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Börsenkurse steigen : Doch keine Krise in China?

Seit zwei Tagen hoffen die chinesischen Anleger wieder. Bild: dpa

Die Kurse an Chinas Festlandbörsen stabilisieren sich. Nun melden sich immer mehr Fachleute, die sagen: So schlecht, wie die Anleger dachten, geht es dem Land überhaupt nicht. Im Gegenteil.

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          Die Aktienkurse stabilisieren sich offenbar wieder: In den Vereinigten Staaten und in Europa. Aber auch an den chinesischen Festlandbörsen in Schanghai und Shenzhen - von wo der globale Kurssturz am Ende der vergangenen und zu Beginn dieser Woche ausgegangen war. Die richtungweisenden Börsenbarometer in Schanghai und Shenzhen stiegen an diesem Freitag jeweils um rund 5 Prozent, der Technologiewerte-Index ChiNext, der vergleichbar mit dem amerikanischen Nasdaq-Index ist, legte sogar um mehr als 6 Prozent zu.

          Alexander Armbruster

          Verantwortlicher Redakteur für Wirtschaft Online.

          Als einen Grund machen Marktbeobachter aus, dass die chinesischen Behörden angeblich abermals direkt am Markt eingegriffen haben. In den vergangenen Tagen hatte die chinesische Notenbank zudem verschiedene Leitzinssätze gesenkt und zusätzliche andere Schritte gemacht, die expansiv wirken.

          Der Strukturwandel läuft

          Zugleich geschieht aber etwas, das momentan immer wieder an den Börsen zu beobachten ist: Während eines Kurssturzes sehen vorübergehend viele Marktteilnehmer „schwarz“ und verkaufen. Dann ist - gerade angesichts der Erfahrung der vergangenen Jahre - schnell von „Krise“ im allgemeinen oder „Finanzkrise“ im speziellen die Rede. Es werden viele sogenannte fundamentale Gründe vorgebracht, um den Kurssturz zu erklären. In diesem Fall sind das etwa das schwächere Wirtschaftswachstum und die Verschuldung - obwohl das auch schon Themen waren, als die Kurse stiegen, und im chinesischen Fall sicher auch „technische“ Gründe plausibel sind für den jüngsten Einbruch.

          Wenn die Anleger dann merken, dass China doch nicht quasi „von der Landkarte verschwunden ist“, schauen sie genauer hin. Und es melden sich immer mehr Fachleute zu Wort, die sich intensiv mit China und den asiatischen Finanzmärkten insgesamt beschäftigt haben. Auch wenn keiner von ihnen bestreitet, dass die chinesische Führung gerade vor einer großen Herausforderung steht und das Land in Schwierigkeiten steckt, sind sie grundsätzlich durchaus optimistisch.

          Stephen Roach zum Beispiel. Er leitete jahrelang das Geschäft der amerikanischen Investmentbank Morgan Stanley in Asien und ist mittlerweile als Dozent an die renommierte Universität Yale gewechselt. „Die Furcht vor einer großen Rezession in China ist deutlich übertrieben“, schreibt er in einer Analyse auf der Internetplattform Project Syndicate (hier, auf Englisch). Vielmehr sei der Strukturwandel des riesigen Landes weiter voll im Gang: Weg von einer durch Investitionen getriebenen Industrie-Wirtschaft zu einer mehr auf Konsumenten setzenden Dienstleistungsgesellschaft, deren Bevölkerung vom Land in große Städte zieht.

          „Falscher Alarm“

          Roach führt einen kleinen Zahlen-Reigen an: Im vergangenen Jahr schon haben Dienstleistungen mehr zur Wirtschaftsleistung beigetragen (48 Prozent) als Industrie und Bau (42 Prozent), und der Abstand wird wohl weiter wachsen; in der ersten Hälfte dieses Jahres legten Dienstleistungen um mehr als 8 Prozent zu, das verarbeitende Gewerbe um 6 Prozent.

          Gerade das bedeute, dass weiter viele neue Arbeitsplätze entstehen. Dienstleister brauchen beinahe ein Drittel mehr Arbeitskräfte für eine „Produktionseinheit“ als die kapitalintensive Industrie, erklärt Roach. Er führt an: In den Städten liege die Zahl der neu geschaffenen Arbeitsplätze in den vergangenen Jahren über dem Level, das die Regierung erwartet und avisiert hatte. Zudem lebe erst die Hälfte der Chinesen in Städten (gegenüber 20 Prozent Ende der siebziger Jahre).

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