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Abwärtstrend : Noch ein schlimmer Börsentag

Händler an der New Yorker Börse: Zweifel an der amerikanischen Konjunktur Bild: dpa

Der Dax fällt weiter, der Ölpreis findet keinen Boden, Anleger und Analysten blicken argwöhnisch auf die Entwicklung in den Vereinigten Staaten. Doch es gibt mindestens einen sicheren Hafen.

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          Enttäuschende amerikanische Konjunkturdaten und ein Fall des Ölpreises ins scheinbar Bodenlose halten die Finanzmärkte neben Sorgen um die weitere wirtschaftliche Entwicklung Chinas in Atem. Die um sich greifende Unruhe hat vor allem die Aktienmärkte ein weiteres Mal getroffen.

          In Deutschland büßte der Dax 2,5 Prozent auf 9545 Punkte ein. Damit schlugen sich die Standardwerte im Vergleich noch gut, denn sowohl der M-Dax als auch der Tec-Dax erlitten noch größere Einbußen. Der Dax fiel auf seinen tiefsten Stand seit Anfang Oktober 2015. Die Baisse erfasste auch die anderen Aktienmärkte in Europa sowie die Wall Street.

          Der Handel hatte schon am Vormittag mit Verlusten begonnen. Richtig ausgeprägt wurde die Baisse nach der Veröffentlichung unerwartet schwacher amerikanischer Einzelhandelsumsätze im Dezember durch das Handelsministerium. Angesichts niedriger Ölpreise sei dies ein enttäuschendes Jahresende, sagten Analysten der Standard Chartered Bank. Die Auslastung der Kapazitäten in der amerikanischen Industrie sank mit 76,5 Prozent auf ihren niedrigsten Stand seit dem Sommer 2013. Außerdem fiel ein Stimmungsindikator für die Industrie im Großraum New York unbefriedigend aus.

          Schon seit einiger Zeit blicken viele Anleger und Analysten argwöhnisch auf die wirtschaftliche Entwicklung in den Vereinigten Staaten. Die neuen Daten verstärkten die Sorgen um die Konjunktur, hieß es in einem Kommentar der Helaba. „Insgesamt sind die heutigen Daten verhalten ausgefallen“, schreibt die Bayerische Landesbank.

          Nicht zu viel erwarten

          Von der gerade in Gang kommenden Berichtssaison der amerikanischen Unternehmen für das vierte Quartal sollten Anleger nicht zu viel erwarten, warnte die Großbank JP Morgan Chase. „Das Momentum der Weltwirtschaft verliert so sehr an Fahrt, dass mehr über eine Rezession gesprochen wird“, sagte Ralf Zimmermann vom Bankhaus Lampe.

          Ebenfalls nicht vertrauenerweckend wirkte der Fall des Ölpreises um 4,9 Prozent auf 29,50 Dollar für ein Barrel (159 Liter) der Nordseesorte Brent. Viele Marktteilnehmer betrachten den fallenden Ölpreis auch als einen Indikator für einen nachlassenden Schwung der Weltwirtschaft. Eine bevorstehende Aufhebung der Sanktionen gegenüber Iran dürfte das ohnehin sehr reichliche Angebot an Öl noch vergrößern, hieß es am Markt. Die Investmentbank Goldman Sachs, die vor wenigen Wochen einen Fall des Ölpreises auf 20 Dollar je Barrel voraussagte, prognostiziert nun für die zweite Jahreshälfte einen Anstieg des Preises.

          Fluchtpunkte: Gold und Staatsanleihen

          Die Zweifel an der amerikanischen Konjunktur schlugen sich am Devisenmarkt in einer Dollarschwäche nieder. Der Wechselkurs des Euros sprang in der Spitze um 0,8 Prozent auf 1,095 Dollar. Der Preis für eine Feinunze (31 Gramm) Gold verbesserte sich um rund 1 Prozent auf 1089 Dollar, umgerechnet 994 Euro. Am Tag zuvor hatte sich der Goldpreis auf einem Niveau befunden, das aus Sicht technischer Analysten die Gefahr eines deutlichen Rückgangs trug.

          Als Fluchtpunkt dienten neben dem Gold wieder einmal Staatsanleihen von Ländern mit sehr guter Bonität, deren Renditen um mehrere Basispunkte fielen. Zehnjährige Bundesanleihen rentierten im Nachmittagshandel mit 0,53 Prozent, zehnjährige britische Anleihen mit 1,65 Prozent und zehnjährige amerikanische Papiere mit nur noch 2,01 Prozent.

          Vor einer zu pessimistischen Betrachtung warnt das Bankhaus Julius Bär aus der Schweiz. An den Finanzmärkten würden derzeit viele Risiken in den Preisen berücksichtigt, aber keine schwere Krise vorweggenommen, heißt es in einem Marktausblick. Eine sich selbst verstärkende Talfahrt der Kapitalmärkte und der Konjunktur sei nicht zu erkennen: „Der fundamentale Ausblick bleibt für die meisten Volkswirtschaften solide, nicht zuletzt aufgrund des erneut gesunkenen Ölpreises. Der Konsum erhält zusätzlichen Schub. Die Konjunkturerholung in der Eurozone setzt sich fort. Für Deutschland und Italien sind die vorlaufenden Indikatoren besonders optimistisch.“

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