenzial der Aktienmärkte laut des Experten nachgelassen.

          Eine Blaupause für die Konjunktur?

          Nach dieser historisch einzigartig schnellen Erholung an den Märkten stellt sich jedoch auch die Frage, ob die bisher V-förmige Entwicklung der Aktienmärkte eine Blaupause für die konjunkturelle Entwicklung darstellen könnte. Aus Sicht von Tilmann Galler Kapitalmarktstratege bei J.P. Morgan Asset Management bleibt die Erholung weiterhin „unvollständig“, da die Coronakrise nach wie vor nicht überwunden ist. Zudem rücken in den nächsten Wochen allmählich auch die US-Wahlen im November in das Blickfeld mit ihren möglichen politischen Implikationen für die Märkte.

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